Lebensdaten
1856 bis 1912
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Rekawinkel bei Wien
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116411244 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ganglbauer, Ludwig

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Zitierweise

Ganglbauer, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116411244.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1823–74), Dr., Oberfinanzrat d. Staatsschuldenkasse, S d. Bauern Veit in Schiedelberg/Ob.österr. u. d. Katharina Weinberger;
    M Anna (1833–80), T d. Drechslers Franz Paal u. d. Aloisia Schneider;
    Ov Cölestin (1817–89), Kardinal, EB v. Wien (seit 1881, s. ÖBL);
    1883 Eugenie (1862–1920), T d. Juweliers Heinr. Starke u. d. Eugenie Ennser;
    1 S.

  • Leben

    Einer schon in früher Jugend erwachten Neigung folgend, studierte G. an der Universität Wien 1874-78 Naturwissenschaften. Nach Ablegung der Lehramtsprüfung unterrichtete er kurze Zeit als Probelehrer, fand aber schon 1880 eine seinen Wünschen besser entsprechende Stellung als Assistent am Zoologischen Hofkabinett (Naturhistorisches Hofmuseum), wo er die Betreuung der Käfersammlung übernahm, die er in der Folge zu einer der reichhaltigsten der Welt, vor allem für die paläarktische Region, ausbaute. Das Material war zum Teil das Ergebnis jährlicher Sammelreisen, die ihn in die Alpen und Karpathen und in den dinarischen Karst führten. Seit 1885 Kustos-Adjunkt, wurde er 1893 Kustos, 1906 Direktor der zoologischen Abteilung. – Mit der Neuherausgabe von L. Redtenbachers „Fauna austriaca“ betraut, kam er bald von dem ursprünglichen Plan des Buches ab und schuf ein ganz neues Werk (Die Käfer von Mitteleuropa, Band I-IV, 1, 1892-1904 [mehr nicht erschienen]), das bis zu seinem Lebensende seine ganze Arbeitskraft in Anspruch nahm. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf die Charakterisierung größerer Gruppen wie Tribus, Familien, Familienreihen. Bei der Bearbeitung begnügte sich G. nicht mit bloßer Kompilation, sondern wurde jeweils zum Fachmann für die eben bearbeiteten Gruppen, von denen neben den Cerambyciden besonders die Staphyliniden hervorzuheben sind. Mit deren Bearbeitung regte G. auch andere Koleopterologen zur Befassung mit dieser Familie an. Auch die meisten anderen Arbeiten G.s hatten ihren Ausgangspunkt in seinem Hauptwerk. Sie behandelten zum Teil spezielle Fragen der darin bearbeiteten Gruppen, zum Teil allgemeine Fragen der Koleopteren-Systematik. Manche Merkmale wie Flügelgeäder und Larvenformen verwendete er erstmals allgemeiner in der Systematik, nicht ohne freilich insbesondere beim Flügelgeäder – in einem 1903 entwickelten neuen (natürlichen) Koleopterensystem – auf starken Widerspruch zu stoßen. – Mit E. Reitter und G. als den hervorragendsten Persönlichkeiten erreichte damals die österreichische Entomologie einen Höhepunkt. Beide zählten auch 1881 zu den Begründern der „Wiener Entomologischen Zeitung“, aus deren Redaktion G. allerdings schon 1884 ausschied.|

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien (1908).

  • Werke

    Weitere W u. a. Bestimmungs-Tabellen d. europ. Coleopteren, IV a Oedemeridae, in: Verhh. d. zool.-botan. Ges. in Wien 31, 1881, S. 97-116, VII-VIII Cerambycidae, ebd., S. 681-758, u. 33, 1883, S. 437-586;
    Cicindelidae, Carabidae, in: L. v. Heyden, E. Reitter u. J. Weise, Cat. Coleopterorum Europae, Caucasi et Armeniae Rossicae, 1891, S. 1-58;
    Malthodes, ebd., 2. Ausg., 1906, S. 294-96;
    Systemat.-koleopt. Stud., in: Münchener Koleopt. Zs. 1, 1903, S. 271-319;
    Revision d. Blindrüßlergattungen Alaocyba u. Raymondionymus, ebd. 3, 1906, S. 135-70;
    Revision d. Gattung|Zabrus Clairv., in: Koleopt. Rdsch. 17, 1931, S. 1-55 (mit biogr. Vorbemerkung v. F. Heikertinger, P);
    vgl. CSP 9, 12, 15.

  • Literatur

    F. Spaeth, in: Verhh. d. zool.-botan. Ges. in Wien 62, 1912, S. 417-35 (W, P);
    W. Hubenthal, in: Entomol. Bll. 8, 1912, S. 193-96;
    H. Soldanski, in: Dt. Entomol. Zs., 1912, S. 474 f.;
    K. Holdhaus, in: Mitt. d. Sektion f. Naturkde. d. österr. Touristenklubs 23, 1912, S. 53 f.;
    A. Handlirsch, in: Ann. d. nat.hist. Hofmus. 27, 1913, Notizen S. 1-4;
    F. Spaeth u. A. Hetschko, in: Wiener Entomol. Ztg. 32, 1913, S. 1-15 u. 180 (W, P);
    F. Heikertinger, ebd. 33, 1914, S. 131-39;
    ders., Erinnerungen an L. G. u. s. Zeit, in: Koleopt. Rdsch. 23, 1937, S. 93-110;
    BJ 18 (Tl. 1912, L).

  • Autor/in

    Helmut Dolezal
  • Empfohlene Zitierweise

    Dolezal, Helmut, "Ganglbauer, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 62 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116411244.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA