Lebensdaten
1805 bis 1881
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Vorkämpfer für das Wohlfahrtswesen ; Begründer des württembergischen Roten Kreuzes
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116386118 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hahn, Christoph Ulrich
  • Hahn, Christoph
  • Hahn, Christoph Ulrich
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Hahn, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116386118.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Daniel (1755–1831), Kanzleibeamter beim Ev. Kirchenrat, später Sekr. im Finanzmin. in St., ehrenamtl. Sekr. d. Dt. Christentumges. Zweig Württemberg, Mitbegr. d. Württ. Bibeiges. 1812, S d. Pfarrers Gg. Gottfr. (s. Gen. 2) u. d. Charl. Dorothea Maichel;
    M Ulrike (1772–1825), T d. Frdr. Paulus (1733–1803), Hofrat u. Oberamtmann in Schorndorf, u. d. Frieder. Elisabeth Bilfinger;
    Ov Philipp Matthäus (s. 2);
    Vt d. M Heinr. Paulus ( 1851), Prof. d. Theol., führender Rationalist;
    Schw Pauline ( Frdr. Aug. Dorsch, 1784–1859, württ. Finanzrat);
    - 1) 1835 Luise Joh. (1812–43), T d. Stadtpflegers u. Kaufm. Carl Gottlieb Lutz in Güglingen, 2) 1849 Elisabeth (1827–55), T d. Kaufm. Joh. Gottfr. Marstaller in Bönnigheim;
    2 S, 1 T aus 1), 2 S aus 2).

  • Leben

    H., vom Pietismus geprägt, unterrichtete nach seinem Tübinger Theologiestudium an einer Privatschule in Lausanne. Dort und in Genf kam er mit dem Calvinismus in Berührung, dessen soziale Tätigkeit ihn tief beeindruckte. Als Vikar in Eßlingen gründete er 1830 einen Traktatverein, aus dem die Stuttgarter „Evangelische Gesellschaft“ entstand. Als Diakonus in Bönnigheim Kreis Ludwigsburg errichtete er 1834 ein hauptsächlich von Ausländern besuchtes Knabenerziehungsinstitut. Für den 2. Band seiner dreibändigen Ketzergeschichte verlieh ihm 1849 die Theologische Fakultät Leipzig ehrenhalber den Doktorgrad der Theologie. Seine pädagogische und gelehrte Tätigkeit trat seit dem Revolutionsjahr 1848 zurück vor der Beschäftigung mit sozialen Zeitproblemen, ein Gebiet, dem er sich fortan zeitlebens widmen sollte. Damals gründete H. viele Wohltätigkeitsanstalten und berichtete darüber in mehreren Schriften. Mit puritanischer Strenge wettert er gegen die Verwilderung der Sitten. In seinen Verbesserungsvorschlägen erkennt man das Genfer Vorbild. Die Société internationale d'economie charitable in Paris und die Zentralleitung des 1817 gegründeten Württembergischen Wohltätigkeitsvereins ernennen ihn zum Auswärtigen Mitglied. In den von ihr|herausgegebenen „Blättern für das Armenwesen“ berichtet er laufend über die internationalen Wohltätigkeitskongresse, die er jetzt häufig besucht.

    1859 erhält H. die Pfarrstelle des Stuttgarter Vororts Heslach, gleichzeitig wird er Mitglied der Zentralleitung. Bald als Fachmann für soziale Fragen anerkannt, sucht er nun das Bildungswesen, und damit die Lage der Arbeiter, besonders die der Frauen und Kinder, zu verbessern. Schon auf dem Brüsseler Kongreß von 1856 hat er vergebens ein internationales Fabrikgesetz beantragt, dessen Entwurf freilich für jene Zeit unerhörte soziale Neuerungen enthält.

    Im Oktober 1863 wird H. von der Zentralleitung auf die Genfer Konferenz, die zur Gründung des Roten Kreuzes führt, delegiert. Dort lernt er Henri Dunant persönlich kennen und bleibt ihm zeitlebens verbunden. Schon am 12.11.1863 berichtet er der Zentralleitung und wird daraufhin von ihr mit der Gründung einer Rotkreuz-Organisation im Sinne der Genfer Beschlüsse beauftragt. Noch im November versendet H. einen begeisterten Aufruf, und am 5.12.1863 wird der Gründungsausschuß gebildet. Der „Württembergische Sanitätsverein“ wurde somit die erste Organisation des Roten Kreuzes außerhalb Genfs. Er sollte sich besonders im Kriegsjahr 1870/71 bewähren. Selbst Frankreich verlieh H. das Erinnerungskreuz, auch wurde er Ehrenmitglied der Société des Hospitaliers d'Afrique. H.s Sprachkenntnisse, seine vornehmen Umgangsformen und sein diplomatisches Geschick befähigen ihn in außergewöhnlichem Maß, sein Land, seine Kirche, in Sonderheit die Zentralleitung, die Innere Mission, deren Ausschußmitglied er war, und den von ihm geleiteten Sanitätsverein auf in- und ausländischen Tagungen zu vertreten. Dort hatte er vielfache Gelegenheit, mit wertvollen Ratschlägen die Entwicklung des deutschen und europäischen Wohlfahrtswesens zu fördern. Neben all diesen Aufgaben vernachlässigte er keineswegs sein geistliches Amt; die frühere Strenge war nunmehr einer abgeklärten Milde gewichen. Nach seiner Emeritierung (1872) blieb H. bis zum Tode für das Wohlfahrtswesen tätig.

  • Werke

    W Theol.: P. M. H.s hinterlassene Schrr., 1828;
    Gesch. d. Ketzer im MA, bes. im 11., 12. u. 13. Jh., I: Die neumanichä. Ketzer, 1845, II: Waldenser u. verwandte Sekten, 1847, III: Pesagier, Joachim v. Floris, Amalrich v. Bena u. a. verwandte Sekten, 1850. - Soz. Fragen: Die Bezirkswohltätigkeitsvereine, ihre Gegenwart u. Zukunft, Ein Btr. z. Lösung d. Armenfrage, 1848;
    Heilmittel f. d. zunehmende Entsittlichung u. Verarmung d. Volkes, Ein Btr. z. Sache d. Inneren Mission, 1851;
    Die Auswanderung, Aufruf an christl. Menschenfreunde, 1853. - Rotes Kreuz: Aufruf z. Bildung v. internat. Gesellschaften z. Verpflegung d. im Kriege verwundeten Soldaten, 1863, = Sonderdr. aus Bll. f. d. Armenwesen, H. 47 u. 48 v. 21. bzw. 28.11.1863;
    Rechenschaftsberr. d. Württ. Sanitätsver., Nr. 1, 1864-66 bis Nr. 5, 1878-81;
    Mitt. d. Württ. Sanitätsver. während d. dt.-franz. Krieges 1870–71, 87 Hh. in 1 Bd., 1872. - Aufsätze mit soz. Themen vorwiegend in d. Bll. f. d. Armenwesen 1-34, 1848-81.

  • Literatur

    L. Hofacker, in: Schwäb. Kronik v. 19.2.1881, H. 42;
    R. Lauxmann, in: Bll. f. d. Armenwesen 34, 1881, Hh. 11-17;
    A. Quellmalz, in: Lb. aus Schwaben u. Franken VIII, 1962, S. 178-211 (W-Verz., P);
    W. Gruber, Baden-Württemberg - Wiege d. Roten Kreuzes in Dtld., in: Mitt.bl. d. Dt. Roten Kreuzes, Landesverbände Baden-Württemberg 15, 1963, H. 10, S. 3-18.

  • Portraits

    Alters-Phot. (Stuttgart, Württ. Landesbibl.).

  • Autor/in

    Alfred Quellmalz
  • Empfohlene Zitierweise

    Quellmalz, Alfred, "Hahn, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 495 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116386118.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA