Lebensdaten
1885 bis 1944
Geburtsort
Altona
Sterbeort
Gifhorn/Aller
Beruf/Funktion
christlich-nationaler Gewerkschaftler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116350881 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Habermann, Hans Max
  • Habermann, Max
  • Habermann, Hans Max

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Zitierweise

Habermann, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116350881.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinr. Frdr. Wilh. (1852–1902), Schneidermeister in A., S d. Hans Heinr., Hauswirt in Nindorf b. Celle, aus alter Bauernfam., u. d. Kath. Maria Holst;
    M Anna Christina (1859–1908). T d. Hofeigners Joh. Glißmann in Beidenfleth in d. Krempener Marsch u. d. Uhrmachers-T Anna Marg. Lisette Stoffers;
    5 S (3 ⚔), 2 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volks- und der Mittelschule in Altona war H. 7 Jahre als Lehrling und Gehilfe im Buchhandel tätig. Während dieser Zeit gewannen die Anschauungen des „Kunstwart“ und der deutsch-sozialen Bewegung auf ihn Einfluß. So kam er 1904 zum Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband (DHV) und 1907 als hauptamtlicher Mitarbeiter in dessen „Sozialpolitische Abteilung“. Hier festigte sich seine Überzeugung von der Überlegenheit ständischer Selbstverwaltung über staatlich bürokratisch gelenkte Sozialpolitik. 1911 übernahm er die Schriftleitung der „Deutschen Handelswacht“, des Zentralorgans des DHV; 1913 wurde er in die DHV-Verwaltung gewählt. 1914 meldete sich H. als Kriegsfreiwilliger (Leutnant der Reserve). 1919-22 hat er, abermals Leiter der Sozialabteilung, unter betonter Bewahrung überkommener Grundsätze und Überzeugungen („Wir schwimmen gegen den Strom!“) am Wiederaufbau des DHV und dessen Eingliederung in die Weimarer Republik mitgewirkt. Seine Arbeit brachte ihn in enge politische Verbindung zu Brüning, Adam Stegerwald und den Führern des Deutschen Gewerkschaftsbundes; auch gehörte er zu den geistigen Vätern des „Vorläufigen Reichswirtschaftsrates“. An dem Beschluß des Braunschweiger Verbandstages vom Mai 1920, durch den die Mitglieder des DHV zur aktiven politischen Arbeit aufgerufen wurden und die Verwaltung zur Nominierung offizieller Verbandskandidaten bei den bürgerlichen Parteien verpflichtet wurde, hat er mitgewirkt. Dieses System politischer Querverbindungen hat in den 20er Jahren dem DHV eine weit über seine Mitgliederzahl hinausgehende Bedeutung verliehen. 1922 wurde H. Leiter der Abteilungen Jugend, Berufsbildung und Allgemeinbildung, zunächst im Spandauer Johannisstift, dann in Hamburg. Ein geborener Erzieher und als Mitbegründer des „Bundes der Fahrenden Gesellen im DHV“ mit Jugend- und Bildungsfragen praktisch und theoretisch vertraut, hat er seine Abteilungen auf einen hohen, auch von den gegnerischen Gewerkschaften anerkannten Stand gebracht. Er arbeitete zusammen mit W. Stapel, dem Herausgeber der Zeitschrift „Deutsches Volkstum“, dessen völkisch-konservative und streng lutherischen Anschauungen er teilte. 1930 wurde er, schon seit 1924 Aufsichtsratsmitglied der Hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg, Vorsitzender des Aufsichtsrates des Verlages Langen-Müller, München. 1920 wählte der „Internationale Bund christlicher Angestelltengewerkschaften“ H. zum Präsidenten. Im Juni des gleichen Jahres betraute ihn die Verwaltung des DHV mit der Vertretung der Verbandspolitik vor der Öffentlichkeit. In einer 1931 erschienenen Schrift „Stand und Staat“ hat H. die Grundsätze dieser Politik dargestellt. Um sie zu verwirklichen, suchte er in Verbindung mit Brüning einen Weg zwischen den sozialreaktionären Bestrebungen des Groß- und Altbürgertums und dem radikalen Extremismus der NSDAP zu finden. Nach dem Sturz Brünings sagte der DHV der Regierung Papen chärfste Opposition an und zog die offiziellen Verbandsabgeordneten aus dem Reichstag zurück, während sich H. bis in den Spätherbst 1932 um die Bildung eines Kabinetts Schleicher, mit Brüning als Außenminister und Gregor Straßer als Innenminister, bemühte. Im April 1933 wurde H. von Hitler aus seinen Gewerkschaftsämtern entfernt und an seinem Wohnsitz, Hamburg-Rahlstedt, unter Hausarrest gestellt. Nach einer kurzen Zeit des Zuwartens begann H. in Berlin, wo er im Herbst 1934 ein Geschäft für Büroartikel eröffnet hatte, bereits im Winter 1934/35 zusammen mit J. Kaiser die Freunde und Mitarbeiter aus den christlich-nationalen Gewerkschaften zu sammeln. Bald bildeten sich Verbindungen zur Wehrmacht, zur Beamtenschaft, zur Wirtschaft, zu einzelnen Politikern der Weimarer Zeit. Besonders eng war das Verhältnis zu Goerdeler, Beck und Leuschner. Den Aufbau einer „Deutschen (Einheits-)Gewerkschaft“ bereitete er mit Leuschner und Kaiser vor, in der H. die Führung der Angestellten-Gruppe übernehmen sollte. Nach dem 20. Juli 1944 fand H. eine Zuflucht bei Freunden in Westdeutschland. In Müden a. d. Aller, wohin seine Familie evakuiert worden war, wurde er von der Gestapo verhaftet. Im Gerichtsgefängnis Gifhorn machte er seinem Leben ein Ende.

  • Werke

    Die neue Ordnung v. Kapital u. Arbeit, 1922;
    Die Erziehung z. dt. Menschen, 1923;
    Stand u. Staat, 1931;
    Der Dt.nat. Handlungsgehilfen-Verband im Kampf um d. Reich 1918-33 (Ms. im Privatbes.);
    Pol. d. Monats, Aufsatzfolge, in: Dt. Handelswacht, seit Febr. 1928;
    Verstreute Aufsätze, ebd. 1907-33, u. in d. Zs. „Der fahrende Gesell“ u. in einzelnen Ausgg. d. Jb. f. dt. nat. Handlungsgehilfen.

  • Literatur

    Das Gewissen entscheidet, hrsg. v. A. Leber, 21958;
    Der 20. Juli 1944, hrsg. v. H. Royce, E. Zimmermann, H.-A. Jacobsen, 41961 (P);
    H. G. K. Sieh, Der Hamburger Nationalistenklub, Diss. Mainz 1963;
    Internat. Hdwb. d. Gewerkschaftswesens, hrsg. v. L. Heyde, 1931;
    J. Kaiser, M. H., Zu s. Todestag am 30.10.1944, in: Neue Zeit v. 30.10.1947;
    A. Krebs, Tendenzen u. Gestalten d. NSDAP, 1959;
    ders., H.-Studie (Ms. im Bes. d. Hamburger Forschungsstelle f. d. Gesch. d. Nat.-sozialismus in Hamburg u. d. Inst. f. Zeitgesch. in Mündlen).

  • Autor/in

    Albert Krebs
  • Empfohlene Zitierweise

    Krebs, Albert, "Habermann, Max" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 397 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116350881.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA