Lebensdaten
1845 bis 1905
Geburtsort
Heilbronn
Sterbeort
Berlin-Charlottenburg
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116521570 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hauck, Hermann Guido
  • Hauck, Guido
  • Hauck, Hermann Guido

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Zitierweise

Hauck, Guido, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116521570.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann, Kaufm., S d. Heinrich (s. Gen. 1);
    M Hedwig, T d. Apothekers Carl Justus Elben in Beilstein/Württ. u. d. Joh. Heinrike Haasis;
    Vt Albert (s. 1);
    - 1872 N. N.; mindestens 1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach bestandener technischer Reifeprüfung an der Stuttgarter Polytechnischen Schule studierte H. 1865-70 Mathematik und Naturwissenschaften in Tübingen, wo C. Neumann, H. Hankel und S. Gundelfinger auf seine Entwicklung den größten Einfluß ausgeübt haben. Anschließend war er in Tübingen an der Realanstalt als Professor für Mathematik und Naturwissenschaften und außerdem an der Universität als Lehrbeauftragter für Darstellende Geometrie und Elementargeometrie tätig. Er promovierte hier 1876 mit der Dissertation „Grundzüge einer allgemeinen axonometrischen Theorie der darstellenden Perspektive“ und folgte 1877 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Darstellende Geometrie an der Bauakademie in Berlin. H. war maßgeblich am Plan beteiligt, durch Zusammenschluß der Bauakademie und der Gewerbe-Akademie die Technische Hochschule zu Berlin zu errichten, was 1879 gelang.

    In seiner Dissertation und in einer großen Anzahl von Aufsätzen behandelte H. die theoretischen Grundprinzipien der Darstellenden Geometrie und der Linearperspektive, nahm auch zu Unterrichtsfragen Stellung und beschrieb seinen perspektivischen Apparat, der es ermöglicht, bei gegebenem Grund- und Aufriß das Punktverfahren mechanisch auszuführen. Sein Hauptwerk ist „Die subjektive Perspektive und die horizontalen Kurvaturen des dorischen Stils“ (1879). Hier legt er sein deskriptives Glaubensbekenntnis nieder: Die Darstellende Geometrie soll ihre Aufgabe nicht bloß vom rein mathematischen Standpunkte aus auffassen, sie soll sich vielmehr stets bewußt sein, daß sie die Geometrie mit der Kunst verknüpfen und eine Brücke schlagen soll von der Mathematik zur ästhetischen Formenkritik – eine Aufgabe, der sie nur dadurch Genüge leisten kann, daß sie sich mit der physiologischen Optik verbindet. H. will mit seiner Definition der „subjektiven Perspektive“ als der Lehre von der Gestaltung des subjektiven Anschauungsbildes das herrschende System nicht hinsichtlich seiner formalen Gesetze angreifen, wohl aber hinsichtlich seiner physiologischen und psychologischen Begründung. Er erkennt an, daß die geometrische Linearperspektive wohl die rationellste Form der bildlichen Darstellung ist, weist aber darauf hin, daß sie ein Bild liefert, das nicht mit dem Bild übereinstimmt, wie es dem Auge erscheint; denn dieses ist nicht, wie die geometrische Perspektive annimmt, eine ruhende, sondern eine sich bewegende camera obscura. Die hierbei gewonnenen Detail-Eindrücke werden erst durch einen geistigen Prozeß zu einem Gesamtbilde, dem „subjektiven Anschauungsbilde“, kombiniert. Dieser beständigen Bewegung des Auges ist es auch zuzuschreiben, daß eine Gerade dem Auge im allgemeinen nicht den Eindruck der Geradlinigkeit macht. H.s Untersuchungen führen zur Erkenntnis, daß die Bedingungen der Konformität (scheinbare Größe einer Strecke ist proportional dem Gesichtswinkel) und der Kollinearität (eine Gerade erscheint in der Perspektiven Zeichnung als Gerade) auf einer Bildebene nicht gleichzeitig erfüllt werden können. Nach H. ist es deshalb Aufgabe der Perspektive im engeren Sinne, einen Kompromiß in dem Konflikt zwischen diesen beiden Bedingungen herzustellen, wobei es von der Natur des darzustellenden Gegenstandes abhängen wird, welche der beiden Bedingungen stärker berücksichtigt werden soll.|

  • Auszeichnungen

    Rektor 1883, 1884 u. 1896, Geh. Regierungsrat 1884.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. Stellung d. Math. z. bildenden Kunst u. Kunstwiss., dem Andenken K. F. Schinkels, in: Preuß. Jbb. 46, 1880, S. 126-45;
    Über d. Grundprinzipien d. Linearperspektive, in: Zs. f. Math. u. Physik 26, 1881, S. 273-96, 27, 1882, S. 236-48;
    Die maler. Perspektive, ihre Praxis, Begründung u. ästhet. Wirkung, … 1882;
    Theorie d. trilinearen Verwandtschaft ebener Systeme, Art. I-V, in: Journal f. reine u. angew. Math. 95, 1883, 97, 1884, 98, 1885, 108, 1891, 111, 1893;
    Über d. reziproken Figuren d. graph. Statik, ebd. 100, 1887, 120, 1899;
    Theorie d. parallelprojektiv-trilinearen Verwandtschaft ebener Systeme, ebd. 128, 1904;
    Mein perspekliv. Apparat, in: Festschr. d. Kgl. TH zu Berlin, z. Feier d. Einweihung ihres Gebäudes, 1884;
    Über d. construktiven Postulate d. Raumgeometrie in ihrer Beziehung z.d. Methoden d. Darst. Geometrie, in: Kat. math. u. math.-physikal. Modelle …, 1892, S. 40-53;
    Hauck-Brauer's perspektiv. Apparat, ebd., S. 234-41;
    Über innere Anschauung u. bildl. Denken, 1897.

  • Literatur

    E. Lampe, in: Jber. d. Dt. Mathematikervereinigung 14, 1905, S. 289-311 (W-Verz., P);
    K. Doehlemann, in: BJ X, S. 113-17 (W, u. Tl. 1905, L);
    Pogg. III-V.

  • Autor/in

    Helmuth Stark
  • Empfohlene Zitierweise

    Stark, Helmuth, "Hauck, Guido" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 77 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116521570.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA