Lebensdaten
1844 bis 1918
Geburtsort
Haale Kreis Rendsburg-Eckernförde (Holstein)
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116548088 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kroeger, Timm
  • Kröger, Timm
  • Kroeger, Timm

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Zitierweise

Kröger, Timm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116548088.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1800–55), Landwirt in H., S d. Johann, aus Vaasbüttel;
    M Trienke Bornhold ( 1888);
    1) 1876 Idalina Boie ( 1887), 2) 1890 Hilda Boie (* 1852, Schwägerin);
    1 S, 1 T aus 1);
    N Otto (* 1869), Bauernphilosoph (s. Ziegenfuß).

  • Leben

    K.s Werdegang war von entscheidendem Einfluß auf die Themenwahl und Ausdrucksform seiner Dichtung. Der nachgeborene Sohn eines wohlhabenden Bauern bewirtschaftete nach Beendigung der Volksschule das Altenteil seiner verwitweten Mutter. Erst mit 18 Jahren entschloß er sich ohne klares Berufsziel zum Studium, auf das er sich auf der Kieler Gelehrtenschule (Gymnasium) und durch Privatunterricht vorbereitete. Ohne Abitur 1864 an der Phil. Fakultät in Kiel immatrikuliert, wechselte er ein Jahr später zum Jurastudium über, das er in Zürich, Leipzig und Berlin betrieb. K. war als Referendar in Meldorf (Dithmarschen), Altona und Kiel tätig, anschließend als Assessor in Calbe/Saale, Lyck (Ostpreußen) und Pilkallen (Ostpreußen). 1874 wurde er Kreisrichter in Angerburg (Ostpreußen), dann Staatsanwaltsgehilfe in Marienburg (Westpreußen). 1876 ließ er sich als Rechtsanwalt und Notar in Flensburg nieder, vier Jahre später in Elmshorn. Detlev v. Liliencron wurde auf die ersten schriftstellerischen Versuche K.s aufmerksam und vermittelte 1888 den Druck der Erzählung „Die Roßtrappe von Neudorf“ in der Zeitschrift „Die Gesellschaft“. Der erste Novellenband „Eine stille Welt“ erschien 1891. Im darauffolgenden Jahr übersiedelte K. nach Kiel, wo er 1903 seine juristische Tätigkeit zugunsten der Schriftstellerei aufgab. Er schrieb insgesamt etwa 50 Erzählungen und Novellen, wovon einige z. T. mehrfach umgearbeitet und unter verschiedenen Titeln gedruckt worden sind, bis sie ihre endgültige Fassung in der Gesamtausgabe 1914/1916 (6 Bde.) erhielten.

    K. hat in der Jugend eine Fülle von Anregungen durch die zu Hause und in der Nachbarschaft praktizierte Erzählkunst und aus fleißiger Lektüre gewonnen. Die breite Darstellungsweise, insbesondere aber die Dialoggestaltung ist der damals noch blühenden Volkserzählung abgelauscht. Die meisten seiner Werke schildern Landschaft und Natur der engsten Heimat sowie Menschen, zu denen ihm die Vorbilder in seiner Jugend begegnet sind. Allerdings liegt ihm jeder Naturalismus fern; „er zieht sich … auf den poetischen Realismus zurück“ (Markwardt), dessen Tradition der an einer konventionellen Ethik orientierten Dorferzählung er fortführt. Gerade in den frühen Erzählungen finden sich eher Bilder als Geschichten, so daß man in seinem Werk Parallelen zur Worpsweder Malerschule erkennen möchte. Die Menschendarstellung tritt erst richtig mit „Leute eigener Art“|(1904) in den Vordergrund, wobei Glanzstücke humorvoller Schilderung gelingen (Wie mein Ohm Minister wurde). Behandelt werden mit Vorliebe die Schicksale bäuerlicher Menschen, die sich von Natur, Scholle und Dorfgemeinschaft abhängig wissen und sich nur schwer aus überkommenen und vorgefaßten Meinungen zu lösen vermögen. Gern gewählte Motive sind Traditionsbewußtsein (Um den Wegzoll, 1905), schuldhafte Liebesbeziehungen (Der Schulmeister von Handewitt, 1894), der Generationenkonflikt (Ein Unbedingter, 1904) und auch der Ablösungsprozeß junger Menschen vom ländlichen Milieu und ihr Streben nach höherer Bildung (Daniel Dark, 1916). Hierbei fließen unverkennbar autobiographische Züge ein. Ferner werden von K. Rechtsfragen stark berücksichtigt (Um den Wegzoll). Mit den Jahren schlägt er den Weg zur „Weltanschauungsdichtung“ (Bödewadt) ein, wobei ihn besonders die Frage der Vereinbarkeit des naturwissenschaftlichen Weltbildes mit dem biblisch-christlichen Glauben der Väter bewegt (Dem unbekannten Gott, 1916).

    K. ist Vorbildern wie Tolstoi, Storm und Raabe verpflichtet, dabei aber stets ein Dichter „eigener Art“ (Bödewadt). Die Apologeten der Heimatkunstbewegung, voran A. Bartels, beanspruchten ihn als einen der ihren. K. hat nie die Abhängigkeit seiner Dichtungen von der Heimat geleugnet, aber zugleich jede Einengung und Parteinahme abgewiesen. Er ist der Frage nach der seinen Werken angemessenen Sprachform nicht ausgewichen, um so weniger als er in den späten Jahren mit dem Dichter des plattdeutschen „Quickborn“ (1852), Klaus Groth, in vertrautem Verkehr stand. Da er sich einem weiteren Publikum verständlich zu machen wünschte, auch auf Grund seiner Distanz zum zeitgenössischen Naturalismus, entschied er sich für das Hochdeutsche, ließ aber gerade in den Redepartien niederdeutschen Wortgebrauch, häufig auch plattdeutsche Dialogstücke einfließen. Wohl unter dem Einfluß seines Freundes J. H. Fehrs, der die plattdeutsche Novelle zur Blüte brachte, übersetzte K. noch kurz vor seinem Tode fünf Erzählungen in die holstein. Mundart (Wa Jürn Hölk den Düwel ziteer, 1919).

  • Werke

    Weitere W Klaus Groth, 1905;
    Zwölf Gedichte, in: T.-K.-Gedenkbuch, hrsg. v. J. Bödewadt, 1920, S. 89 ff. (P);
    Aus dämmernder Ferne, Jugenderinnerungen, 1924 (P).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Kiel, Landesbibl. (33 Kästen).

  • Literatur

    G. Falke, T. K., 1906;
    A. Bartels, Schleswig-Holsteins Anteil an dt. Lit., T. K., in: Die Heimat 16, 1906, S. 63 ff.;
    ders., T. K., in: Westermanns ill. dt. Mhh., Jan. 1917, S. 601 ff.;
    J. Bödewadt, T. K., Ein dt. Dichter eigner Art, 1916 (W-Verz., P);
    F. Schriewer, T. K. als Dichter f. d. Heimat, 1924;
    Ch. M. Purin, Tolstoi u. K., e. Darst. ihrer Beziehungen, in: Festschr. A. R. Hohlfeld, 1925, S. 217 ff.;
    O. H. Brandt, in: Die schöne Lit. 28, 1927, S. 145-50;
    W. Frels, T. K., Bibliogr., ebd., S. 151 ff.;
    H. Broërs, Unterss. üb. d. niederdt. Bestandteile in T. K.s Novellen, 1927;
    K. Schwarzbeck, Die dichter. Entwicklung T. K.s u. s. Erzählungstechnik, Diss. Münster 1929;
    W. Hacker, T. K.s Bekenntnisdichtung „Dem unbek. Gott“, 1930;
    G. Rehmet, Schleswig-holstein. Erzählungskunst um 1900 u. ihre Beziehung z. Bauerndichtung d. Gegenwart, Joh. Hinr. Fehrs u. T. K., 1939;
    H. Behrens, T. K.s künstler. Eigenart, in: Bll. d. Herderschule (Rendsburg) 3, 1948;
    R. Bülck, T. K. als plattdt. Erzähler, in: Niederdt. Jb. 76, 1953, S. 77-87;
    O. Klose, J. H. Fehrs u. T. K., Eine Dichterfreundschaft in Briefen, in: Nordelbingen 22, 1954, S. 156 ff., 23, 1955, S. 40 ff.;
    H. Behrens, Bekenntnis zu T. K., in: Hebbel-Jb. 1957, S. 59-78;
    E. Wohlhaupter, Das Recht in Leben u. Dichtung T. K.s, in: H. G. Seifert (Hrsg.), Dichterjuristen III, 1957. S. 344-402;
    D. G. Puls, Dichter u. Dichtung in Kiel, 1962 (P);
    B. Markwardt, Gesch. d. dt. Poetik V, 1967, S. 350 ff.;
    Kindlers Lit. Lex. IX, S. 8083 f.

  • Portraits

    Ölgem., ca. 1914 (Kiel, Landesbibl.).

  • Autor/in

    Joachim Hartig
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartig, Joachim, "Kröger, Timm" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 57-58 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116548088.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA