• Genealogie

    V Jakob (* 1828), Fabrikbes., S d. Ackerwirts Jak. Clemens;
    M Agnes (* 1828), T d. Lehrers Nik. Neumann.

  • Leben

    F. war der letzte und schärfste Vertreter der von W. von Humboldt geschaffenen Sprachwissenschaft, die die Sprachgestaltung und die Geisteseigentümlichkeit eines Volkes in innigster Verbindung sieht. Nachdem F. eine Ordnung in die vorhandenen Sprachen gebracht hatte, das heißt sie klassifiziert hatte, machte er den Zusammenhang zwischen Sprachgestaltung und Geisteseigentümlichkeit deutlich sichtbar und verknüpfte sie wenn möglich kausal miteinander (Der deutsehe Sprachbau als Ausdruck deutscher Weltanschauung, 1899; Die Klassifikation der Sprachen, 1901). In seinem Buche „Die Haupttypen des Sprachbaus“ (1909) hat er die von ihm als entscheidend für die Klassifikation erkannten 8 Sprachen geschildert und dabei besonders den Typus der gruppenflektierenden Sprachen als einen besonderen Typus in die Lehre von den Sprachtypen eingeführt. Die Schilderung der Sprachen des indogermanischen Typus auf dem Hintergrund der anderen Sprachenwelt und seine Erklärung hat er nicht mehr schreiben können, wenn auch seine zahlreichen Veröffentlichungen Vorarbeiten für dieses Werk waren. Dabei hat er nicht die Folgerungen übersehen, die sich aus dem Vergleich der Sprachen einer Gruppe in historischer Hinsicht ziehen lassen. Die typische Sprachgeographie, die ja bis zu einem gewissen Grade der Humboldtschen Lehre entgegensteht, hat er in dem Aufsatz „Der angeblich passivische Charakter des transitiven Verbs“ (in: Kuhns Zeitschrift für vergleichende Sprachwiss. 41, 1907, S. 209-82) klar angedeutet. Auf viel begangenen Wegen ist er in seiner Wissenschaft nicht gewandert. Er gab die erste Beschreibung einer irischen Mundart; auf dem Gebiete der armenischen Philologie gab er eine Zeitschrift heraus, veröffentlichte eine Grammatik, Kataloge und Texte. Für seine Lebensarbeit war F. nur ein Jahrzehnt gegönnt. Nach einem nur begonnenen juristischen Studium und aktivem Heeresdienst (1886–91) studierte F. in München, Paris und Marburg, habilitierte sich dort 1896 für vergleichende (indogermanische) Sprachwissenschaft, 1903 in Berlin für allgemeine Sprachwissenschaft und wurde dort 1909 zum außerordentlichen Professor ernannt. Für seine Studien hat er manche Reisen gemacht, besonders nach Rußland und Irland; 1900-02 war er in Kaukasien.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Grundlage f. e. neue Rangordnung d. Werte, 1891;
    Weltfremd-Weltfreund, 1893;
    Zwei russ. Märchen in phonet. Schreibung, in: Phonet. Stud., 1895/96;
    Die araner mundart, 2 Bde., 1899;
    Lehrbuch d. neuostarmen. Lit.-sprache, 1902 (mit St. Kanajeanz);
    Lehrb. d. Dialekts d. dt. Zigeuner, 1903;
    Kat. d. armen. Hss. d. Herrn Abgar Joannissiany zu Tiflis, 1903;
    Die samoan. Partikel ‘o, in: SB d. kgl. preuß. Ak. d.|Wiss., 1904;
    Die Grundbedeutung d. grönländ. Subjektivs, ebenda, 1905;
    Die samoanischen Personal- u. Possessivpronomina, ebenda, 1907;
    Vier neuirische Zaubersprüche, in: Zs. d. Ver. f. Volkskde., 1906;
    Die Sprache d. armen. Zigeuner, in: Mémoires de l'Académie Imp., St. Petersburg 1907;
    Verz. z. d. armen. Hss. d. Kgl. Univ.bibl. Tübingen, 1907;
    Gesch. d. armen. Lit., in: Litteraturen d. Ostens VII, 2, 1907, S. 75-130;
    Armen. Paläographie, 1907;
    Die Verwandtschaftsverhältnisse d. Bantusprachen, 1908;
    Die Wanderungen d. Polynesier nach d. Zeugnis ihrer Sprachen, 1909. – Hrsg.: Epiphanios v. Cypern, Ἒκϑεσις πρΩτοκλησιῶν πατριαρχῶν τε καὶ μητροπολιτῶν, 1902 (armen. und griech.);
    Nilos Doxapatres, Τάξις τῶν πατριαρχικῶν ϑρόνΩν, 1902 (armen, u. griech.).

  • Literatur

    E. Lewy, in: Lexis III, 1953, S. 158-62;
    BJ (Tl. 1910); Wi. 1908 (W-Verz.).

  • Autor/in

    Ernst Lewy
  • Empfohlene Zitierweise

    Lewy, Ernst, "Finck, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 148 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116514086.html#ndbcontent

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