Lebensdaten
1865 bis 1945
Geburtsort
Kowatsch (Kovač) bei Irtschin (Jičin, Böhmen)
Sterbeort
(Luftangriff) Wien
Beruf/Funktion
Archäologe ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11605882X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Patsch, Carl Ludwig
  • Patsch, Carl
  • Patsch, Carl Ludwig
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Zitierweise

Patsch, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11605882X.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Ursprüngl. aus Tirol stammende Fam.;
    V Ludwig (1832-v. 1941), aus Komerau (Komárov, Böhmen),|seit 1870 Distriktsverw. d. poln. Fürsten Lubartowicz-Sanguszko, übersiedelte n. Maratschowska (Wolhynien), fürstl. Güteroberdir., seit 1874 in Slawuta;
    M Antonia Typlt (1843-v. 1941);
    Samobor (Kroatien) 1894 Zora (1877–1969), T d. Michael Jakopec (Jakobec) u. d. Theresia N. N., beide aus Samobor;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    P. besuchte die deutsch-russ. Volksschule in Slawuta, anschließend das Piaristengymnasium in Prag. Seit 1885 studierte er Geschichte und Geographie an der Univ. Prag, wo er 1889 bei Julius Jung über „Strabos Quellen zur Geschichte seiner Zeit“ promoviert wurde. Vermittelt durch den Archäologen Wilhelm Klein, kam P. zu Eugen Bormann und Otto Benndorf an das Wiener archäologisch-epigraphische Seminar, dem er 1889/90 als Stipendiat und 1890-92 als Assistent angehörte. Nach Studienreisen in Istrien und Bosnien und seiner Lehramtsprüfung in Innsbruck trat P. 1893 ein Reisestipendium nach Italien an. Im selben Jahr erhielt er eine Anstellung als Gymnasiallehrer in Sarajewo mit der Verpflichtung, sich der röm. Altertümer in Bosnien anzunehmen. 1898 vom Schuldienst beurlaubt und als wirklicher Kustos ins bosnisch-herzegowin. Landesmuseum übernommen, rettete er im Zuge einer regen Grabungstätigkeit zahlreiche bedeutende Denkmäler wie das Bindus-Heiligtum an der Privilicaquelle bei Bihać (1895) oder das Mithräum von Konjica (1897), vor allem aber die Ruinen von Mogorjelo (1899–1914), deren Konservierung durch P. für die damaligen Verhältnisse vorbildhaft war. 1900 nahm er als offizieller Vertreter Bosniens an der Pariser Weltausstellung teil und war 1902 Mitglied der archäologischen Expedition im Rahmen des Projektes der „Tituli Asiae Minoris“. P. begründete 1904 das „Bosnisch-herzegowin. Institut für Balkanforschung“ in Sarajewo und baute es als Direktor (1904–18) durch eine umfangreiche Bibliothek sowie Sammlungen von Handschriften, Archivalien, Photographien und wertvollen Karten zu einem Zentrum der wissenschaftlichen Forschung aus. Rufe an die Deutsche Universität in Prag 1910 und 1917 nahm P. nicht an. Infolge des 1. Weltkriegs mußte P. 1919 nach Wien zurückkehren, wo er 1920 an der Hochschule für Welthandel einen Lehrauftrag für Länder- und Völkerkunde, politische Geschichte, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte von Südosteuropa erhielt. 1921 wurde er an der Univ. Wien als Nachfolger von Konstantin Jireček zum Ordinarius für slaw. Geschichte und Altertumskunde mit besonderer Berücksichtigung der Balkanländer ernannt (1926/27 Dekan; 1934 emeritiert). 1922 entsprach P. einem Ersuchen der alban. Regierung zur Einrichtung eines Nationalmuseums in Tirana und zur Organisation einer planmäßigen „Landesdurchforschung“ Albaniens.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1924, wirkl. 1928), d. Dt. Archäol. Inst. (korr. 1897, wirk. 1902) u. d. Österr. Archäol. Inst. (korr. 1899, wirkl. 1905); Obmann d. antiquar. Abt. d. Balkankomm. (1936–10).

  • Werke

    Archäol.-epigraph. Unterss. z. Gesch. d. röm. Prov. Dalmatien, 8 T., in: Wiss. Mitt. aus Bosnien u. d. Hercegovina 4-12, 1896-1912;
    Die Lika in röm. Zeit, in: Schrr. d. Balkankomm., antiquar. Abt. 1, 1900;
    Das Sandschak Berat in Albanien, ebd. 3, 1904;
    Zur Gesch. u. Topogr. v. Narona, ebd. 5, 1907;
    Hist. Wanderungen im Karst u. an d. Adria I, 1922;
    Btrr. z. Völkerkde. v. Südosteuropa, 6 T., T. 1-2 in: Anz. d. Österr. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl., 1925, S. 69-77, 181-216, T. 3-6 in: SB d. Österr. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl., 208/2, 1928, 209/5, 1929, 214/1, 1932, 215/3, 1933, 217/1, 1937;
    Aus d. alban. Nat.mus., in: Jahreshh. d. Österr. Archäol. Inst. 23, 1926, Beibl. Sp. 209-30;
    Das Bosnisch-herzegowin. Inst. f. Balkanforsch, in Sarajewo u. d. Inst. f. Balkankde. in Wien, in: Leipziger Vj.schr. f. Südosteuropa 3, 1939, S. 248 ff;
    weitere Art. in:
    Pauly-Wissowa, Realenz.;
    Archäol.-epigraph. Mitt. aus Österr.-Ungarn;
    Wiss. Mitt. aus Bosnien u. d. Hercegovina, Jahreshh. d. Österr. Archäol. Inst.

  • Literatur

    E. Gerland, Das Bosnisch-Hercegovin. Inst. f. Balkanforsch, in Sarajevo, in: DLZ 1915, S. 429 ff.;
    R. Egger, in: FF 16, 1940, S. 295 f.;
    ders., in: Alm. d. Wiener Ak. d. Wiss. 1945, 1947, S. 163 ff. (W-Verz., P);
    G. Stadtmüller, in: Wort u. Wahrheit 3, 1948, S. 369 ff.;
    A. Hajek, in: Südost-Forsch. 12, 1953, S. 263 ff.;
    ders., Die Wiener Balkanforsch, u. ihre Hauptvertreter Josef Konstantin Jireček u. C. R., in: Österr. Osthh. 6, 1964, S. 168-76;
    B. Sana, in: Südostdt. Heimatbll. 2, 1953, Nr. 2, S. 42 f.;
    G. Berka, 100 J. Dt. Burschenschaft in Österr., 1959, S. 73 f.;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    H. Partisch, Österreicher aus sudetendt. Stamme. III, 1966;
    J. Filip, Encyclopäd. Hdb. z. Ur- u. Frühgesch. Europas, II, 1969;
    OBL;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Hist. Lex. Wien;
    |

  • Quellen

    Qu Univ.archiv Wien; Österr. StA, Allg. Verw.archiv; Österr. Nat.bibl., Autographenslg.; Wiener Stadt- u. Landesarchiv.

  • Portraits

    Phot. v. T. Bauer, 1927 (Österr. Nat.bibl., Bildarchiv).

  • Autor/in

    Hubert Daniel Szemethy
  • Empfohlene Zitierweise

    Szemethy, Hubert Daniel, "Patsch, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 101 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11605882X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA