Lebensdaten
1866 bis 1937
Geburtsort
Langenscheid/Lahn (Hessen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bibelphilologe ; Mitarbeiter der Ökumenischen Bewegung
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116056045 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Deißmann, Gustav Adolf
  • Deissmann, Adolf
  • Deißmann, Gustav Adolf
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Zitierweise

Deissmann, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116056045.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1832–1900), Pfarrer in Langenscheid, S des Karl (1804–75), Pfarrer in Holzhausen an der Haide, aus altem Bauerngeschlecht in Löhnberg/Lahn, u. der Marie Schreiner;
    M Emilie (1833–1906), T des Wilh. Rullmann (1801–65), nassauischer JR u. Amtmann zu St. Goarshausen (S des Phil. Christoph, 1768–1828, nassauischer Geh. Kriegsrat);
    Marburg 1895 Henriette (1873–1955), T des Schiffsreeders u. Kaufm. Th. Aug. Behn u. der Henr. Wendt in Hamburg; 3 Söhne, 2 T, u. a. Ernst (* 1899), Wirtschaftsjurist, 1946 Chef der Abt. für wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Bizone.

  • Leben

    D. wuchs auf in einem großen Geschwisterkreis, stark beeinflußt von der innerlichen Frömmigkeit der Mutter. Er studierte Theologie in Tübingen (Em. Kautzsch, M. Reischle) und in Berlin; nach 1 Jahr Predigerseminar in Herborn (Eug. Sachsse) und weiterer Ausbildung in Marburg (G. Heinrici) habilitierte er sich mit einer Arbeit über die neutestamentliche Formel „in Christo Jesu“ (1892). Der Sinn für das mystische Element im Urchristentum, für die „Christusmystik“, blieb für die ganze weitere theologische Arbeit D.s am NT kennzeichnend. Dazu trat bald, geweckt und genährt durch das Septuaginta-Studium zusammen mit den damals als eine neue Welt in den Gesichtskreis der Forschung tretenden Papyrustexten, der Sinn für den unliterarisch-volkstümlichen Charakter der neutestamentlichen Texte („Bibelstudien“ 1895 und 1897), dessen Beobachtung und Darstellung die ganze weitere bibelphilologische Arbeit D.s, immer verbunden mit dem Blick für das Mystische, bestimmte. So war es schon während seiner Lehrtätigkeit am Predigerseminar in Herborn (1895–1897), dann als Professor in Heidelberg und seit 1908 als Nachfolger von B. Weiß, von diesem selbst gewünscht, in Berlin. Sein Lehrerfolg war groß. - Ausgedehnte Reisen durch die Länder des Vorderen Orients bedeuteten für D.s Bemühungen, die biblischen Schriften und besonders den Apostel Paulus aus dem Leben ihrer geschichtlichen Umwelt heraus zu verstehen, naturgemäß eine unschätzbare Förderung. 1908 konnte D. den Ertrag seiner Forschungsarbeit in|seinem glänzend geschriebenen Werk „Licht vom Osten“ (41923, englisch 31927), ebenso gelehrt wie fesselnd, zusammenfassen, das einen durchschlagenden Erfolg in Deutschland, England, Amerika und der skandinavischen Welt erzielte und D. in die vorderste Reihe der Männer der Bibelwissenschaft rückte. Dem trat einige Jahre später ein Paulusbuch (1911, 21925, schwedisch 21918, englisch 21925) an die Seite. - Die eigentlich wissenschaftlich-produktive Zeit D.s ging mit dem 1. Weltkrieg zu Ende. Zwar hat er zum Beispiel noch 1926-28 an den Ausgrabungen des Österreichischen Archäologischen Instituts in Ephesus teilgenommen. Aber während des Krieges und vollends nachher fühlte er sich zu neuen Aufgaben berufen. Jahre hindurch (1914-21) warb er in seinen an einen großen Bekanntenkreis in aller Welt verschickten und besonders in USA auch englisch verbreiteten „Evangelischen Wochenbriefen“ um besseres Verständnis und um Wahrheitserkenntnis für Deutschland und versuchte eine Weltfront des christlichen Gewissens zu mobilisieren. Er gewann das Vertrauen weitester kirchlicher Kreise in Deutschland und der Welt. Man delegierte ihn in die Preußische Generalsynode, sandte ihn auf die deutschen evangelischen Kirchentage in Dresden 1919 und Stuttgart 1921, zu den Weltkirchenkonferenzen nach Stockholm und Lausanne (1925 und 1927), seit 1929 war er Mitglied des ökumenischen Rates für Praktisches Christentum. Wo er im Dienste der „Freundschaftsarbeit der Kirchen“, der Verständigung, der Annäherung etwas tun konnte, versagte er sich nicht. Diese Arbeit nahm während der letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens mehr und mehr seine ganze Kraft in Anspruch. - Reiche Ehren von allen Seiten wurden ihm zuteil. 1930/31 war er Rektor der Universität Berlin. Man holte ihn zu Vortragsreisen nach England, Schweden und USA. Nicht weniger als vier englische Universitäten schmückten ihn mit dem Doctor of Divinity, ebenso Uppsala, und nach seinem Tode die Universität Athen. Nach Ad. von Harnack besaß kein deutscher Theologe ein so weltweites Ansehen wie D.

  • Werke

    Weiteres W Religionswiss. d. Gegenw. in Selbstdarst. I, 1, 1925, S. 43-78 (W, P).

  • Literatur

    Zum 70. Geburtstag: M. Dibelius, W. Michaelis, Joh. Schneider, in: Dt. Pfarrerbl. 1936, S. 781 ff.;
    Nachrufe: u. a. Pfr. Grosche (kath.) u. Pfr. Urbach (ev.), in: Köln. Volksztg. v. 11.4.1937;
    Fr. Siegmund-Schulze, in: Christl. Welt v. 17.4.1937;
    H. Lietzmann, Rede bei d. Gedenkfeier d. Berliner Theol. Fak., in: Zs. f. d. Neutestamentl. Wiss. 35, S. 299-306;
    RGG (W);
    Rhdb. (W, P);
    Kürschner, 1931 (W);
    Wi. X, 1935 (W).

  • Portraits

    in Festgabe z. 60. Geb.tag, hrsg. v. K. L. Schmidt, 1926.

  • Autor/in

    Hermann Strathmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Strathmann, Hermann, "Deissmann, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 571-572 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116056045.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA