Lebensdaten
1844 bis 1928
Geburtsort
Schwerin
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Großadmiral
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116301147 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koester, Hans (bis 1900)
  • Koester, Hans von
  • Koester, Hans (bis 1900)
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Zitierweise

Koester, Hans von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116301147.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. seit etwa 1720 in Wismar u. Umgebung ansässigen Kaufm.- u. Gutsbes.fam.;
    V Hans K. (1818-1900), Dr. phil., Gutsbes, Schriftsteller, Mitgl. d. Reichstags (Konservative Partei) (s. BJ V; Brümmer), S d. Joh. Andreas, auf Kritzow, u. d. Karoline Passow;
    M Louise Schlegel (1823–1905), Kammersängerin (s. BJ X, Tl.);
    Vt Georg K. (1812-93), Landschaftsmaler (s. ThB);
    - Lissabon 1875 Elisabeth (1856–1931), T d. Kaufm. Leopold Schroeter u. d. Louise Frick;
    1 S, 2 T, u. a. Ilse (⚭ Willi Brüninghaus, 1870–1950. Konteradmiral, Mitgl. d. Reichstags [Dt. Volkspartei] s. Rhdb., P; Wi. 1935), Lisbeth (⚭ Eberhard v. Mantey, 1869–1940, Dr. phil. h. c, Vizeadmiral, Vorstand d. Marinearchivs, s. Rhdb., P; Wi. 1935);
    N Paul K. (1855-1946), Landschafts- u. Marinemaler (s. ThB).

  • Leben

    K. trat 1859 als Kadettaspirant in die preußische Marine ein, erhielt seine Ausbildung auf der Segelfregatte „Amazone“ und im Seekadetteninstitut und sein erstes selbständiges Kommando als Kapitänleutnant und Kommandant der Brigg „Undine“, die 1874-75 als Schiffsjungenschulschiff eine 15monatige Reise nach Süd-, Mittel- und Nordamerika durchführte. Seit 1875 Korvettenkapitän, wurde K. mit anderen erfahrenen Schulschiffkommandanten bis 1878 als Direktionsoffizier der noch in den Anfängen stehenden Marine-Akademie und -schule zugeteilt. Diese praktischen und theoretischen Ausbildungsaufgaben setzte K. 1877 als I. Offizier des Seekadettenschulschiffes „Niobe“ und 1878-80 auf der Segelfregatte „Prinz Adalbert“ fort, auf der er an der China-Reise teilnahm. Mit den neuen Aufgaben als Chef des Stabes des Übungsgeschwaders begann 1881 für K. eine Tätigkeit, die bald sein eigentliches Arbeitsgebiet werden sollte: die taktische Verbandsführung und die Erarbeitung der dafür nötigen Vorschriften. 1884 zum Kapitän zur See befördert, füllte er 3 Jahre lang die verantwortungsvolle Stelle des Chefs des Stabes der Admiralität unter Generalleutnant L. von Caprivi aus. Hier erweiterte er sein Blickfeld auf strategische und Mobilmachungsfragen, Manöverbestimmungen, Organisation, Bereitstellung von Personal und Material. Nach einer kurzen Verwendung als Kommandant des Panzerschiffs „König Wilhelm“ wurde K. infolge eines Unfalls 1887-89 Oberwerftdirektor in Kiel und kehrte dann 1892-93 als Direktor des Marinedepartements im Reichsmarineamt in die höhere Stabstätigkeit nach Berlin zurück. Er war jedoch bereits als Geschwaderchef vorgesehen, und nach seiner Beförderung zum Konteradmiral 1890 tat er 1891 zeitweilig als Divisionschef unter dem Befehlshaber des Übungsgeschwaders, Admiral Deinhard, Dienst. Mit diesem, der mit seinen Segelschiffserfahrungen einer modernen Gefechtstaktik etwas hilflos gegenüberstand, hatte K. bisweilen scharfe Auseinandersetzungen. Die Qualifikationsberichte sprechen von großem Selbstbewußtsein und Ehrgeiz.

    Als K. 1893 Vizeadmiral wurde und das Kommando über das Manövergeschwader erhielt, war er in seinem eigentlichen Element und konnte seine Führungsqualitäten beweisen. 1895 urteilte der Kommandierende Admiral von Knorr über ihn, K. habe das Manövergeschwader auf einen bisher noch nicht erreichten Stand der Ausbildung gebracht: Seinen großen Anforderungen werde überall mit Lust und Liebe gefolgt. Hierin lag die Wirkung K.s auf das Offizierskorps wie auf die Mannschaften, daß er der Flotte Ziele zeigte, deren Erreichbarkeit anstrebte und durchsetzte; daß er anregend, systematisch und überzeugend arbeitete, seine Handlungen überlegte und seine Entschlüsse besonnen durchführte. Fleiß, Eifer, Energie und Willenskraft werden von seinen Vorgesetzten hervorgehoben, und von niemand verlangte K. mehr als von sich selbständig 1896 wurde er Admiral und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel. Als solcher hat er die Entwicklung der Garnisonstadt Kiel besonders gefördert und durch energische Maßnahmen die militärische Straßendisziplin erheblich verbessert. 1899 zum Generalinspekteur der Marine ernannt, wurde K. 1900 Chef der Übungsflotte, die 1903 zum „Kommando der aktiven Schlachtflotte“ erweitert wurde. Am 28.6.1905 erhielt K. als erster deutscher Marineoffizier den Rang eines Großadmirals.

    Als Flottenchef hat er große Verdienste um die taktische Entwicklung und um die auf äußerste Beweglichkeit und Präzision gesteigerte Gefechts- und Verbandsausbildung bei Tag und Nacht. Durch fortgesetzte Verbesserung der Vorschriften und deren unermüdliche Anwendung in der Praxis bei allen Wetterlagen und zu allen Jahreszeiten erreichte K. einen Höchststand der taktischen Verwendungsmöglichkeit der gesamten Flotte, die darin selbst der englischen überlegen war, wie der Kriegsverlauf zeigen sollte. Dabei ist K. nicht nur der „Exerziermeister“ gewesen; er hat vielmehr mit Einfallsreichtum und Ansporn die Flotte zu einem selbstbewußten, homogenen Organismus geformt. Während das Flottenkommando mit Recht die taktische Entwicklung an sich gezogen hatte, ist die strategische Begabung K.s weniger entwickelt gewesen, was bereits in den Qualifikationsberichten von 1895 zum Ausdruck kommt. Unterschiedliche Ansichten zu denen des Admiralstabs und des Reichsmarineamts konnten daher nicht ausbleiben, verstärkt durch Ressorteifersucht und K.s gesteigertes Selbstgefühl. Doch nicht diese Auseinandersetzungen führten dazu, daß K. im Herbst 1906 mit 62 Jahren verabschiedet wurde; er hatte sein Kommando dem 18 Jahre jüngeren Bruder des Kaisers, Admiral Prinz Heinrich, zur Verfügung zu stellen. K. blieb jedoch der Marine weiterhin eng verbunden. Seit 1908 war er Präses des Deutschen Flottenvereins und vertrat im September 1909 das Deutsche Reich bei der 300-Jahrfeier von New York. Im Kriege 1914-18 wirkte er als Delegierter der Kaiserlichen Marine für die Krankenpflege.|

  • Auszeichnungen

    Domherr v. Naumburg, Mitgl. d. preuß. Herrenhauses, Ehrenbürger v. Kiel, Ritter d. Schwarzen Adlererdens.

  • Literatur

    Marine-Rdsch. 1909 u. 1928 (P);
    Zs. d. Marine Offz. Verbandes 6, 1924, 10, 1928;
    Soldat u. Technik 2, 1963 (P);
    C. v. Maltzahn, Gesch. unserer takt. Entwicklung II, 1911;
    E. v. Mantey, in: Preuß.-dt. Feldmarschälle u. Großadmirale, 1938;
    A. Hopmann, Das Logbuch e. dt. Seeoffiziers, 1924;
    W. Hubatsch, Der Admiralstab u. d. obersten Marinebehörden in Dtld. 1848-1945, 1958;
    DBJ X. - Qu.
    ;
    Bundesarchiv/Militärarchiv, Bestände RM 1, 2, 5;
    Mitt. v. H. G. v. Koester u. H. v. Mantey. - Privatnachlaß
    (Teil): Hans-Georg v. Koester, Bonn. -
    Eigene Archiv-Stud.

  • Autor/in

    Walther Hubatsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Hubatsch, Walther, "Koester, Hans von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 405-406 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116301147.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA