Lebensdaten
1841 bis 1923
Geburtsort
Eger
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 116209550 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Plener, Ernst Freiherr von
  • Plener, E. von
  • Von Plener, Ernst

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Zitierweise

Plener, Ernst Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116209550.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz (s. 1);
    M Pauline Edle v. Schuster;
    Budapest 1886 Marie (1851–1928), T d. Joszef Baron v. Eötvös v. Väsaros-Nameny (1813–71), Staatsrechtler, lib. Pol., 1848 Min. f. Kultus u. Unterr. im 1. Ungar. Kab., Schriftst., Ehrenmitgl. u. Präs. d. Ungar. Ak. d. Wiss. (s. ÖBL), u. d. Agnes Rosty;
    K u. a. Ernst-Josef (* 1887), k. k. Lt.

  • Leben

    Nach dem Besuch des deutschen Gymnasiums in Preßburg, ausgedehnten Bildungsreisen, Rechtsstudium (1859–62) und Promotion zum Dr. iur. (1863) in Wien setzte P. seine Studien in Berlin fort; dort hielt er Kontakte u. a. zu Rudolf Gneist und Ferdinand Lassalle. Er trat in den k. k. diplomatischen Dienst ein, zunächst als Attaché an der Pariser Botschaft unter Richard Fürst Metternich,|dann 1867 in London gemeinsam mit Gustav Gf. Kálnoky. Hier begeisterte sich P. für den engl. Parlamentarismus und die Gewerkschaftsbewegung, er erlebte die Wahlrechtskämpfe der Ära Gladstone-Disraeli. Damals schrieb er seine Studien über John Stuart Mill, die engl. Gewerkschaften und die Fabrikgesetzgebung. Die politische Grundeinstellung P.s war im engl. Sinn liberal-konservativ.

    1873 übernahm P. das Reichsratsmandat der Handelskammer von Eger, das bis dahin sein Vater innegehabt hatte. Sein erstes politisches Engagement galt der Arbeiterfrage. Als Referent eines parlamentarischen Spezialausschusses empfahl er die Einrichtung von Arbeiterkammern und eine Reform der Fabrikgesetzgebung. Schon dabei stand er im Gegensatz zur Linie der „Verfassungspartei“ unter der Führung von Eduard Herbst. Auch in der Frage der Okkupation Bosniens und der Herzegowina hielt sich P. nicht an die Parteilinie, er warb für die Bewilligung der Militärkredite im Parlament und bekämpfte die Opposition der deutschen Liberalen gegen die aktive Orientpolitik des Außenministers Gyula Gf. Andràssy. Umgekehrt genoß P. eine besondere Wertschätzung bei den ungar. Liberalen. Der Einladung Eduard Gf. Taaffes zum Eintritt in die konservativ-föderalistische Regierung des „eisernen Ringes“ verweigerte er sich. Als Taaffe mit den Sprachverordnungen seines Unterrichtsministers Karl v. Stremayer 1880 die Aussöhnungspolitik mit den Tschechen begann, wurde P. als Führer der deutschen Parteikoalitionen („Vereinigte Teutsche Linke“) sein Gegenspieler im Kampf um die Erhaltung des Einheitsstaates und der gesetzlichen Verankerung des Deutschen als „Staatssprache“. 1885 unterbreitete P. im böhm. Landtag das deutsche Angebot zur einvernehmlichen Lösung des deutsch-tschech. Sprachenstreits: Anerkennung des böhm. Staatsrechts, aber Teilung des Landes in nationale Kreise (Eine Kreisordnung f. Böhmen, 1900). Auf dieser Basis begannen 1890 Verhandlungen, aber weder P. auf deutscher noch Frantiek Ladislav Rieger auf tschech. Seite vermochten für ihre Ausgleichspolitik ausreichende Unterstützung zu gewinnen. Als P., nach dem Scheitern Taaffes 1893, als Finanzminister am Koalitionsministerium des Fürsten Alfred Windischgrätz beteiligt, 1894 der Einrichtung slowen. Gymnasialklassen in der mehrheitlich deutschen Stadt Cilli (Untersteiermark) zustimmte, verweigerte der nationale Flügel seiner Partei die Gefolgschaft. Das Koalitionsministerium wurde gestürzt, P. legte sein Reichsratsmandat nieder, zog sich aus der Politik zurück und übernahm den ihm schon wiederholt angetragenen Posten des Präsidenten am Gemeinsamen Obersten Rechnungshof. 1900 wurde er ins Herrenhaus berufen. Zusammen mit dem Pazifisten Heinrich Lammasch wurde er von der österr. Regierung an das Haager Schiedsgericht entsandt.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Breslau); Rr. I. Kl. d. Ordens d. Eiseren Krone (1895); Großkreuz d. Leopoldordens (1911); Roter-Adler-Orden I. Kl.; Franz. Ehrenlegion.

  • Werke

    Die engl. Fabriksgesetzgebung, 1871;
    Briefe 1873-1911, 1911;
    Erinnerungen, 3 Bde., 1911-21 (Autobiogr.).

  • Literatur

    G. Kolmer, Parl. u. Vfg., Bde. 3-8, 1904-14;
    W. Medinger, in: NÖB II, 1925, S. 164-85 (P);
    E. Werner, Die beiden P., Diss. Wien 1981, (ungedr.);
    L. Höbelt, Kornblume u. Kaiseradler, 1993;
    O. Urban, Die tschech. Ges. 1848-1918, 2 Bde., 1994;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Hist. Lex. Wien.

  • Autor/in

    Helmut Rumpier
  • Empfohlene Zitierweise

    Rumpler, Helmut, "Plener, Ernst Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 529-530 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116209550.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA