Lebensdaten
1868 bis 1944
Geburtsort
Bledau bei Königsberg
Sterbeort
Bledau bei Königsberg
Beruf/Funktion
Oberpräsident von Ostpreußen
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116081422 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Batocki-Friebe, Adolf Max Johannes Otto von
  • Tortilowicz von Batocki-Friebe, Adolf
  • Tortilowicz von Batocki, Adolf
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Zitierweise

Batocki-Friebe, Adolf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116081422.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Der Ur-Gv, Rittergutsbesitzer W. Tortilowicz, nahm 1822 den abgelegten Familiennamen Tortilowicz von Batocki mit königlicher Genehmigung wieder an;
    V Otto Tortilowicz von Batocki-Friebe, königlich preußischer Kammerherr;
    M Fanny Gräfin von Keyserlingk ( 1919);
    Paula Gräfin von Kalnein;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    Nach Absolvierung des Gymnasiums in Königsberg studierte B. die Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn und Königsberg, übernahm nach dem Assessorexamen die Bewirtschaftung des väterlichen Besitzes, trat jedoch 1900 in den Staatsdienst zurück, als ihn sein Heimatkreis Königsberg/Land als Landrat präsentierte. 1907 berief B. das Vertrauen seiner landwirtschaftlichen Berufsgenossen zum Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer in Ostpreußen. Zu Beginn des ersten Weltkrieges wurde er zum Oberpräsidenten der Provinz ernannt. Schon damals war B. eine so festprofilierte Persönlichkeit, daß das „Berliner Tageblatt“ ihn, den Konservativen, an leitender Stelle in einem Artikel begrüßte. Seine Hauptaufgabe wurde der Wiederaufbau von Ostpreußen nach dem Russeneinfall, den er mitten im Kriege in erstaunlich kurzer Zeit trotz der Zerstörung von 300 000 Häusern vollendete, ein Werk, das, wie es in dem Jahrbuch der Albertus-Universität heißt, „sich würdig an die Seite des ostpreußischen Retablissements unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen stellen kann“. Eine für den Kriegsverlauf noch wichtigere Aufgabe wuchs ihm zu, als er im Mai 1916 zum Präsidenten des Kriegsernährungsamtes ernannt wurde. Es fehlte noch gänzlich an einer Organisation. Er begann in der Hedemannstraße mit einer Kontoristin und einem Registrator. Die neue Behörde wurde die Keimzelle des Reichswirtschaftsministeriums; als B. sie im Sommer 1919 einmal besuchte, gehörten ihr 3000 Beamte und Angestellte an. Seit 1917 vorübergehend im aktiven Wehrdienst, übernahm B. im Januar 1918 wieder das Oberpräsidium, um sich in schwerster Zeit zu bewähren.

    Von der im November 1918 ausbrechenden Marinemeuterei, die eine Revolution werden wollte, wurde Ostpreußen besonders betroffen. Zahlreiche Matrosen sammelten sich in den Ostseehäfen und versuchten von Libau aus ganz Kurland in die Hand zu bekommen, in der Absicht, sich mit der anrückenden russischen Nordwestarmee zu verbrüdern. In Kurland war ich Generalbevollmächtigter für die besetzten ehemals russischen Gebiete, zwar ohne Instruktionen im einzelnen, aber mit ausreichender Einsicht in meine Aufgaben. Wir konnten die Russen mit schwachen und z. T. unzuverlässigen Kräften nicht aufhalten. Wir mußten Soldaten und Geschütze aus dem Reich haben. Diese wurden zwar in Marsch gesetzt, aber in dem von einem Soldatenrat beherrschten Ostpreußen daran gehindert, ihr Ziel zu erreichen. Ich mußte nach Ostpreußen, um den ungehinderten Transport der für uns bestimmten Unterstützung zu sichern. Auf Antrag von B. wurden meine Vollmachten auf Ostpreußen ausgedehnt. So kam es zu meiner Zusammenarbeit mit ihm, die sich bestens bewährte. Am 3.3.1919 wurde die Herrschaft der Meuterer gebrochen, die öffentliche Ordnung und der gesetzmäßige Zustand wurden wieder hergestellt. Im Juni 1919 trat B. von seinem Amte zurück; auf seinen Vorschlag hin wurde ich sein Nachfolger. Er widmete sich nun wieder seinem Gutsbetriebe und vereinigte sich mit Professor Mitscherlich und anderen Landwirten zu einem Versuchsring, der bestimmte, wohl immer von B. stammende Neuerungen praktisch erprobte. Er begründete auch das Institut für ostdeutsche Wirtschaft, das er längere Zeit geleitet hat. 1927 übernahm er eine Honorarprofessur an der Universität und hielt Vorlesungen über Volkswirtschaft. Er war der letzte Oberpräsident gewesen, der mit diesem Amt zugleich das Kuratorium der Universität verwaltet hat. Seine großen Verdienste wurden durch die Aufstellung einer Büste in der Aula anerkannt. In seinen letzten Jahren zog er sich ganz nach dem zu Bledau gehörenden Wosegau zurück und experimentierte dort mit Silos und der Vergärung von Rübenzucker. Als Mitglied des Verwaltungsrates der Reichsbahngesellschaft machte er sich besonders um die Behebung der Verkehrsschwierigkeiten der durch den Korridor abgeschnittenen Provinz verdient. Er gehörte auch zahlreichen Aufsichtsräten an. B., ein rastloser Arbeiter, war ein Vorbild als Beamter und Landwirt und nicht weniger als Mensch und Christ. Bledau hatte er in ein Heim für bedürftige Kranke, das ihm gehörende große Hotel am Strande des Seebades Cranz als Säuglingsheim eingerichtet. Er war Monarchist, ein konservativer Grundherr, und doch beehrte er mich, seinen sozialdemokratischen Nachfolger mit seiner Freundschaft, die nie eine Trübung erfuhr.

  • Literatur

    Rhdb. I, 1930, S. 69 (P);
    Jb. d. Albertus-Univ., Bd. 1, B. gewidmet, 1951.

  • Autor/in

    August Winnig
  • Empfohlene Zitierweise

    Winnig, August, "Batocki-Friebe, Adolf von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 627-628 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116081422.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA