Lebensdaten
1878 bis 1956
Geburtsort
Achim bei Bremen
Sterbeort
Nürtingen (Württemberg)
Beruf/Funktion
Graphiker ; Buch- und Schriftgestalter ; Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116227117 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kleukens, Friedrich Wilhelm

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Zitierweise

Kleukens, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116227117.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Christian Heinrich (s. 1);
    - Hattenheim 1907 Pauline (* 1884), T d. k. u. k. Kämmerers Karl Frhr. Raitz v. Frentz, Weingutsbes., u. d. Hermine v. Köhler.

  • Leben

    Nach einer Ausbildung als Zeichner in einer Silberwarenfabrik in Hemelingen und einem Studium an der Kunstgewerbeschule in Berlin gründete K. 1900 mit den Jahrgangsgenossen Fritz Helmut Ehmcke und Georg Belwe in Berlin die „Steglitzer Werkstatt“. Es war deren Ziel, neben kunstgewerblichen Entwürfen für Teppiche, Gläser und Metallarbeiten gebrauchsgraphische Arbeiten zu entwerfen und zu drucken, wobei die Distanz zum Jugendstil betont wurde. „Die künstlerische Moderne sollte an Gebrauchsgütern erprobt und manifestiert werden“ (Schauer). Die Steglitzer Werkstatt, der 1902 eine Schule für Buchgewerbe angeschlossen wurde, war in Deutschland die erste Ateliergemeinschaft für Werbekunst und eine der Keimzellen des Deutschen Werkbunds (gegründet 1908). 1903 trennten sich die Gründer von ihrer Werkstatt: Ehmcke ging zu Peter Behrens nach Düsseldorf, Belwe und K. übernahmen ein Lehramt an der Leipziger Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe. 1906 wurde K. vom Großherzog Ernst Ludwig von Hessen an die 1898 gegründete Darmstädter Künstlerkolonie berufen; 1907-11 wirkte er als Lehrer für Flächenkunst an den Lehrateliers für angewandte Kunst. Im Oktober 1907 gründete K. die Ernst-Ludwig-Presse (ELP), deren Patronat der Großherzog|übernahm. Zunächst galt seine Neigung dem, nach englischem Vorbild, vorwiegend typographisch gestalteten Buch, wenn er auch als engagierter Zeichner dem illustrativen Element im Buch Raum zu geben geneigt war. Verlegerisch wurden die „Drucke der Ernst-Ludwig-Presse“ (bis 1914: 26) von Anton Kippenbergs Insel-Verlag betreut. 1914 trat K. von der Leitung der Presse zurück und gründete 1919 in Darmstadt mit L. C. Wittich die Ratio-Presse. Im Gegensatz zu seinen Drucken für die ELP waren die Bücher der eigenen Presse von graphischen Elementen wesentlich mitbestimmt. Die ersten beiden Ausgaben waren eigene Bücher: „Allerhand Voagels und Uezepoggen“ (1919) und das „Vogel-ABC“. Auch andere Drucke der Ratio-Presse hat er mit Lithographien und Radierungen selbst illustriert.

    Schon 1907 war K. mit der „Kleukens-Antiqua“ als Schriftgestalter hervorgetreten. 1924 wurde er von der Schriftgießerei D. Stempel, Frankfurt/Main, als deren künstlerischer Leiter berufen. Für Stempel hatte er schon einige Schriftschnitte geschaffen: „Ingeborg-Antiqua“ und „Kleukens-Fraktur“ (1910), „Helga Antiqua“ (1911) und „Gotische Antiqua“ (1914). Seine verbreitetste Schrift war die für die eigene Presse entworfene „Ratio-Latein“ (seit 1923). Während seiner Tätigkeit für Stempel entstanden noch die „Omega“ und die „Kleukens-Scriptura“ (beide 1926). Durch seine Tätigkeit für Stempel hat K. maßgebend an der Entwicklung neuer Schriften für den Buch- und Werbedruck mitgewirkt. Auf zahlreichen Reisen in Deutschland, Italien und Spanien, wo er jahrelang auf Mallorca lebte, entstanden landschaftliche und figürliche Arbeiten, vorwiegend Aquarelle und Bleistiftzeichnungen. Zu Beginn des 2. Weltkriegs übernahm K. auch die malerische Darstellung von Industrie-Interieurs und fand damit wieder zurück zu den Berliner Anfängen, als er sich um die künstlerische Werbemittelgestaltung im weitesten Sinne bemüht hatte.

  • Literatur

    K. F. Bauer, F. W. K. u. d. Werk d. Ratio-Presse, in: Zs. f. Bücherfreunde NF 22, 1930;
    ders., in: Jb. d. Schriftgießerei d. Stempel AG Frankfurt a. M., 1. Jg. 1929, S. 72-85;
    H. Jost, in: Gebrauchsgraphik 19, 1942, S. 11-22;
    A. Windisch, in: Gutenberg-Jb. 25, 1950, S. 327-35;
    G. K. Schauer, in: Der Druckspiegel. 1956, S. 611-16;
    ders., Dt. Buchkunst 1890-1960, 1963;
    J. Rodenberg, Dt. Pressen, 1925, Nachtrag, 1931;
    Die Künstler d. Mathildenhöhe, in: Darmstadt, Ein Dokument dt. Kunst 1901–76, Ausstellungskat. 1976 IV, S. 129 ff. (P, Abb. v. W);
    E. Zimmermann, Die Buchkunst d. Darmstädter Künstlerkolonie, ebd. V, S. 192-224 (mit Abb.). ThB;
    Vollmer.

  • Autor/in

    Heinz Sarkowski
  • Empfohlene Zitierweise

    Sarkowski, Heinz, "Kleukens, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 55 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116227117.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA