Lebensdaten
1840 bis 1916
Geburtsort
Alsfeld (Oberhessen)
Sterbeort
Schwanheim bei Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Zoogeograph ; Molluskenforscher ; Zoologe ; Arzt ; Mitbegründer der Tiergeographie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116263741 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kobelt, Wilhelm

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Zitierweise

Kobelt, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116263741.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1809–74), Pfarrer in A., seit 1860 in Breidenbach Kr. Biedenkopf, S d. Oberförsters Georg Wilh. u. d. Louise Frieder. Heinold;
    M Auguste (1815–97), T d. Weinwirts Joh. Keßler u. d. Margarethe Weis;
    Ov Georg Ludwig (s. 1);
    B Gustav (1844–1930), WGR, Vortragender Rat im Reichspostamt, Rudolf (* 1856), Geh. Oberpostrat im Reichspostamt;
    - Wallau 1866 Amalie (1841–1920), T d. Papierfabr. Carl Aug. Jüngst (1809–64) in Wallau u. d. Marie Fronhäuser; kinderlos;
    N Ernst Jüngst ( 1933), Nat.-ökonom (s. NDB X).

  • Leben

    K. verlebte seine Jugend in enger Naturverbundenheit in Alsfeld. Nach dem Studium der Medizin (1857–62) in Gießen wurde er 1862 mit einer Arbeit über Herzdämpfung und Herzleere promoviert und ließ sich im selben Jahr als praktischer Arzt in Biedenkopf an der Lahn nieder. 1869 erfolgte eine für sein späteres Wirken ausschlaggebende Berufung zum Vertrauensarzt des Ärztlichen Hilfsvereins in Schwanheim bei Frankfurt/Main. Seinen ärztlichen Beruf übte er dort bis 1880 aus, widmete sich dann ausschließlich den Wissenschaften und seinen sozialpolitischen Bestrebungen (1905 Professortitel).

    Für die wissenschaftliche Laufbahn K.s war von ausschlaggebender Bedeutung seine Verbindung mit Emil Adolf Roßmäßler in Leipzig. An diesen wandte er sich 1866 mit seiner Absicht, in Biedenkopf einen naturkundlichen Volksbildungsverein zu gründen. In Zusammenhang mit diesem Gedankenaustausch ließ ihm Roßmäßler eine kleine Konchyliensendung zukommen, die K. veranlaßte, sich in höherem Maße mit den Weichtieren zu beschäftigen. Der Malakozoologie ist K. von da ab treu geblieben. Nach dem 1867 erfolgten Tod Roßmäßlers, den K. persönlich nicht kennengelernt hat, setzte er dessen Arbeiten fort. Er begann mit einer „Molluskenfauna von Nassau“, dehnte aber dann seine Untersuchungen auf die Weichtiere des gesamten europäischen Faunengebietes aus, wobei er Roßmäßlers „Iconographie der Land- und Süßwasser-Mollusken“ fortführte und in ungeahnter Weise erweiterte (24 Bände). Endlich bezog K. sämtliche Weichtiere in seine Beobachtungen ein. Er führte außer der bereits erwähnten Iconographie 2 größere Werke über Mollusken fort: die „Iconographie der europäischen Meeresconchylien“ und das „Conchylien-Cabinet“ von Martini und Chemnitz in 2. Auflage (570 Lieferung mit 3 400 Tafeln), letzteres zunächst als Mitarbeiter Küsters, dann mit Weinkauff zusammen und nach dessen Tod allein. Als selbständige Arbeit erschien das „Illustrierte Conchylienbuch“ (2 Bände, 1878). Ferner hat K. zahlreiche Bearbeitungen von Mollusken aus fremden Ländern veröffentlicht. Hervorzuheben sind diejenigen der Philippinen, besonders die Fortführung der Studien von O. F. von Moellendorff.

    Im Zusammenhang mit der vielen Kleinarbeit der Molluskensystematik kam K. allmählich auf zoogeographische Fragen. Solche beschäftigten ihn umsomehr, als er mediterrane Länder bereisen und selbst Molluskenmaterial sammeln konnte. So hat die Zoogeographie K. im Lauf der Jahre immer mehr gefesselt und größeren Einfluß auf seine Arbeiten gewonnen. Er hat gezeigt, wie die Verbreitung der Weichtiere oft besonders dazu geeignet ist, zoogeographische Fragen zu lösen. Alle Tierklassen und auch Pflanzen fanden bei ihm Berücksichtigung. Durch seine umfangreichen früheren systematischen Studien war es dann möglich, Arbeiten wie „Studien zur Zoogeographie“ (2 Bände, 1897 f.) und „Verbreitung der Tierwelt“ (1902 f.), zu schreiben. In seinen letzten Jahren war einer seiner Lieblingsgedanken die Erforschung des Zusammenhanges der diluvialen Stromsysteme und der Herausbildung der heutigen Flußläufe mit Hilfe der geographischen Verbreitung der Flußmuscheln (Unionidae und verwandte Familien). Daß K. solche Bedeutung erlangte, ist auch mit darauf zurückzuführen, daß er durch seine Übersiedlung nach Schwanheim bei der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft nachhaltig wirken konnte. 1869 wurde er zum korrespondierenden Mitglied ernannt, bald darauf zum Sektionär der Mollusken- und später auch zu dem der Säugetier-Abteilung. In diesem Museum war auch von K. zusammen mit dem Nacktschneckenforscher D. F. Heynemann die „Deutsche Malakozoologische Gesellschaft“ gegründet worden. Gleichzeitig schuf er das „Nachrichtenblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft“ (heute „Archiv für Molluskenkunde“). Seine Arbeit setzte K. bis ins hohe Alter fort.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Königsberg 1894).

  • Werke

    Weitere W Exkursionen in Nord-Afrika, 1884-86;
    Reiseerinnerungen aus Algerien u. Tunis, 1885;
    s. Gesamt-Verz. d. Senckenberg-Schrr. (1817–1935), 1935, S. 67 f.

  • Literatur

    C. R. Boettger, in: 49. Ber. d. Senckenberg. Naturforsch. Ges., 1919, S. 114-23 (P);
    E. Banse,|Lex. d. Geogr. I, 1923, S. 746 (W);
    DBJ I (Tl. 1916, L).

  • Autor/in

    Caesar R. Boettger
  • Empfohlene Zitierweise

    Boettger, Caesar R., "Kobelt, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 243 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116263741.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA