Lebensdaten
1793 bis 1869
Geburtsort
Lübeck
Sterbeort
Bremen
Beruf/Funktion
Naturforscher ; Apotheker ; Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11617501X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kindt, Georg Christian

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Zitierweise

Kindt, Georg Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11617501X.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gabriel Ludolf (1748–1813), Apotheker in L., S d. Ratsapothekers Franz in Wismar u. d. Christina Dankwarth;
    M Sophie Christine, T d. Dr. med. Christian Frdr. Trendelenburg;
    B Franz Friedrich (1786–1856), Apotheker in L., Botaniker u. Mineraloge (Arb. üb. Reinigung d. Rübenzuckers) (s. L);
    - Bremen 1820 Charlotte (1796–1867), T d. Ludwig v. Kapff (1765–1841), Kaufm. (Weinhandlung), Ältermann d. Handelskammer in B., u. d. Marianne Souchay;
    4 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Katharineums in Lübeck absolvierte K. 1809-13 die Apothekerlehre bei dem Apotheker und Chemiker J. F. Westrumb in Hameln, der ihn zur Beschäftigung mit der Chemie anregte. Als Apothekergehilfe arbeitete er bei seinem Bruder in Lübeck und bei E. W. Martius in Erlangen, dessen Vorlesungen er besuchte und der die naturwissenschaftlichen Interessen K.s förderte. 1815 nahm K. am Feldzug gegen Napoleon teil. Er schloß sich den religiösen Lehren G. Menkens an. Nach kurzer Verwaltung der Hofapotheke in Wismar 1817-18 erwarb er 1818 die J. C. Rohdesche Sonnenapotheke in der Sögestraße in Bremen, die er 1819-54 als Besitzer führte und seit den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einem Sammelplatz des aufblühenden naturwissenschaftlichen Interesses machte, unterstützt durch H. W. M. Olbers, G. R. Treviranus, F. C. Mertens, J. A. Albers und J. Heineken. Er führte die neuesten physikalischen und chemischen Apparate vor und machte in Experimental-Demonstrationen und Vorträgen das naturwissenschaftliche Wissen der Zeit weiten Kreisen bekannt. Er verfaßte Beiträge für das Polytechnische Journal von Dingler, schrieb vor allem zahlreiche Gutachten für Bremer Behörden, Bürger und Fabrikanten und bildete sich in der mikroskopischen Untersuchungsmethodik aus. In seiner Apotheke erlernten unter anderem H. Schacht, Th. Deecke und H. von Fehling die Pharmazie.|

  • Auszeichnungen

    Vorsitzender (1865) d. naturwiss. Ver. zu Bremen; Mitgl. d. Bremer Gesundheitsrates.

  • Werke

    u. a. Bemerkungen üb. d. Aberglauben d. Homöopathen veranlaßt durch Herrn Doctor Hirschfeld's Vorlesungen üb. Homöopathie, 1842;
    Die erste Dampfschiffahrt auf d. Weser u. ihr Begründer Friedr. Schröder [29.3.1775-3.10.1835], in: Abhh. v. naturwiss. Ver. zu Bremen 1, 1868, S. 329-44.

  • Literatur

    ADB 15;
    F. Buchenau, Zur Biogr. v. G. C. K., in: Abhh. v. naturwiss. Ver. zu Bremen 2, 1871, S. 191-200, u. 3, 1873, S. 378 f. (W-Verz.);
    W. O. Focke, in: Brem. Biogr. d. 19. Jh., 1912, S. 248-50. - Zu B Franz Frdr.:
    Dt. Apotheker-Biogr., hrsg. v. W.-H. Hein u. H.-D. Schwarz, 1975.

  • Portraits

    im Staatsarchiv Bremen;
    Ölgem. v. W. v. Kügelgen, 1852 (in Fam.bes.), Abb. in: O. Döhner, Das Hugenottengeschl. Souchay de la Duboissière, 1961, Tafel VIII.

  • Autor/in

    Erika Hickel
  • Empfohlene Zitierweise

    Hickel, Erika, "Kindt, Georg Christian" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 621 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11617501X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kindt: Georg Christian K., geb. zu Lübeck am 24. August 1793, Sohn eines Apothekers, wandte sich dem väterlichen Berufe zu und wurde 1809 zu dem trefflichen Chemiker Westrumb in Hameln in die Lehre geschickt. Nach dem Tode seines Vaters (1813) kehrte er zunächst nach Lübeck zurück, ward dann Gehülfe bei dem Hofapotheker v. Martius in Erlangen, machte 1815 in der hanseatischen Legion den Feldzug nach Frankreich mit, blieb nach der Heimkehr einige Zeit in Lübeck und verwaltete 1817 und 1818 die Hofapotheke in Wismar. 1816 hatte er mit seinem älteren Bruder Friedrich, der das väterliche Geschäft übernommen hatte, in dem elterlichen Hause eine Gasbeleuchtung eingerichtet. Im Herbst 1818 erwarb er eine eigene Apotheke in Bremen, welche unter seiner Leitung allmälig zu großem Ruf und einer bedeutenden Kundschaft gelangte. Im Jahre 1854 zog er sich nach dem Verkaufe seines Geschäfts ins Privatleben zurück und widmete sich ausschließlich seinen wissenschaftlichen Studien. Er starb am 1. März 1869. In seinem Charakter waren zuvorkommende Gefälligkeit und lebhafter Forschungstrieb, gepaart mit ernster Religiosität und großer Bescheidenheit besonders hervortretende Züge. Er war ein ausgezeichneter Naturforscher, der neben seiner Berufsthätigkeit Zeit fand, die Fortschritte der Wissenschaft, insbesondere der Chemie, eifrig zu verfolgen. Alle wichtigen neuen Apparate suchte er sich anzuschaffen, jede bedeutende chemische Entdeckung pflegte er in seinem Laboratorium nachzumachen. Um 1840 wurde er durch G. W. Focke in die Mikroskopie eingeführt und verfolgte von da an mit lebhaftem Interesse auch die Fortschritte der Optik. Mit vielen der bedeutendsten Chemiker seiner Zeit, z. B. mit Liebig, Wöhler, Buff, G. Magnus, Fehling, Wicke, stand er in freundschaftlichem brieflichem Verkehr, berichtete ihnen über seine Beobachtungen und verschaffte ihnen manchmal Material für ihre Untersuchungen.|Ferner verwerthete er sein Wissen vielfach praktisch im Dienste der Gerichte, Behörden und Privaten, suchte auch theils im geselligen Verkehr, theils durch Vorträge und Experimente naturwissenschaftliche Kenntnisse in weiteren Kreisen zu verbreiten. 1864 wurde er zum Vorsitzenden des neubegründeten Bremer naturwissenschaftlichen Vereins erwählt. Veröffentlicht hat er nur wenige kurze Mittheilungen; nähere biographische Nachrichten finden sich in den Abhandlungen d. Naturw. Ver. zu Bremen II, S. 191 ff.

  • Autor/in

    Focke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Focke, Wilhelm Olbers, "Kindt, Georg Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 769-770 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11617501X.html#adbcontent

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