Lebensdaten
1819 bis 1897
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116078308 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaupert, Jakob Gustav
  • Kaupert, Gustav
  • Kaupert, Jakob Gustav

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Zitierweise

Kaupert, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116078308.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Wilhelm (1786–1863), Goldschmied u. Graveur (s. ThB), S d. Leinwandbleichers Hiob Christian in Kaufbeuren;
    M N. N.;
    B Werner (1815–83), Goldschmied in K. (s. ThB), Joh. August (s. 2);
    - N. N., T d. Kaspar Susenbeth (1821–73), Bildhauer, Tiermaler u. Lithograph in Frankfurt/M. (s. ThB); Schwäger Hermann Susenbeth (* 1857) Bildhauer, Karl Susenbeth (* 1860), Bildnis- u. Figurenmaler (beide s. ThB);
    S Werner, Ziseleur, Gold- u. Silberarbeiter in K., 1891-94 an d. Zeichenak. in Hanau, übernimmt 1897 d. Werkstatt s. Lehrers J. Heß in K. u. leitet sie bis 1905.

  • Leben

    Nachdem K. bei seinem Vater das Gravieren gelernt hatte und einige Zeit in dessen Geschäft als Stempelschneider tätig gewesen war, besuchte er die Akademie in Kassel und studierte bei den Bildhauern J. C. Ruhl und W. Henschel und den Malern Friedrich Wilhelm Müller, Karl Christian Aubel und Ludwig Grimm. Eine Festlegung auf das Bildhauerfach lag anfangs nicht in seiner Absicht. 1844 ging er nach München, wo er in Schwanthalers Atelier Beschäftigung fand (Modellierung eines Reliefs für das Mozartdenkmal in Salzburg). Für die Lösung einer Preisaufgabe, welche die Kasseler Akademie ausgeschrieben hatte (Darstellung einer Gruppe aus dem Sintflut-Thema), erhielt er ein Staatsstipendium für eine Reise nach Italien. Nach einem Umweg über München und erneuten Arbeiten in Schwanthalers Atelier kam K. 1845 nach Rom und blieb dort mit Ausnahme eines kurzen Aufenthalts in Kassel (1858) bis 1867 ansässig. Er wohnte mit dem Maler Heinrich Franz-Dreber und dem Bildhauer Heinrich Gerhardt zusammen. In den 60er Jahren gehörte er neben Böcklin, Marées und anderen deutschen Künstlern dem sogenannten „Tugendbund“, einem|privaten Bocciaclub, an. Im Rahmen eines Wettbewerbs gewann K. 1851 mit einer Gruppe des „Bethlehemitischen Kindermordes“ den Preis der Accademia di San Lucca. Mit dieser Arbeit erregte er die Aufmerksamkeit des amerikanischen Bildhauers Thomas Crawford, von dem er in den folgenden Jahren einige Aufträge erhielt und Teile der von Crawford entworfenen Denkmäler modellierte (am Reiterstandbild Washingtons vor dem Capitol in Washington D. C. sämtliche Figuren mit Ausnahme Washingtons; für das Capitol die Kolossalstatue der Freiheit und das Giebelfeldrelief).

    1867 folgte K. einem Ruf als Professor der Bildhauerkunst an das Staedelsche Kunst-Institut in Frankfurt, dem er bis 1892 angehörte. Danach übersiedelte er nach Kassel, Dort wurde nach seinem Tod ein heute nicht mehr existierendes Kaupert-Museum errichtet, das Entwürfe, Modelle und Arbeiten K.s enthielt.

    K.s klassizistische Auffassung hat die römisch-antike plastische Kunst zum Vorbild. Vereinzelt machte sich auch spätes Biedermeier in der Haartracht und in einzelnen Elementen der Gewänder bemerkbar. Selbst bei den Porträtbüsten verdrängt seine am Idealismus orientierte künstlerische Intention realistische Tendenzen. Nicht nur die Errichtung eines eigenen Museums gibt der Bedeutung Ausdruck, die dem plastischen Werk K.s im 19. Jahrhundert beigemessen wurde: Auf der Wiener Ausstellung 1873 erhielt er die Große Medaille, beim Wettbewerb für den sogenannten Werder-Schild in Hamburg 1872 den 1. Preis. Er zählte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den bekanntesten Bildhauern Hessens; Kunstzeitschriften berichteten in wechselnden Abständen über seine Tätigkeit. Allein sein regionaler Ruhm endete mit dem 19. Jahrhundert. K. weist nicht auf die plastische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts voraus und ragt im Bereich der Reliefplastik auch nicht aus der ans Kunstgewerbliche grenzenden Gebrauchskunst der Gründerzeit heraus. Dies ließ seinen an der Bildhauerkunst zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschulten und orientierten Stil rasch in Vergessenheit geraten.

  • Werke

    Weitere W, Frankfurt: Neben d. südl. Giebelgruppe f. d. Oper (3 sich umschlingende Grazien) 2 stehende Figuren (Rezitation u. Gesang) u. 2 Posaunenengel f. d. Halle, um 1880;
    Kolossalstandbild Kaiser Wilhelms I. f. d. Römer, 1891;
    4 allegor. Reliefs f. d. Neubau d. Börse, um 1890;
    10 allegor. Reliefs f. d. Neubau d. Staedelschen Inst., um 1880;
    Figuren d. Tages u. d. Nacht an d. Empfangshalle d. Hauptbahnhofs;
    Mutterliebe, 1855 (Marmor, Staedel);
    Börne- Denkmal (1877 enthüllt);
    Lessing-Denkmal, um 1880;
    Mädchen mit Blumen u. Krug (Staedel);
    Prometheus’ Befreiung durch Herkules, Perseus u. Andromeda, um 1870 (beide f. d. Palmengarten);
    - Kassel: Pfeiffersches Grabdenkmal, 1858 (Alter Friedhof);
    Hessendenkmal, 1874 (Auepark);
    Entwurf f. d. 2 allegor. Gruppen f. d. Regierungsgebäude.

  • Literatur

    ADB 51;
    Kunst f. Alle, Jg. 1, 1886, 3, 1887/88, 5, 1889, 7, 1891/92, 13, 1898;
    F. Noack, Dt. Leben in Rom 1700-1900, 1907;
    H. Weizsäcker u. A. Dessoff, Kunst u. Künstler in Frankfurt am Main, 21909;
    H. W. Singer, Allg. Künstler-Lex., 1889;
    ThB (W, L).

  • Portraits

    Bildnismedaillon v. H. Susenbeth (Frankfurt/M., Neuer Friedhof).

  • Autor/in

    Brigitte Lohkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohkamp, Brigitte, "Kaupert, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 370 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116078308.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kaupert: Jakob Gustav K., Bildhauer, in späteren Jahren Professor der Bildhauerkunst am Städel'schen Kunstinstitut in Frankfurt a. M. Geboren in Kassel am 4. April 1819, ebenda am 5. December 1897. Vorgebildet in Kassel durch den Unterricht der Bildhauer Ruhl und Henschel, kam K. 1844 in das Atelier Schwanthaler's, der ihn vorübergehend als Gehülfen beschäftigte. Ein Relief für das Mozart-Denkmal Schwanthaler's führte K. damals nach dem Entwurf des Meisters aus. Bald darauf war es ihm vergönnt, mit einem Preise der Kasseler Akademie die Reise nach Italien anzutreten, nicht ohne auf dem Wege dorthin nochmals für einige Zeit in Schwanthaler's Atelier auf dessen Wunsch verweilt zu haben. 1845 traf K. in Rom ein, wo er alsbald mit einigen Compositionen, darunter eine Gruppe „Faun und Bacchantin“, Glück machte. Durch die lähmende Wirkung, welche die Revolution des Jahres 1848 in Rom auf den Fremdenverkehr und damit auf den Kunstmarkt ausübte, sah sich K. mit zahlreichen Genossen einer unentbehrlichen Einnahmequelle beraubt und in bittre Noth versetzt, aus der ihn nur ein besonderer Glücksfall rettete. In einer Concurrenz, welche die Accademia di San Luca ausschrieb, wurde die von K. eingesandte Gruppe: „Scene aus dem bethlehemitischen Kindermord“ mit dem Preise ausgezeichnet und dadurch gleichzeitig die Aufmerksamkeit des in Rom lebenden mit Aufträgen aus seiner Heimath reichlich versehenen amerikanischen Bildhauers Crawford auf ihn gelenkt. Dieser engagirte K. als Mitarbeiter für ein in Washington zu errichtendes Nationaldenkmal, das den Begründer der Unabhängigkeit Nordamerikas, umgeben von anderen Führern der Union, zeigt. Die Figuren dieser letzten sind sämmtlich von K. ausgeführt worden, der außerdem eine 25 Fuß hohe Colossalstatue der Amerika für das Capitol in Washington und ein Giebelfeld für den Bundespalast daselbst schuf. Nebenbei knüpften sich Beziehungen zu seiner deutschen Heimath an. Eine Frankfurter Dame, Frau Grunelius geb. Fecht, bestellte eine Marmorgruppe „Mutterliebe“, die inzwischen Eigenthum des Städel'schen Instituts geworden ist. Dieselbe Sammlung bewahrt als ein weiteres Vermächtniß aus Frankfurter Privatbesitz die Freifigur eines Blumen tragenden Kindes von Kaupert's Hand, von dessen Thätigkeit dort außerdem verschiedene Gipsabgüsse nach Skizzen und Modellen Zeugniß ablegen. Ein an dem Studium antiker Werke geschulter Blick für Einfalt und Größe der statuarischen Wirkung, verbunden mit einem feinen und lebendigen Natursinn, kennzeichnet Kaupert's Werke und insbesondere seine vortrefflich behandelten Marmorarbeiten.

    Im J. 1867 wurde K. als Nachfolger von Joh. Nepomuk Zwerger mit der Professur für Bildhauerkunst an der Kunstschule des Städel'schen Instituts|betraut und blieb in dieser Stellung thätig bis 1892, in welchem Jahre er in den Ruhestand trat. In dieser späteren Zeit seines Wirkens entstanden neben verschiedenen Grabmonumenten für Kassel, Frankfurt und für amerikanische Besteller, an öffentlichen Denkmälern in Frankfurt die Büsten Börne's und Lessing's. Ferner gelangten Werke des Künstlers in Privatbesitz in Frankfurt, Homburg (Villa Meister) und Leipzig. Auch war K. betheiligt an der plastischen Ausschmückung von einigen der wichtigsten Frankfurter Monumentalbauten neuerer Zeit, der Börse, des Opernhauses und des Städel'schen Galleriegebäudes. Zu seinen letzten Arbeiten gehörte die Marmorstatue Kaiser Wilhelm's I. für den Römersaal.

    • Literatur

      Berichte über das Städel'sche Kunstinstitut, durch die Administration veröffentlicht 1867, 1879, 1893. — Kaulen, Freud' und Leid' im Leben deutscher Künstler, 1878. —
      Frankfurter Zeitung 1897, Nr. 338. — Die Kunst für Alle, XII. Jahrgang (1898), S. 127.

  • Autor/in

    H. Weizsäcker.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weizsäcker, Heinrich, "Kaupert, Gustav" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 88-89 unter Kaupert, Jakob Gustav [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116078308.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA