Lebensdaten
1600 bis 1663
Geburtsort
Kötzlin (Altmark)
Sterbeort
Stockholm
Beruf/Funktion
schwedischer Feldmarschall
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116294396 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Königsmarck, Hans Christoph von (bis 1650)
  • Königsmark, Hans Christoph von (bis 1650)
  • Königsmark, Hans Christoph Graf von
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Zitierweise

Königsmarck, Hans Christoph Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116294396.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Konrad v. K. ( 1610/23), kaiserl. Gen. (Türkenkriege);
    M Beate Elisabeth ( 1609?), T d. Hans v. Blumenthal ( 1609?) auf Horst, u. d. Ursula v. Sparre;
    1633 Maria Agathe (1608–71), braunschweig-wolfenbüttel. Kammerjungfrau, T d. Christopher v. Lehsten, auf Krentzlin, Hofmarschall u. brandenburg. Kriegskommissar, u. d. Anna Elisabeth v. Seelen;
    3 S, 2 T, u. a. Konrad Christopher Gf. (1634–73), schwed. Reichsfeldzeugmeister u. holländ. Gen.-Lt. (s. ADB 16), Otto Wilhelm (s. 3), Beate Elisabeth ( Pontus Frdr. Gf. de la Gardie);
    E Aurora (s. 1), Philipp Christoph (s. 4).

  • Leben

    K. wuchs auf Kötzlin auf und wurde 1616 Page am Hofe Herzog Friedrich Ulrichs in Wolfenbüttel. 1620 trat er in die kaiserliche Kavallerie ein, wechselte 1625 zur Infanterie und wurde 1630 Fähnrich. Nach der Auflösung der Wallensteinschen Verbände abgedankt, erbot er sich 1631, für Gustav Adolf von Schweden eine Kompanie Dragoner zu werben. Mit dieser nahm er 1632 als Hauptmann an dem Zug nach Bremen und Verden teil. 1633 zum Major und 1634 zum Oberstleutnant befördert, übernahm er 1635 als Oberst unter Einsatz eigener Mittel das Regiment Sperreuter, als dessen Chef zum Kaiser übertrat. Vorwiegend in Westdeutschland eingesetzt, erhielt er 1639 den Oberbefehl über die schwedische Feldarmee in Westfalen, entlastete Erfurt und dehnte das schwedische Einflußgebiet in Westfalen aus. 1640 wurde er Generalmajor. 1641 kommandierte er den linken schwedischen Flügel in der Schlacht bei Leipzig, 1642 war er an der Plünderung Quedlinburgs beteiligt. Unter Torstensons Oberbefehl unternahm er 1644 zwei Züge gegen die Stifter Bremen und Verden und eroberte sie im Februar 1645 endgültig. Im Januar 1645 wurde er zum Generalgouverneur von Bremen und Verden ernannt. Am 1.6.1648 zum Feldmarschalleutnant befördert, gelang ihm am 16.7.1648 mit der Eroberung der Kleinseite von Prag sein aufsehenerregendster militärischer Erfolg, bei dem den Schweden ungeheure Beute an Kunstschätzen, Handschriften und Archivgut in die Hände fiel, darunter die gotische Ulfila-Bibel. K. schenkte seinen Anteil der Königin Christine. Diese bestätigte ihn nach dem Westfälischen Friedensschluß als Generalgouverneur, verlieh ihm unter Erhebung in den schwedischen Grafenstand 1651 Västervik und Stegeholm sowie einen Hof in Västergötland und schlug vor, K. wegen seiner Verdienste in den schwedischen Reichsrat aufzunehmen. Obwohl Ausländer nicht aufgenommen werden durften, stimmte der Reichsrat zu. K. führte in Bremen und Verden ein von der Krone relativ unabhängiges, fast selbstherrliches Regiment. 1654 scheiterte die Errichtung der schwedischen Oberhoheit über die Stadt Bremen, doch mußte die Stadt die Ämter Lehe und Bederkesa, die über Pfandschaft und Kauf in ihren Besitz gelangt waren, herausgeben. Auf dem Weg zur polnischen Front wurde sein Schiff von den Danzigern aufgebracht und er in Weichselmünde bis zum Frieden von Oliva 1660 gefangen gehalten. Danach residierte er wieder in Stade. 1663 starb er in Stockholm an einer Blutvergiftung.

    K. war ein guter Offizier und ein vorzüglicher Organisator, eine Eigenschaft, die er bei der Neueinrichtung der schwedischen Verwaltung in Bremen und Verden bewies. Beeindruckender aber waren seine Fähigkeiten als Kriegsunternehmer und Finanzier. Beutegelder setzte er für Werbung und Aufstellung neuer Truppenverbände ein und gewann damit neue Mittel, gleichzeitig betrieb er eine planvolle Güterpolitik. Besitzschwerpunkte wurden Bremen und Verden, wo er die Ämter Rotenburg und Neuhaus/Elbe nebst zahlreichen Kapitalgütern erhielt und außerdem Besitz hinzukaufte, darunter den Hof zur Lieth bei Stade, wo er ein kleines Schloß errichtete, das er nach seiner Gemahlin „Agathenburg“ nannte. Dieser Name ging auf das Dorf über. Das Schloß wurde die Familienresidenz. Neben den Gütern in Schweden waren das Amt Neustadt in Brandenburg, die Ämter Groß- und Klein-Winningen sowie Welferlingen im Stift Halberstadt sowie das Amt Hötensleben im Erzstift Magdeburg in seinen Besitz gelangt. Von diesen Gütern trennte er sich 1662 aus politischen Gründen. Bei seinem Tode verfügte er über ein Vermögen von mehr als 1,1 Millionen Reichstalern, vornehmlich an die Krone Schweden ausgeliehen, und knapp 200 000 Reichstalern an Bargeld. Er galt als einer der reichsten Männer seiner Zeit.

  • Literatur

    ADB 16;
    M. Trippenbach, Die Königsmarcks in Bremen u. Verden, in: Stader Archiv NF H. 10, 1920, S. 77-87;
    W. v. Staden, Schloß Agathenburg, ebd. NF H. 11, 1921, S. 77-79;
    W. Gossel, H. Ch. v. K., in: Stade in Vergangenheit u. Gegenwart, 1928, S. 28-30;
    O. v. Taube, Das Ende d. Königsmarcks, 1937;
    G. Schnath, Der Fall K., in: Hannov. Gesch.bll. NF 6, 1953, S. 277-341;
    K. R. Böhme, H. Ch. v. K.s Testament, in: Niedersächs. Jb. f. Landesgesch. 41/42, 1969/70, S. 134-55;
    J. Quast u. J. Rademacher, Das gräfl. Haus Königsmarck u. s. Wappen in d. Neuenfelder Kirche, in: Heimatl. Buxtehude 4, 1972, S. 202-10 (3 Abb.).

  • Portraits

    Stich in: A. J. Torquatus, Panegyrius aeternus gloriae J. Ch. K., 1663;
    Stiche (Nd.sächs. Staatsarchiv Stade, Dep. 8, Stadtarchiv Stade, u. Dep 10. Slg. d. Hist.Ver.);
    Druck in: H. Wohltmann, Gesch. d. Stadt Stade, 1956.

  • Autor/in

    Heinz Joachim Schulze
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulze, Heinz-Joachim, "Königsmarck, Hans Christoph Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 360 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116294396.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Königsmark: Hans Christoph Graf von K., dem die Krone Schweden die Herzogthümer Bremen und Werden verdankte, stammte nicht aus einer schwedischen Familie, wie mehrfach behauptet ist; als Sohn Konrads von K. auf Kötzlin im Kreise Seehausen in der Altmark war er von Beatrix v. Blumenthal am 25. Febr. — 4. März 1600 auf diesem alten Stammsitze des Geschlechts geboren. Erst Page bei Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, dessen Gemahlin eine brandenburgische Prinzessin war, dann im Dienst Julius Heinrichs von Sachsen-Lauenburg, folgte er schon im böhmischen Krieg den kaiserlichen, nach Gustav Adolfs Siege bei Leipzig den schwedischen Fahnen. Er wurde schon vor 1637 Oberst des Regiments Speerreuter, vertheidigte in diesem Jahre Lemgo tapfer, mußte freilich kapituliren, nahm dann 1639 das mainzische Eichsfeld und folgte dem Baner'schen, dann dem Torstenson'schen Heere durch Sachsen, die Oberlausitz und Schlesien. Die 1640 besetzte Herrschaft Querfurt behielt er als Herr bis zum Frieden von 1648; befehligte 1642 bei Breitenfeld den rechten schwedischen Flügel, vertrieb die Kaiserlichen aus Pommern, plünderte Quedlinburg und schlug die Kroaten des Obersten Radowitz. Im|Bisthum Halberstadt erlitt er aber darauf einen starken Verlust am Hackelwalde. Da Schweden das Erzbisthum Bremen und das Bisthum Verden erwerben wollte, erhielt K. den Auftrag, den dänischen Prinzen Friedrich, der diese geistlichen Gebiete besaß (s. Allg. d. Biogr., Bd. VIII. S. 518 f.), daraus zu vertreiben und sich in Besitz zu setzen. Die diplomatischen Schachzüge besorgte, sich selber nicht vergessend, Salvius. Der erste Versuch 1644, führte zur Besetzung von Verden; der auf das Bremische mißlang, da K. zu Torstenson gegen Gallas über die Elbe eilte (Jüterbogk und Magdeburg). 1645 aber bemächtigte er sich nach kurzer Beschießung Stades am 15. Februar durch Capitulation und darauf des Erzbisthums, mit Ausnahme der Stadt Bremen, und richtete sofort schwedische Regierung und Verwaltung ein, die fortan blieb und im westfälischen Frieden bestätigt wurde. Er selber erhielt bedeutende Contributionen und blieb Generalgouverneur der beiden geistlichen Lande, auch als er für kurze Zeit zu Turenne's Heere stieß, und darauf noch mit Torstenson den Kurfürsten Johann Georg von Sachsen zwang, dem Prager Frieden zu entsagen und Waffenstillstand mit Schweden zu schließen. Sein rascher Zug nach Böhmen und die kühne Einnahme der Kleinseite von Prag am 15. Juli 1648 brachte ihm in der Beute ein fürstliches Vermögen, den vernichteten Ländern aber den endlichen Frieden am 24. Oct. 1648. Er war jetzt schwedischer Generalfeldmarschall und wurde als Generalgouverneur von Bremen und Verden (der Landdrostei Stade mit Ausnahme des Landes Hadeln) bestätigt, was ihm vorzugsweise die militärische Verwaltung und daneben die Oberaufsicht auferlegte, während ein Kanzler die Regierungsgeschäfte besorgte. Für die Erwerbung dieser Provinzen wurde er mit dem bischöflich verdenschen Schlosse Rotenburg, d. h. mehr als der Hälfte der bischöflichen Güter, und mit dem erzbischöflich bremischen Amte Neuhaus an der Oste, dazu einer Anzahl von Präbendengütern, Zehnten, Meiergefällen etc. belehnt. 1650 bei der Krönung der Königin Christine belehnte diese ihn noch mit den schwedischen Herrschaften Westerwyk und Stegholm, erhob ihn in den erblichen Reichsgrafenstand und ernannte ihn zum Reichsrath. Der frühere märkische Junker übertraf manchen deutschen Reichsfürsten an Einnahme und Besitz. Schon 1648 hatte ihn die „Fruchtbringende Gesellschaft“ seltsamerweise unter ihre Mitglieder aufgenommen, sie gab ihm den bezeichnenden Beinamen „Der Streifende um ein Mehreres zu erlangen“ und das nicht weniger charakteristische botanische redende Symbol des gewaltigen Durchdringens: die „Potentilla“. Im kleinen Kriege mit der Stadt Bremen, der Schweden die Reichsunmittelbarkeit nicht zugestehen wollte, zwang er diese 1654 zu schweren Einräumungen, namentlich der Abtretung von Lehe und Bederkesa. Letzteres brachte er 1662 in eigenen Pfandbesitz, indem er der Königin Hedwig Eleonore die vom König Karl X. Gustav ihr 1655 gegebene Verschreibung auf 40 000 Thlr. durch Baarzahlung abkaufte. Als er 1656 zum polnisch-schwedischen Kriege sich nach Preußen eingeschifft hatte, wurde die Fregatte von den Danzigern genommen und K. in Weichselmünde bis zum Frieden von Oliva 1660 gefangen gehalten. Am Hofe seiner Gönnerin, der Königin und Reichsregentin Hedwig Eleonore, starb er in Stockholm am 26. Febr. (= 8. März) 1663 an Blutvergiftung in Folge einer Fußwunde; seine Leiche wurde in Stade beigesetzt. Hier hatte er mancherlei Besitzthum, namentlich im nahen Dorfe Lieth hatte er ein, nach damaligen Begriffen schönes Schloß gebaut, das er nach seiner Gemahlin Agathenburg nannte, eine Bezeichnung, die seit langem den alten Namen Lieth verdrängte. Hier residirte seine Familie, auch er in Friedenszeiten. Seine Familiengruft hatte er in der Etatskirche (St. Marien) zu Stade errichtet. Dort ist sein Sarg später geschändet und beraubt, zuerst von Dänen nach der Einnahme von Stade 1712—15, nachher von kurhannöverschen Soldaten; darauf nach der|Wilhadikirche geschafft, wurde er wiederholt umgesetzt, endlich ist alles vernichtet und verkommen. K. hinterließ bei feinem Tode an barem liegenden Gelde 183 478 Thlr., an Gütern einen Taxwerth von 406 100 Thlr., an Kapitalien 1 053 000 Thlr., ohne die nicht taxirten neun Schlösser und Häuser mit deren Einrichtung und ohne die nicht aufgeführten großen Hopsal'schen Güter in Esthland. In der Liste fehlt die Begüterung Stegeholm, die vielleicht seiner Tochter Beata Elisabeth zum Brautschatz mitgegeben war. Königsmarks jährliches Einkommen wurde auf 130 000 Thlr. geschätzt. In des Torquatus Leichen-Panegyricus wird er Johannes Christoph genannt. Bekannt ist er als einer der raschesten, schneidigsten und thatkräftigsten Führer aus der zweiten Hälfte des 30jährigen Krieges, ein rücksichtsloser General und gewaltsamer Erpresser, in Stade redete man von seiner Knauserei; in der Altmark aber erhielt er das Lob, sorgsam das Land möglichst geschont und bewahrt zu haben. Die Gohe Achim bei Bremen wählte ihn 1648 aus eigenem Antriebe zum Gogreven mit dem Recht, daß künftig dieser nur aus seinem Geschlecht gewählt werden solle. Auch als umsichtigen Staatsmann zeigte er sich, mehr noch als großen Finanzier im eigenen Interesse. Dabei war er ein stattlicher, kräftiger Mann. Seine Gemahlin war Maria Agathe v. Leesten, am 5. Decbr. (= 15. Decbr.?) 1671, Tochter des brandenburgischen Edelmanns Christoph v. Leesten. Auch ihr Grab ist in Stade verwüstet, wie alle der ganzen Familie. Zwei Kinder starben früh, drei überlebten die Eltern: Kurt Christoph, Otto Wilhelm und Beata Elisabeth, vermählt an den schwedischen Grafen Pontius Friedrich de la Gardie, von dem sie zwei Töchter hatte, Johanna Eleonore, verheirathet 1691 an Graf Erich Steenbock, und Ebba Maria, 1697. Außerdem scheinen drei illegitime Töchter, vielleicht auch ein Sohn Hans Christophs nachgewiesen zu sein.

    • Literatur

      Die Historiker des 30jährigen Krieges und Schwedens, namentlich Carlsson; eine gute Zusammenstellung, mit neuen Archivalien, von Jobelmann in Ztschr. des histor. Vereins für Niedersachsen, 1876; Cramer, Denkwürdigkeiten der Gräfin Maria Aurora von Königsmark; Palmblad, Aurora und ihre Verwandten; Pratje's Sammlungen und v. Kobbe, Bremen und Verden, an zerstreuten Stellen, gelegentlich der betreffenden Aemter; wegen der Besetzung von Bremen und Verden: Wiedemann, Gesch. des Herzogth. Bremen, 2; wegen der Güterschenkungen: Zeitschr. des histor. Vereins für Niedersachsen, 1865, 331.

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Königsmarck, Hans Christoph Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 528-530 unter Königsmark [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116294396.html#adbcontent

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