Lebensdaten
1884 bis 1926
Geburtsort
Reinshagen bei Remscheid
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Naturwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116099674 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Becher, Ernst Siegfried

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Zitierweise

Becher, Ernst Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116099674.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Erich Becher (s. 1).

  • Leben

    B. besuchte das Realgymnasium in Remscheid und experimentierte schon als Schüler zusammen mit seinen Brüdern auf physikalisch-chemischen Gebieten. Biologisch interessierten ihn vor allem die Werke von Darwin und Haeckel. 1902 bezog B. die Universität Bonn, wo er Naturwissenschaften (besonders Zoologie) bei H. Ludwig, W. Voigt, Strubell, Borgert und dem Ornithologen König studierte; seine Dissertation wurde preisgekrönt. Nach dem Studium blieb er zunächst in Bonn. Seine erste Veröffentlichung ist eine umfangreiche physiologische Abhandlung: „Erkenntnistheoretische Untersuchungen zu Stuart Mills Theorie der Kausalität“ (in: Abhandlungen zur Philosophie und ihrer Geschichte, herausgegeben von B. Erdmann, 1906, S. 1-152). 1908-14 war B. Assistent bei W. Spengel am Zoologischen Institut in Gießen. Seine Echinodermenarbeiten enthalten grundlegende Untersuchungen über die Form der Kalkskelette, an die sich Fragen zur Physiologie und Physik dieser Körper anschließen. Seine naturphilosophischen Schriften bieten Andeutungen psycholamarckistischer Art, jedoch ist die Beziehung zum Vitalismus darin nicht völlig abgebrochen. B. glaubte, daß die eigentliche Art, in der Gestalteindrücke und Gestaltresiduen wie Ganzheiten oder Individualitäten wirken, nicht eine Besonderheit der Vorgänge des kompliziert gebauten Gehirns sei, sondern eine Form der Beeinflussung, die schon bei einheitlichen Protoplasmamassen hervortrete und deshalb zu den allgemeinen Grundeigenschaften der lebendigen Substanz überhaupt gehören müsse. Das Leiten der Formenbildung zum normalen Ziel brauche nicht durch das rätselhafte Eingreifen eines zukünftigen Ganzen zu geschehen, sondern könne so verstanden werden, daß erbliche Residuen (Engramme) der definitiven Gestalt oder ihrer Teile mit wirksam seien und nur eine Wirkung eines zukünftigen metaphysischen „Zieles“ vortäuschten. - Im Herbst 1914 wurde B. als Ordinarius nach Rostock berufen. Hier beschäftigte er sich vorwiegend mit Untersuchungen am Polarisationsmikroskop und der Verbesserung dieses Gerätes. Es folgten mikrotechnische Arbeiten über die Echtfärbung der Zellkerne (1921) mit Farbstoffen aus der Klasse der Oxyanthrachinone und Naphthochinone. Gleichzeitig entwickelte B. ein neues photographisches Verfahren, das mit Pigmentdrucken eng verwandt ist. Auf diesem Gebiet konnte er eigene Patente herausbringen. 1921 wurde er zum Nachfolger von Spengel nach Gießen berufen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten in der Nachkriegszeit und zunehmende Krankheit erschwerten seine Arbeiten. Die Vorliebe für optische Untersuchungen veranlaßte ihn, über das Verhalten von Versuchstieren (Daphniden) in verschiedenfarbigem Licht vorwiegend im ultravioletten Bereich zu arbeiten. Einen Ruf nach Tübingen lehnte er ab, ging jedoch im Herbst 1925 nach Breslau, wo er schon bald einer langjährigen Krankheit erlag. - Als ursprünglichster und wesentlichster Zug seines Charakters wird besonders die starke Geschlossenheit seiner Persönlichkeit gerühmt, sowie seine Vielseitigkeit, die sich auf die verschiedensten Arbeitsgebiete erstreckte und mit großer Gründlichkeit und Beobachtungstreue verbunden war.

  • Werke

    u. a. Unterss. üb. nichtfunktionelle Korrelation in d. Bildung selbständiger Skelettelemente u. d. Problem d. Gestaltbildung in einheitlichen Protoplasmamassen, in: Zoolog. Jbb. 31, Physiolog. Abt., 1911, S. 1-188;
    Üb. stat. Strukturen u. kristallopt. Eigentümlichkeiten d. Echinodermenskeletts, in: Verhh. d. Dt. Zoolog. Ges. Freiburg, 1914;

    Flügelfärbung d. Kolibris u. geschlechtl. Zuchtwahl, in: Anatom. Hh. 171-73, 1919, Bd. 57, S. 449-82;
    Unterss. üb. Echtfärbung d. Zellkerne mit künstl. Beizenfarbstoffen u. d. Theorie d. histolog. Färbeprozesses mit gelösten Lacken, T. I-III, 1921, S. 1-317;

    Üb. Sinnesempfindlichkeit f. extremes Ultraviolett b. Daphniden, in: Verhh. d. Dt. Zoolog. Ges. 28, 1923, S. 52-55;
    insgesamt 35 Veröffentlichungen, sowie 9 unveröff. Arbb. aus d. Nachlaß.

  • Literatur

    E. Merker, E. S. B., in: Zoolog. Jbb., Abt. f. Allg. Zool. u. Physiol. d. Tiere 43, 1927, S. 431 bis 538 (P).

  • Autor/in

    Johann Gerhard Helmcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Helmcke, Johann-Gerhard, "Becher, Ernst Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 689 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116099674.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA