• Genealogie

    V Paul (1845–1904), Kaufm., Fabr., S d. Uhrmachers Albert Alexander aus Neustettin u. d. Bertha Tiede;
    M Helene (1857–1923), T d. preuß. Oberförsters Otto Ostertun u. d. Ottilie Bluth;
    1910 Gertrud (1879–1974), T d. Oberst Karl Kreßner u. d. Hedwig Rebling;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    K. begann sein Mathematikstudium 1901 in Lausanne, setzte es nach 1 Semester in Berlin bei H. A. Schwarz, G. Frobenius, F. Schottky, E. Landau und I. Schur fort, legte 1906 die Lehramtsprüfung ab und wurde 1907 promoviert. Nach kurzer Referendartätigkeit verbrachte er die Jahre 1908-11 vorwiegend als Dozent (Handelshochschule Nagasaki, Japan, 1908/09; Deutsch-Chinesische Hochschule von Tsingtau, 1910/11) und als Reisender in Ostasien und Indien, was entscheidend zu seiner weltoffenen Lebenshaltung beigetragen hat. 1911 kehrte er nach Berlin zurück, um sich zu habilitieren. Nach Ausheilung einer Herbst 1914 erlittenen Verwundung wurde er zeitweilig Lehrer an der Militärtechnischen Akademie und an der Kriegsakademie, bevor er 1915 zum außerordentlichen, 1919 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. 1918 gründete er in Berlin zusammen mit L. Lichtenstein, E. Schmidt und I. Schur die „Mathematische Zeitschrift“, war 1934-52 als deren Herausgeber tätig und gehörte der Schriftleitung bis zu seinem Tode an. 1919 folgte er einem Ruf nach Königsberg, 1926 nach Tübingen (1950 emeritiert).

    K.s Hauptarbeitsgebiet war die Reihenlehre, insbesondere die Limitierungstheorie, der er sich zuerst in seiner Dissertation und dann in mehr als 50 weiteren Arbeiten widmete. Er vervollkommnete Eulers Methoden zur Verbesserung der Konvergenz unendlicher|Reihen (Euler-K.-Verfahren), führte den fruchtbaren Begriff des Kernes einer komplexen Zahlenfolge ein und befaßte sich mit Fragen der Zahlentheorie und deren Verbindungen zur Reihenlehre (Lambert-, Dirichlet-Reihen, Partitionen). Seine Vielseitigkeit zeigt sich darin, daß er in seinen über 60 Publikationen zum Beispiel auch Peano-Kurven, lineare Punktmengen und nirgends differenzierbare Funktionen behandelt. – K. war ein international angesehener Hochschullehrer, der durch seine in mehrere Sprachen übersetzten Lehrbücher zur Funktionentheorie, zur Theorie und Anwendung der unendlichen Reihen und durch die Neubearbeitung von H. von Mangoldts 3bändiger „Einführung in die Höhere Mathematik“ (6-101931/33-1955/57) bis zum heutigen Tag außerordentlich stark in die Breite gewirkt hat. Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen verdankt K. ebenso wie die Deutsche Mathematiker Vereinigung die nach 1945 vorgenommene gründliche Neugestaltung in wesentlichen Punkten.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. nat. h. c. (TH Karlsruhe 1951), korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1952).

  • Werke

    Weitere W u. a. Grenzwerte v. Reihen b. d. Annäherung an d. Konvergenzgrenze, Diss. Berlin 1907;
    Elemente d. Funktionentheorie, 41955 u. ö.;
    Funktionentheorie, 2 Bde., 81954;
    Aufgabenslg. z. Funktionentheorie, 2 Bde., 41949 u. ö.;
    Theorie u. Anwendung d. unendl. Reihen, 41947 u. ö.

  • Literatur

    Acta mathematica 1882-1912, Table générale des tomes 1-35, red. v. M. Riesz, 1913, S. 13 (P S. 151);
    Math. Zs. 48, 1942;
    Math. Zs. 67, 1957, vor S. 1;
    F. Löbell, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1958, S. 187-89 (P);
    E. Kamke u. K. Zeller, in: Jber. d. Dt. Mathematiker Vereinigung 60, 1957, 1958, S. 43-49 (2. Zählung; W)
    ;
    Pogg. V-VII a.

  • Autor/in

    Eberhard Knobloch
  • Empfohlene Zitierweise

    Knobloch, Eberhard, "Knopp, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 216 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116260254.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA