Lebensdaten
1830 bis 1917
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Farbstoffindustrieller ; Wirtschaftspolitiker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 116495898 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geigy, Johann Rudolf
  • Geigy, Rudolf
  • Geigy, Johann Rudolf

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Geigy, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116495898.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (s. 1);
    1855 Maria (1837–1912), T d. Fabr. Samuel Merian u. d. Anna Cath. Merian;
    2 S, 2 T, u. a. Joh. Rudolf G.-Schlumberger (1862–1943), Chemiker, Dr.-Ing. E. h., Teilhaber d. Fa. seit 1888, Leiter d. techn. Fabrikation bis 1924, Carl Alphons G.-Hagenbach (1866–1949), Kaufm., seit 1891 Teilhaber d. Fa., Leiter d. kaufm. Abt. bis 1925, Autographensammler (s. W, L);
    N Karl Koechlin-Iselin (1856–1914), Kaufm., seit 1883 Teilhaber d. Fa., Leiter d. kaufm. Abt., die Errichtung d. Extraktfabrik in Maromme (Frankreich) u. d. in Rußland, d. Werkes in Grenzach 1898 u. d. Fabrikationsstätte in New Jersey 1904 ist größtenteils seiner Initiative zu verdanken, ebenso d. Umwandlung in e. Fam.-AG 1901 (nur Sandmeyer als einziger nicht verwandter Aktionär);
    E (S d. Rudolf) Joh. Rudolf (* 1902), Prof. d. Zoologie, Leiter d. Tropeninst. in B.

  • Leben

    Nach den Schuljahren in Bern, Elberfeld (Gymnasium) und Basel (Pädagogium) trat der 17jährige G. eine 3jährige Lehrzeit im väterlichen Geschäft an. Es folgten 5 bei Geschäftsfreunden in Frankreich, England und Ostindien verbrachte Jahre. Briefe und Geschäftsaufzeichnungen zeugen von enger Zusammenarbeit von Vater und Sohn, von der Aufmerksamkeit für die technischen Details der Farbherstellung und dem Interesse an den großen Zusammenhängen des Welthandels. 1854 wurde G. Teilhaber der Firma. Es wurden damals neue Fabrikationsanlagen mit Dampfbetrieb für den Farbholzextrakt geplant, die 1859 eröffnet worden sind. Hier ist 3 Jahre nach der Entdeckung des ersten technisch verwertbaren künstlichen Farbstoffs durch den Engländer Perkin 1856, angeregt durch den Prokuristen J. J. Müller-Pack (1825–99), wenige Monate nach ersten Versuchen in der Clavelschen Färberei in Basel (Vorläufer der heutigen Ciba-AG) mit der Anilinfarbenfabrikation begonnen worden. Das Unternehmen J. J. Müllers dürfte sich aber allzusehr vom Stil des überkommenen Handelshauses für Farbwaren unterschieden haben, so daß die chemische Fabrik 1860 mit finanzieller Unterstützung durch G. ein selbständiges Unternehmen J. J. Müller-Packs wurde, der mit Hilfe der Chemiker J. A. Schlumberger und Felix Cornu eine wichtige Stätte der Anilinfarbenfabrikation geschaffen hat. Doch scheiterte dieser mutige Unternehmer an den Anfangsschwierigkeiten, die dann durch G., der 1864 von neuem die Betriebsstätte übernommen hatte, dank seines gesellschaftlichen Ansehens und seiner finanziellen Mittel leicht überwunden werden konnten. Die Teerfarbenfabrikation wurde in größerem Umfange aufgenommen, daneben blieb die Extraktfabrikation als einziges Schweizer Unternehmen dieser Art erhalten.

    G.s Tätigkeitsbereich war vor allem die Pflege der internationalen Geschäftsbeziehungen, die Auswahl der Farbnuancen für den ihm vertrauten Kundenkreis, die Sicherung der Rohstoffe. Für das Industrieunternehmen fand er die richtigen Mitarbeiter: Traugott Sandmeyer arbeitete seit 1888 mit dem Vertreter einer jüngeren Chemikergeneration, dem Baeyer-Schüler Rudolf Geigy-Schlumberger, dem Sohn G.s zusammen. Nach dem Tode seines Onkels Eduard schloß G. 1856-63 das Handelshaus mit U. Heusler zusammen (J. R. Geigy & U. Heusler). 1869 wurden zum 1. Male nicht verwandte Teilhaber in die Firma aufgenommen, Felix Cornu und A. Mylius, die nicht wegen der finanziellen Einlage, sondern wegen ihrer Sachkenntnisse enger mit dem Unternehmen verbunden werden sollten. - Auch in der praktischen Ausgestaltung sozialer Einrichtungen war G. schöpferisch tätig. War er doch überzeugt, daß „jedes große Unternehmen einen genossenschaftlichen, gemeindeartigen Charakter habe“ (Zitat von 1890). 1891 trat er offiziell von der aktiven Geschäftsleitung zurück, nachdem er schon vorher die eigentliche Leitung den Söhnen und dem Neffen überlassen hatte, um sich ganz seiner öffentlichen Tätigkeit zu widmen.

    Als Politiker war G. in der Epoche von 1880-86 parlamentarischer Führer in wirtschaftlichen Fragen. Vor allem das Banknotennetz (1880), die Handelsverträge mit Deutschland, Frankreich und Italien (1881–83) waren sein Tätigkeitsgebiet. Seine Verbundenheit mit den liberalen Traditionen und seine Einsicht in das Wesen der exportorientierten Schweizer Wirtschaft bestimmten ihn zu einem zähen Kampf gegen die fortschreitende Schutzzollpolitik. Sein Presseorgan in jener Zeit war die baslerische „Schweizer Grenzpost“, an der so eigenwillige Persönlichkeiten wie Carl Spitteler und der nachmalige Sozialistenführer Karl Moor als Redaktoren tätig waren.

    Als Gründer eines modernen Fabrikbetriebes hat es G. verstanden, die kaufmännischen und politischen Traditionen eines städtischen Gemeinwesens in einer veränderten Umwelt|zur Geltung zu bringen und dazu beigetragen, den weltoffenen Charakter der in der Folgezeit wachsenden chemischen Industrie Basels zu stärken|.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Basel 1910).

  • Werke

    Unsere Handels- u. zollpol. Beziehungen zu Frankreich, 1893;
    Zur Arbeiterfrage, in: Schweizer Grenzpost, Nr. 215-18 v. 17.-20.11.1890. - Zu S Carl G.-Hagenbach: Album v. Handschrr. berühmter Persönlichkeiten v. MA b. z. Neuzeit, 1925;
    Autographenslg., 1929 (mit 2 Nachträgen, weitere Nachträge 1933 u. 1939, Kataloge).

  • Literatur

    L (s. a. L z. Gesamtfam.) [C. Koechlin-Iselin], Ein Zeitbild aus d. Achtziger J., 1910;
    H. H[agenbach], J. R. G. als schweizer. Industrieller, in: Neue Zürcher Ztg. Nr. 407 v. 7.3.1917;
    T. Geering, in: Basler Jb., 1919, S. 1-62 (P);
    ders., in: Pioniere d. Technik, 1920, S. 169-220;
    F. Rieter, in: Schweizer Pioniere d. Wirtsch. u. Technik II, 1955, S. 35-44 (P). - Zu S Carl G.-Hagenbach:
    St. Zweig, C. G.-H. u. seine Slg., 1936.

  • Portraits

    Phot., um 1896, Abb. b. E. His u. Bürgin, s. L z. Gesamtfam.

  • Autor/in

    Hanno Caprez
  • Empfohlene Zitierweise

    Caprez, Hanno, "Geigy, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 149 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116495898.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA