Lebensdaten
1814 bis 1872
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
bayerischer Staatsmann ; Historiker ; Jurist ; Wirtschaftswissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11615750X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dönniges, Franz Alexander Friedrich Wilhelm von
  • Doenniges, Wilhelm
  • Dönniges, Wilhelm von
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Zitierweise

Dönniges, Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11615750X.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinr. Ferd. D. (1780-1856), preußischer Geheimher Reg.rat, S des Joh. Frdr., preußischer GR, Rat im Commerzkollegium;
    M Friederike Charl. Calsow aus Pommern;
    Berlin 1842 Franziska (1823–82, isr., seit 1841 ev.), T des Kaufm. Joseph Wolff in Spandau;
    2 S, 5 T, u. a. Helene s. (1), Margarethe (1846 bis 1930, Eugen Gf. v. Keyserlingk, 1889), Schriftstellerin (s. Kosch, Lit.-Lex.), Emma ( Karl v. Rumpier, 1842–98, Vorstand des Geh. Staats- und Hausarchivs in München, s. Schärl).

  • Leben

    D. studierte in Bonn und Berlin Philologie, Geschichte und Staatswissenschaften und promovierte bei L. von Ranke, habilitierte sich 1839 dort und wurde 1841 außerordentlicher Professor. Ranke schlug ihn dem bayerischen Kronprinzen Max als wissenschaftlichen Mentor vor. In Göttingen befreundete sich der Kronprinz mit D., der 1842 nach München übersiedelte. 1842-44 legte er in eingehenden Vorträgen und Studien im Kronprinzen den Grund zur späteren bayerischen Triaspolitik. Die Abhängigkeit des Kronprinzen wurde schließlich so groß, daß König Ludwig I., der die bayerische Empfindlichkeit gegenüber Fremden kannte und der sich an dem betont norddeutschen Auftreten D. stieß, eine Aufnahme in den bayerischen Staatsdienst ablehnte und die Entfernung D. aus München erzwang. D. blieb jedoch im engsten Briefverkehr mit dem Kronprinzen, der ihn 1847 als Bibliothekar wieder nach München berief. Nach seinem Regierungsantritt (1848) zeigte sich der junge König ganz von D. abhängig, der seine politischen Pläne in Zeitungsartikeln und Flugschriften vertrat. Scharf nahm der Preuße D. gegen ein preußisches Kaisertum Stellung und gab im April 1849|dem König den Rat, sich für eine Volksvertretung als Grundlage des deutschen Parlaments einzusetzen und auf diese Weise die liberale Bewegung zu gewinnen. Gegen die Revolution in der Pfalz erwirkte er nach langem Kampf mit dem unschlüssigen König die Herausgabe des von D. verfaßten Aufrufs „An das bayerische Volk“ und die Annahme des preußischen Hilfsangebotes.

    Als Berater des Königs bestimmte D. zusammen mit dem Minister von der Pfordten die bayerische Außenpolitik. Während Pfordten sich an Österreich anschloß, wurde D. schon bald ein Befürworter einer mehr an Preußen ausgerichteten Politik. Bald nach der Dresdener Konferenz (1851), wo D. neben Pfordten der bayerischen Delegation angehörte, vertrat D. in einer eingehenden Denkschrift „Bayerns Stellung und Aufgabe als dritte Macht“ die These, daß die deutsche Frage durch Zusammenfassung der Mittelstaaten in einem engeren Bund unter Führung Bayerns im Sinn einer Partnerschaft von Österreich, Preußen und Bayern zu lösen sei, wobei er dringend eine engere Anlehnung an Preußen empfahl, weil er Österreich für desinteressiert am deutschen Schicksal hielt.

    D. erreichte zwar 1853 die Reise des Königs nach Berlin, wobei sich dieser ganz an das von ihm ausgearbeitete Memorandum hielt, aber schon wenig später erzwang Pfordten D. Entfernung aus München, weil dieser sich zusammen mit dem preußischen Gesandten zu dem Versuch hinreißen ließ, Pfordten zu stürzen und durch den unbedeutenden und Preußen ganz ergebenen bayerischen Gesandten in Berlin Ad. von Malsen zu ersetzen. Die Weichheit des Königs gestattete ihm jedoch schon nach 8 Wochen die Rückkehr, aber er konnte seine alte, bestimmende Stellung als außenpolitischer Berater nicht wieder gewinnen. D. erstrebte nunmehr die materielle Sicherstellung in der Ernennung zum außerordentlichen Staatsrat. Seine Drohungen, andernfalls in preußische Dienste überzutreten, wurden vom König übel aufgenommen, der auch über D. Lebenswandel entrüstet war. Wegen seines unbeherrschten Auftretens, das ihn im ganzen Land verhaßt machte, erklärten sich 1855 nicht nur von der Pfordten, sondern auch die bayerischen Regierungspräsidenten gegen D. Der König wich vor dieser Opposition zurück und sprach seine Entlassung aus. In den nächsten Jahren wurde er zu verschiedenen diplomatischen Missionen in Turin (1857–59), Nizza und Genf (1861) herangezogen. Bei den Aufenthalten des Königs an der Riviera gewann D. wieder an Einfluß und wurde mehrmals zu außenpolitischen Gutachten, so besonders 1862 über die Frage herangezogen, ob Bayern dem preußisch-französischen Wirtschaftsabkommen beitreten solle. D. konnte seinen positiven Standpunkt erst unter Ludwig II. durchsetzen. 1864 beendete die Affäre seiner Tochter vorläufig seine diplomatische Laufbahn. Erst 1868 wurde D., der bei Ludwig II. Gnade gefunden hatte, nach einer kurzen diplomatischen Mission in Madrid in den ordentlichen Dienst übernommen und zum bayerischen Gesandten in Italien ernannt.

    D. beeinflußte auch die vorwiegend den Wissenschaften gewidmete Kulturpolitik des Königs. Auf seinen Vorschlag gehen die Berufungen des Chemikers Liebig, der Historiker Richl, Sybel, des Physikers Jolly und des Intendanten der bayerischen Staatstheater, von Dingelstedt, zurück, deren Wirken einen Gutteil des Glanzes des maximilianischen Münchens ausmachte. Gerade dadurch zog er sich jedoch den Haß eingesessener Kreise zu, auf die D. und viele der von ihm Berufenen mit taktloser Geringschätzigkeit herabsahen.

    Als Charakter und Staatsmann war D. seinem Gegenspieler Pfordten unterlegen. Die Karriere dieses intelligenten, skrupellosen, unerhört begabten, aber auch intriganten Mannes war in seiner Freundschaft zum König begründet, der jahrelang völlig abhängig von ihm war. Fehlendes Einfühlungsvermögen und Arroganz, die ihn mit fast allen, mit denen er verkehrte, in Streit geraten ließen, führten zur Entstehung jener Legende, er sei die graue Eminenz Bayerns gewesen. Besonders die bayerischen Patrioten beschuldigten ihn, mit seiner Politik die kleindeutsche Lösung und damit den Untergang der Eigenstaatlichkeit Bayerns heraufbeschworen zu haben. Dahinter traten bald seine unbestreitbaren Verdienste sowohl um die politischen Entscheidungen des Königs, wie auch um dessen großartige Förderung der Wissenschaften zurück.

  • Werke

    Acta Heinrici VII. imp. Romanorum et monumenta quaedam alia medii aevii …, 2 Bde., 1839; Jb. unter d. Herrschaft Kg. Otto I., 1840;
    Kritiker d. Quellen f. d. Gesch. Heinr. VII., d. Luxemburger, 1841;
    Das dt. Staatsrecht u. d. dt. Rechtsverf., 1842;
    Gesch. d. dt. Kaisertums im 14. Jh., 1841 f.;
    Das System d. freien Handels u. d. Schutzzölle, 1847;
    Die dt. Schiffahrtsakte u. d. Differentialzölle, 1848; Altschott, u. altengl. Volksballaden, 1852 (Bearb.).

  • Literatur

    ADB V;
    M. Doeberl, Bayern u. d. dt. Frage in d. Epoche d. Frankfurter Parlaments, 1922;
    ders., Bayern u. d. dt. Unionsprojekt, 1926;
    ders. u. M. Spindler, Entwicklungsgesch. Bayerns III, 1928;
    E. Franz, W. v. D. u. Kg. Max II. in d. dt. Frage, in: ZBLG 2, 1929,|S. 415-76;
    ders., Kg. Max II. u. seine geh. pol. Ratgeber, ebd. 5, 1932, S. 222-57;
    ders., W. v. D., in: Pommer Lb. II, 1936, S. 108-21 (L, P);
    M. Leber, Die ital. Frage in Bayerns Sicht u. Pol. v. 1859-65, Diss. München 1957, S. 435-37 u. ö.;
    Die Hist. Komm. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1858-1958, 1958.

  • Autor/in

    Karl Otmar Freiherr von Aretin
  • Empfohlene Zitierweise

    Aretin, Karl Otmar Freiherr von, "Dönniges, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 28-30 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11615750X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dönniges: Franz Alexander Friedrich Wilhelm v. D. ist geb. 13. Jan. 1814 zu Colbatz bei Stettin, als siebentes Kind des damaligen königl. preußischen Justizbeamten der Aemter Colbatz und Pyritz, Heinrich Ferdinand D., 1872. Nach gründlichen Studien in den humanistischen Wissenschaften bezog der reichbegabte Jüngling frühzeitig die Universitäten Bonn und Berlin, wo er sich vorzugsweise staatswissenschaftlichen und historischen Studien widmete und seine Kenntnisse in der classischen und modernen Litteratur erweiterte und vertiefte. Schon im J. 1835 promovirte D. an letztgenannter Universität als Dr. phil. mit der Ranke gewidmeten Abhandlung: „Commentatio de Geographia Herodoti cum tabula orbis terrarum ex ipsius opinione“, und setzte hierauf unter der Leitung des ebengenannten Forschers seine historischen Arbeiten fort, welche ihn in den Jahren 1838 und 1839 nach Italien führten. Zu Turin entdeckte er die Rathsbücher Kaiser Heinrichs VII., welche er nach seiner Rückkehr unter dem Titel: „Acta Henrici VII.“ (Berlin 1839. 2 Bde.) herausgab. In demselben Jahre habilitirte sich D. als Privatdocent an der Berliner Universität, wo er sehr beifällig aufgenommene Vorlesungen, namentlich über Staatsrecht, Nationalökonomie und Finanzwissenschaft hielt und 1841 zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Als Schüler Ranke's und Mitglied jenes Kreises jüngerer Forscher, aus welchem so viele Koryphäen der neueren deutschen Geschichtsschreibung hervorgingen, nahm er regen Antheil an den epochemachenden Arbeiten der Schule über die ottonische Zeit, und verfaßte für des Meisters „Jahrbücher des deutschen Reiches unter dem sächsischen Hause“ die „Jahrbücher unter der Herrschaft König Otto's I.“ (Berlin 1840). Hierauf ließ er die ersten Theile seiner, vielfach auf die von ihm neuaufgefundenen Materialien gegründeten „Geschichte des deutschen Kaiserthums im 14. Jahrhunderte“ (Berlin 1841—42) erscheinen, in deren 1. Abtheilung, „Kritik der Quellen für die Geschichte Heinrichs VII., des Luxemburgers“, er auch eine treffliche Uebersetzung der Dino Compagni zugeschriebenen „Cronaca delle cose occorrenti ne' tempi suoi“ lieferte. Anstatt der weiteren Fortsetzung dieser Geschichte des deutschen Kaiserthums im 14. Jahrhundert ließ er alsbald (1842), im stürmischen Schaffensdrange, den Anfang eines leider gleichfalls unvollendet gebliebenen, weitaussehend angelegten Werkes über „Das deutsche Staatsrecht und die deutsche Rechtsverfassung“ folgen, und zwar den ersten Band die älteste Periode von Karls des Großen Krönung bis in das 11. Jahrhundert umfassend, an welchem Buche neben bedeutender Gelehrsamkeit vorzugsweise ein sicherer staatsmännischer Blick hervorzuheben ist.

    In die Zeit dieser reichen und umfassenden litterarischen und lehrenden Thätigkeit fiel ein Ereigniß, welches zunächst zwardie äußere Productivität Dönniges hemmte, jedoch für dessen ganzes späteres Leben von bestimmender Bedeutung wurde. Durch Ranke's und Eichhorn's Vermittlung war D. in persönliche Beziehungen zu dem damaligen Kronprinzen, späteren König Maximilian II. von Baiern getreten. Der hochsinnige und wissensdurstige Fürst übte auf den feurigen und mächtig aufstrebenden jungen Gelehrten eine so ungemeine Anziehungskraft aus, daß letzterer gerne dem Prinzen nach München folgte und er dort mehrere Jahre dessen wissenschaftliche Studien leitete. Wenn auch D. im Jahre 1845 Baiern wieder verließ und aus der unmittelbaren Umgebung des Kronprinzen ausschied, so ließ diese Entfernung doch das persönliche Verhältniß zwischen dem Fürsten und dem Gelehrten unberührt, und schon nach einem Zeitraum von zwei Jahren, welcher durch eine umfassende publicistische Thätigkeit ausgefüllt war, gestalteten sich die Beziehungen zum Kronprinzen noch enger, indem D. (November 1847) als Bibliothekar förmlich in dessen Dienste trat. In jene Zeit fallen|die Schriften: „Das System des freien Handels und die Schutzzölle“ (Berlin 1847) und „Die deutsche Schifffahrtsacte und die Differentialzölle“ (Berlin 1848), mit welchen D. in die deutsche Freihandelsbewegung im gemäßigten Sinne eintrat.

    Die Ereignisse des Jahres 1848 führten Dönniges' fürstlichen Gönner auf den Thron, worauf D. Baiern definitiv zu seinem Vaterlande erwählte, das baierische Indigenat erwarb und den Hofrathstitel erhielt. Von da an weilte D. eine Reihe von Jahren in der unmittelbaren Umgebung seines Königs. Es ist gewiß, daß der geistvolle feurige Mann, der neben sehr ausgebreiteten Kenntnissen hervorragende gesellschaftliche Talente besaß, erheblichen Einfluß auf den König ausüben mußte, und zwar umsomehr, als die von D. vertretene maßvolle Politik, welche die Einheitsbestrebungen Deutschlands mit möglichster Selbständigkeit und Wirkensfähigkeit der kräftigeren Glieder des Bundes, Baierns voran, zu vereinigen suchte, den eigenen Anschauungen des Königs entsprach. Zu praktischer officieller Wirksamkeit in politischer Beziehung wurde keine Gelegenheit für D.: zwar erfolgte sein förmlicher Eintritt in den bairischen Staatsdienst im Anfange des J. 1851, kurz nach Verleihung des Verdienstordens vom hl. Michael, indem er, zum Legationsrath ernannt und der baierischen Gesandtschaft in Frankfurt beigegeben, zu der Dresdner Conferenz entsendet wurde. Allein nach Beendigung dieser vorübergehenden Mission kehrte D. in seine frühere persönliche Stellung beim Könige zurück, ohne daß sich hierin durch die im October 1851 erfolgte Ernennung zum königl. geheimen Legationsrath und die spätere Beförderung zum Ministerialrath im Staats-Ministerium des königlichen Hauses und des Aeußern (August 1852) eine Aenderung ergab. Aber auch dieses ziemlich schwache Band, welches D. mit dem formellen Staatsdienste verknüpfte, wurde im October 1855 gelöst, indem D auf sein Ansuchen als Ministerialrath in den Ruhestand versetzt wurde.

    War es D. mithin nicht vergönnt gewesen seinen Anschauungen unter dem Correctiv einer verantwortlichen öffentlichen Stellung praktische Geltung zu verschaffen, so übte er gleichwol durch seine Persönlichkeit großen Einfluß nicht nur auf den König sondern auch auf sein ganzes Adoptivvaterland aus, indem auf seine Anregungen manches zurückgeführt werden mag, was König Maximilian zur Hebung seiner Hauptstadt unternahm. D. stand in erster Linie unter jenen hervorragenden Männern, welche der König um sich versammelt hatte, und der 1853 gegründete Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst zählte ihn unter seine ersternannten Mitglieder. Seiner damaligen Stellung entspricht es. daß sein Bildniß auf den Gemälden zu finden ist, mit welchen König Ludwig I. die Außenwände seiner Pinakothek neuerer Kunstwerke in München schmücken ließ, und auf welchen die Porträts der Männer des neuen München Platz fanden. An litterarischen Producten ist diese Zeit in Dönniges' Leben, abgesehen von vielen journalistischen und publicistischen Aufsätzen, nicht reich: größere wissenschaftliche Arbeiten kamen gar nicht zur Publication. Dagegen geben die von ihm bearbeiteten „Altschottischen und altenglischen Volksballaden“ (München 1852) einen lebendigen Beweis für sein reges, vielseitiges geistiges Leben, sein Verständniß des Wesens echter Poesie und seine hohe auch dichterische Begabung.

    Eine neue Phase in Dönniges' Leben trat ein, als er Ende 1856 den dauernden Aufenthalt in München aufgab und als Attaché der baierischen Gesandtschaft nach Turin ging. Das Neujahr 1857 brachte ihm als neuen Beweis der königlichen Gunst den Verdienstorden der baierischen Krone und damit den persönlichen Adel; im Februar 1859 erfolgte seine förmliche Ernennung zum chargé d'affaires in Turin. Die Ereignisse jenes Jahres machten jedoch dieser Mission bald ein Ende und brachten Dönniges' Uebersiedelung nach Nizza|mit sich, wo er ohne officielle Stellung bis zum J. 1862 verblieb, zeitweise wieder in unmittelbarer Nähe des Königs, der zu längerem Winteraufenthalte dort erschien. Eines neuen Merkmales königlicher Huld hatte sich D. im Jahre 1860 zu erfreuen: König Maximilian erhob ihn nämlich, unter Anerkennung der schon länger bestehenden Adelsqualität der Familie D. in den erblichen Ritterstand des Königreiches. Im J. 1862 wurde D. zum baierischen Geschäftsträger in der Schweiz ernannt und ihm Genf als Wohnsitz angewiesen, bis 1864 die Verlegung der Legation nach Bern erfolgte. Mit der Ernennung zum Geschäftsträger in der Schweiz beginnt sozusagen die eigentliche Beamtenlaufbahn Dönniges'. Es ist in diesem Gange der Dinge ein allmähliches Zurücktreten des Einflusses, welchen D. ausübte, nicht zu verkennen, wenn auch die persönlichen Beziehungen zum Könige fortdauerten, bis zu dessen, im Frühjahre 1864 überraschend eingetretenen Ableben. Kaum dreiviertel Jahre nach diesem für D. erschütternden Ereignisse wurde er von Bern abgerufen und zur Disposition gestellt, worauf er einige Jahre in München lebte, bis ihn das Vertrauen des Königs Ludwig II. im Juni 1867 auf den wenige Jahre vorher verlassenen Berner Posten zurückrief, und zwar nunmehr in der Eigenschaft eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers, während er vorher dortselbst nur als Geschäftsträger fungirt hatte. Von da an stand D. bis an sein Lebensende im diplomatischen Staatsdienst, nebenher mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, wenn er auch kein Ergebniß derselben mehr der Oeffentlichkeit übergab. Den größten Theil des J. 1869 verbrachte D. in außerordentlicher Mission zu Madrid, von wo er nach Bern zurückkehrte und im Februar 1870 als Gesandter nach Florenz versetzt wurde. Nachdem die Residenz des Königreichs Italien von dort nach Rom verlegt worden war, folgte er im Auftrage seiner Regierung dem Könige von Italien dahin (December 1871). Allein nur kurze Zeit durfte er den ihm persönlich so erwünschten Aufenthalt auf Roms classischem Boden genießen: um Weinachten 1871 schwer erkrankt, starb D. am 4. Januar 1872 im 58. Jahre seines bewegten Lebens, nachdem er ungefähr ein Jahr vorher den Tod eines für das Vaterland gestorbenen hoffnungsvollen Sohnes (Karl v. D., gefallen 1870 bei Orléans) zu beweinen gehabt hatte.

  • Autor/in

    Rumpler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Rumpler, "Dönniges, Wilhelm von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 339-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11615750X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA