Lebensdaten
1795 bis 1869
Geburtsort
Moers
Sterbeort
Haus Morsbroich bei Mülheim
Beruf/Funktion
Textilindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116103922 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Diergardt, Friedrich Freiherr von

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Zitierweise

Diergardt, Friedrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116103922.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Heinr. (1759–1823), Pfarrer u. Konsistorialpräsident in Moers;
    M Marie Marg. Susanne v. Rappard (1763–1844), T des Frdr. Rappard (S des Heinr. Wilh. [ 1747], preußischer Kammerdirektor in Cleve) u. der Charl. Henr. v. Weyler;
    Süchteln 1819 Julie (1802–67), T des Wilh. Deußen ( 1857), Seidenfabrikant (s. NDB III*);
    S Frdr. (1820–87, ⚭ Bertha v. der Heydt [ 1902], N des preußischen Min. Aug. v. der Heydt [ 1874]), Großindustrieller.

  • Leben

    Nach fachmännischer Ausbildung bei seinem späteren Schwiegervater errichtete D. 1813 mit seinem Schwager Küntzeler in Sankt Tönis bei Krefeld eine sogenannte Seidenmanufaktur, die 1816 nach Viersen verlegt und seit 1821, nach seines Schwagers Tode, von ihm allein geleitet wurde. Das Unternehmen, das nach der Geschäftsart der damaligen „Manufakturen“ auf Hauswebereien aufbaute, für welche der Unternehmer die Garnlieferung, Musterung, Ausrüstung und den Absatz übernahm, wuchs unter D.s Leitung mächtig empor, dehnte sich auf den ganzen linken Niederrhein aus und wurde bald zur größten Seiden- und Samtmanufaktur Deutschlands - „eine der trefflichsten Manufakturen des Landes“, sagt ein Zeitgenosse. D. schuf sich vor allem auch weitgehende Auslandsverbindungen und verstand es, sich mit seinen Seiden- und Samterzeugnissen der von Paris ausgehenden und immer mehr um sich greifenden Mode anzupassen. Sein Fabrikat wurde weltberühmt und ging in alle wirtschaftlich erschlossenen Länder; der englische Hof trug nur Diergardtsamt. 1840 errichtete D. in Brüggen (Rheinland) die erste mechanische Seidenweberei des Festlandes. Mitte des Jahrhunderts beschäftigte er an 2000 Webstühlen 3000 Weber, die sich auf 43 Gemeinden verteilten. Dazu wirkte D. maßgebend beim modernen Aufbau anderer Industrien mit, so bei Errichtung einer großen Gladbacher Baumwollspinnerei und beim linksrheinischen Bergbau (Zeche Diergardt-Rheinhausen). Große Fürsorge widmete D. seinen Mitarbeitern. Vorbildlich wirkte er bei Schaffung der ersten deutschen Fabriken- und Gewerbegerichte mit. Verdient machte er sich auch besonders durch seine großen Stiftungen für bewährte alte Fabrikarbeiter, für treue Dienstboten und für strebsame junge Leute zum Besuch höherer Bildungsanstalten oder des Auslandes. Regen Anteil nahm er am Staatsleben. Er war Mitglied des rheinländischen Provinziallandtags und seit 1860 lebenslängliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Von den preußischen Königen wurde er gern zu Rate gezogen.

  • Auszeichnungen

    Ritter der franz. Ehrenlegion, GKR.

  • Literatur

    ADB V;
    F. W. Schröteler, Die Herrlichkeit d. Stadt Viersen, 1861, S. 224;
    F. W. Lohmann, Gesch. d. Stadt Viersen, 1913, S. 802;
    Festschr. z. 100-jähr. Bestehen d. Industrie- u. Handelskammer zu M.-Gladbach, 1937, S. 58;
    J. Wilden, Gründer u. Gestalten d. Rhein-Ruhrindustrie, 1951, S. 38.

  • Portraits

    Dargest. am Denkmal Friedr. Wilh. III. in Köln als Vertreter v. Handel u. Gewerbe.

  • Autor/in

    Kurt Apelt
  • Empfohlene Zitierweise

    Apelt, Kurt, "Diergardt, Friedrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 655 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116103922.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Diergardt: Friedrich Freiherr v. D., geb. zu Moers am 25. März 1795 als Sohn des Pfarrers Johann Heinrich D. (geb. zu Langenberg 1759, Prediger in Viersen, dann zu Beek, später zu Moers und Consistorialpräsident, in welcher Eigenschaft er der Krönung Napoleon's als Deputirter beiwohnte), erhielt seinen Schulunterricht in Moers und Düsseldorf und bestand alsdann seine Lehre in dem Fabrikgeschäft seines späteren Schwiegervaters in Sächteln. Am 1. Jan. 1813 gründete er in Gemeinschaft mit seinem Schwager Th. Küntzeler zu St. Thönis bei Crefeld ein Fabrikgeschäft in Sammt und Sammtband unter der Firma „Küntzeler & Co.“, welches schon in demselben Jahre nach Sächteln und im Nov. 1816 nach Viersen verlegt wurde. Nach dem Tode seines Compagnon übernahm D. das Geschäft allein und setzte es seit Ende 1821 unter seinem eigenen Namen fort. Als er am 1. Jan. 1863 das 50jährige Jubiläum der Gründung feierte (er stiftete dabei ein Capital von 10000 Thlrn. zur Unterstützung alter Arbeiter), zählte die Fabrik ungefähr 1000 Webstühle für Stücksammt und 750 Stühle für Sammtband und beschäftigte im ganzen 3000—3200 Arbeiter und Arbeiterinnen als Weber, Wirker, Winder, Appreteure, Haspelerinnen u. dgl. Die Arbeitsstätten waren vertheilt in 43 Flecken und Dörfern der Regierungsbezirke Aachen und Düsseldorf. Durchschnittlich arbeiteten Vater und Kinder gemeinschaftlich in denselben Werkstätten und genügten zum Betrieb von 3—6 Webstühlen, eine Einrichtung, wodurch ein besonders günstiger Einfluß auf das Familienleben ausgeübt wurde. Mit Beginn des J. 1869 legte D. die Leitung des Geschäftes nieder und zog sich ganz aus demselben zurück, um den Rest seines Lebens in wohlverdienter Ruhe zu genießen. Diese war ihm aber nicht lange beschieden, da er schon am 3. Mai 1869 starb. Seinen Wünschen entsprechend, setzte der Sohn 148500 Thlr. für Stiftungen und Schenkungen zu wohlthätigen Zwecken aus. — Daß D. für das commercielle Leben der Rheinprovinz und der Monarchie überhaupt die vielseitigste Thätigkeit entwickelte und persönliche Opfer an Zeit und Mühwaltung brachte, ist selbstverständlich; aber am Staatsleben überhaupt nahm er regen Antheil, er war wiederholt Mitglied des rheinischen Provinziallandtages, 1847 des vereinigten preußischen Landtages, später des preußischen Abgeordnetenhauses, seit 1860 lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses. Seit 1. Juli 1829 war er mit Julie, der Tochter des Fabrikanten Friedrich Wilhelm Deußen in Sächteln, verheirathet, aus welcher Ehe als einziges Kind Friedrich Heinrich (geb. 27. Decbr. 1820) hervorging. Durch Cabinetsordre vom 7. Jan. 1860 wurde der Vater nebst seinem Sohne und dessen beiden ältesten Söhnen Friedrich Daniel (geb. 1850) und Daniel Heinrich (geb. 1852) in den mit dem Besitz der beiden Fideicommisse Morsbroich (Kr. Solingen) und Dünnwald (Kr. Mülheim a. R.) vererblichen Freiherrnstand erhoben. Am 26. Juni 1867 wurde diese Erhebung auch auf die weiteren Kinder des Freiherrn Friedrich Heinrich D., nämlich Bertha Julie (geb. 1854) und Johannes (geb. 1859) ausgedehnt und bei der Descendenz des letzteren an den Besitz des Fideicommisses Vinkenhorst (Kr. Geldern) geknüpft.

    • Literatur

      Auf Grund von Angaben, die von der Familie ausgehen.

  • Autor/in

    W. Crecelius.
  • Empfohlene Zitierweise

    Crecelius, Wilhelm, "Diergardt, Friedrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 140 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116103922.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA