Lebensdaten
1853 bis 1897
Geburtsort
Petersburg
Sterbeort
Gießen
Beruf/Funktion
Indologe ; Sprachforscher ; Sanskritforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116385235 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bradke, Peter von
  • Bradke, Peters von

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Zitierweise

Bradke, Peter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116385235.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Das Geschlecht geht zurück auf den Lübecker Bürger Peter Bradke, dessen beide Söhne sich in schwedischen Kriegsdiensten unter Karl XII. auszeichneten und geadelt wurden; ihre Nachkommen wurden in Livland ansässig;
    V Georg (1796–1862), russischer Wirklicher Geheimer Rat und Senator in Petersburg, S des Friedrich, russischer Geheimer Rat, Gouverneur von Wjatka, Senator, und der Charlotte Christina Haack;
    M Luise Lucie (1827–61), T des russischen Landrats Peter von Sass und der Friederike von Luce.

  • Leben

    B. studierte in Dorpat 1871-75 klassische und germanische Philologie sowie vergleichende Sprachwissenschaft bei Leo Meyer und 1876 bis 1878 in Tübingen bei R. Roth. Von 1878|an widmete er sich in Jena dem Studium der indischen Philologie, promovierte mit der Dissertation „Über das Mānavagrhyasūtra“ und habilitierte sich 1884 in Gießen für Sanskrit und vergleichende Sprachwissenschaft. Hier wurde er 1886 außerordentlicher und 1893 ordentlicher Professor. Zunächst mit Arbeiten aus dem Bereich der indischen Philologie beschäftigt, wandte er sich später, auf Viktor Hehns Arbeiten fußend, der Erforschung der indogermanischen Kultur zu, die zu seinem umfangreichsten, gegen O. Schraders Buch „Sprachvergleichung und Urgeschichte“ (1883) stark polemisierenden, aber methodischen Werk „Über Methode und Ergebnisse der arischen Altertumswissenschaft“ (1890) hinführte.

  • Werke

    Weitere W Dyaus Asura, Ahura Mazdâ u. d. Asuras, 1885;
    Btrr. z. Erkenntnis d. vorhist. Entwicklung unseres Sprachstammes, 1888;
    Üb. d. ar. Altertumswiss. u. d. Eigenart unseres Sprachstammes, 1888.

  • Literatur

    ADB XLVII;
    W. Streitberg, in: Indogerman. F, Anz., 8, 1897;
    R. Thurneysen, in: Busian-Jberr. 103, Bursian-BJ. 22, 1899;
    F. Babinger, P. v. B., 1912;
    ders., in: Hess. Biogr. I, 1918, S. 129-33;
    H. Haupt, in: BJ II, S. 177-79 (u. IV, Totenliste 1897, L).

  • Autor/in

    Willibald Kirfel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kirfel, Willibald, "Bradke, Peter von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 505 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116385235.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bradke: Peter von B., Sanskritist und Sprachforscher, wurde am 27. Juni 1853 zu St. Petersburg geboren, als Sohn des Senateurs Georg v. B., der bald nach der Geburt seines Sohnes zum Curator des Dorpater Lehrbezirks ernannt wurde und in dieser Stellung eine bedeutende und segensreiche Thätigkeit ausübte. In Dorpat verlebte B. seine Jugendjahre, studirte 1871—75 an der dortigen Universität classische und germanische Philologie und vergleichende Sprachwissenschaft, in die er von Leo Meyer eingeführt wurde. Im J. 1876 erwarb er sich den Candidatengrad, wandte sich dann nach Deutschland und hörte vier Semester hindurch 1876—78 die Vorlesungen Rudolf Roth's in Tübingen, dessen Persönlichkeit einen großen Einfluß auf ihn gewann. In den Jahren von 1878—1884 lebte er zumeist in Jena, vor allem mit dem Studium der indischen Philologie beschäftigt; leider aber wurde er in dieser Zeit durch verschiedene Leiden heimgesucht, die auch psychisch tief auf ihn einwirkten. Neue Frische und Anregung suchte er durch das Studium der Kunstgeschichte in München zu gewinnen (1879—80). Nach Jena dann zurückgekehrt, mußte er dies wieder auf ein Jahr verlassen, um in Italien Erholung und Genesung zu finden. Im J. 1882 promovirte er in Jena mit einer Arbeit: „Ueber das Mānava-Grhya-Sūtra“. Seine Vorarbeiten zur Ausgabe dieses noch nicht veröffentlichten Textes überließ er aber später, als seine Studien eine andere Richtung genommen hatten, seinem Freunde Friedrich Knauer. Im J. 1884 habilitirte er sich an der Universität Gießen für Sanskrit und vergleichende Sprachforschung. 1886 wurde er dort zum außerordentlichen, 1893 zum ordentlichen Professor für diese Lehrfächer ernannt, und bekleidete diese Stelle bis zu seinem Tode, den ein schweres, inneres Leiden am 7. März 1897 herbeiführte. Während er sich anfangs mit rein philologischen Arbeiten auf dem Gebiete der vedischen Philologie beschäftigt hatte, traten mehr und mehr allgemeine Fragen, die Cultur der Indogermanen betreffend, in seinen Gesichtskreis, wobei sich die Frage nach den religiösen Anschauungen unserer Vorfahren in den Vordergrund schob. Seine erste größere Arbeit war ein Buch über: „Dyâus Asura, Ahura Mazdâ und die Asuras“ (Halle 1885). Sie galt dem Nachweis, daß wie bei den classischen|Völkern der Himmelsgott Ζεὺς πατήρ, Juppiter, so auch bei den Vorfahren der Inder und Iranier, Dyâus pitar asura der höchste Gott und Herr gewesen sei. Diese Forschungen hat er nicht wieder aufgegeben. Dem Genius seines Landsmannes Victor Hehn folgend, suchte er dessen Arbeiten über die Cultur der Indogermanen von seinem Standpunkt aus weiter zu führen. Derartige Arbeiten erforderten aber eine so breite und ausgedehnte Grundlage, daß B. nicht dazu gekommen ist, ein größeres Werk mit dem Inhalte seiner Forschungen zu veröffentlichen. Es liegen uns nur kleinere Gelegenheitsschriften vor, so die „Beiträge zur Kenntniß der vorhistorischen Entwicklung unseres Sprachstammes“ und „Ueber die arische Alterthumswissenschaft und die Eigenart unseres Sprachstammes“ (beide Gießen 1888). Sein umfangreichstes Werk auf diesem Gebiet „Ueber Methode und Ergebnisse der arischen Alterthumswissenschaft“ (Gießen 1890) ist im wesentlichen eine einzige, umfangreiche Kritik des Buches von O. Schrader: „Sprachvergleichung und Urgeschichte“, das 1883 erschienen und mit lebhaftem Beifall aufgenommen war. Dem gegenüber vertrat B. die Ansicht, daß dieses Buch methodisch an großen Mängeln litte und mit seinen hauptsächlichsten Anschauungen auf einem Standpunkt stehe, der durch V. Hehn längst beseitigt sein sollte. Wenn auch die Form der Kritik manches Unerfreuliche bietet, so ist sie jedoch an sich im wesentlichen berechtigt, und Bradke's methodische Ausführungen sind von bleibendem Werth. In den letzten Jahren hat er auch die indogermanische Sprachwissenschaft durch kleine, aber werthvolle Untersuchungen bereichert.

    • Literatur

      L. v. Schroeder, Nordlivländische Zeitung, 8./20. März 1897. — H. Hirt, Beilage. z. Münch. Allgem. Zeitung, 30. März 1897. —
      Streitberg, Indogermanische Forschungen, Anzeiger VIII, 369. —
      H. Haupt, Biograph. Jahrbuch und deutscher Nekrolog II, 177. — R. Thurneysen, Jahresbericht über die Fortschritte d. class. Alterthumswissenschaft 1899, CIII, 54 ff.

  • Autor/in

    H. Hirt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirt, Hermann, "Bradke, Peter von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 171-172 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116385235.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA