Lebensdaten
1836 bis 1925
Geburtsort
Sigmaringen
Sterbeort
Sigmaringen
Beruf/Funktion
Arzt ; Philosoph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116180757 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bilharz, Alfons
  • Bilharz, Alfonsus

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Zitierweise

Bilharz, Alfons, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116180757.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1789–1877), Hofkammerrat in Sigmaringen, S des Anton aus Herbolzheim und der Marianne Winkler;
    M Elisabeth (1800–89), T des Salomon Fehr, königlich französischer Leutnant, anfänglich Jurist, und der Elise von Zollikofer;
    B Theodor s. (2);
    East-St. Louis, USA, 1869 Adelheid (1851–1914, evangelisch), T des Heinrich Fasnacht, Offizier im Regiment Garibaldis, dann Zollbeamter in Murten (Schweiz);
    4 S,5 T.

  • Leben

    Seit 1854 studierte B. Naturwissenschaften und Medizin in Freiburg, Heidelberg, Würzburg, Wien und Berlin. Im Winter 1859/60 besuchte er seinen älteren Bruder in Ägypten. Nach dem medizinischen Staatsexamen in Berlin trieb er physikalische Studien bei E. Du Bois-Reymond und G. R. Kirchhoff. 1865 ging er nach Amerika und praktizierte als Arzt bei und in St. Louis. Am 3.3.1877 hatte er auf einem Spazierritt ein meditatives Erlebnis, das ihn bestimmte, zur Philosophie überzugehen. Zur Ausarbeitung der ihm hier gewordenen Grundeinsicht kehrte er im Spätsommer 1878 nach Deutschland zurück und wurde (bis 1907) Direktor des Landesspitals in Sigmaringen. B. stand mit vielen bedeutenden Wissenschaftlern seiner Zeit in Briefwechsel. Er starb recht verbittert, weil sein umfangreiches philosophisches Werk nur wenig Anerkennung gefunden hatte.

    Die Grundeinsicht, daß „im Seinsgefühl des Menschen auch sein Seinswesen enthalten“ sei, führte B. zu Schopenhauer. Später näherte er sich dem Standpunkt Kants, blieb aber bei der Ansicht, „…kein einziger Philosoph, Kant und selbst Schopenhauer nicht ausgenommen, hatte das Proton Pseudos zu vermeiden gewußt, Sein erst dann in die Gleichung zu bringen, nachdem es das Denken passiert, ein Denkmäntelchen umgehängt bekommen hatte“. Diese Ansicht, die ihn in der Zeit des Neukantianismus zum Außenseiter stempelte, macht ihn zu einem Vorläufer der modernen Ontologie. B. arbeitete gern mit Analogien aus der Mathematik, analogisierte z. B. die Erkenntnis mit einer mathematischen Gleichung und plante eine „philosophische Geometrie“, auf Grund der „Rectangularität der Gegensätze“.

  • Werke

    Der heliozentr. Standpunkt d. Weltbetrachtung, 1879;
    Metaphys. Anfangsgründe d. math. Wiss. (mit P. Dannegger), 1880;
    Erl. z. Kants Kritik d. reinen Vernunft, 1884;
    Metaphysik als Lehre vom Vorbewußten, 1897;
    Die Lehre vom Leben, 1902;
    Neue Denklehre, 1908;
    Mit Kant - üb. Kant hinaus, 1904;
    Descartes, Hume, Kant. 1910;
    Philos. als Universalwiss., 1912;
    Nachlaß in Sigmaringen.

  • Literatur

    E. Ebstein, Aerzte-Memoiren aus 4 Jh., 1923, S. 361 ff.;
    ders., in: Mitt. z. Gesch. d. Philos. u. Naturwiss. 25, 1926, S. 51;
    Überweg IV, S. 342;
    Philos. d. Gegenwart in Selbstdarst. V, 1924, S. 42 ff. (P);
    R. Metz, A. B., in: Kantstud. 31, 1926, S. 122 ff.;
    D. Bilharz, A. B. [1954] (P);
    Ziegenfuß I.

  • Autor/in

    Bruno Baron von Freytag Löringhoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Freytag Löringhoff, Bruno Baron von, "Bilharz, Alfons" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 237 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116180757.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA