• Leben

    B. ging aus der Hegelschen Schule hervor. Er widmete sich in Berlin und danach in Paris zunächst vornehmlich ästhetischen Studien. Als Hegelianer schrieb er sein Jugendwerk „Phänomenologie des Kunstprozesses“, das er auf Veranlassung Heines, der in der ersten Pariser Zeit neben A. Ruge den stärksten Einfluß auf ihn ausübte, selbst vernichtete. Hebbel lernte er 1843 bei dessen Pariser Besuch kennen und schloß sich ihm eng an. Durch den Umgang mit B. empfing Hebbel vielfache philosophische Anregung, die ihren Niederschlag in dem Vorwort zur „Maria Magdalena“ fand. Als geschulter Dialektiker war er Hebbel überlegen, doch ist er bei der historischen Auffassung des Tragischen stehen geblieben und der entscheidenden Verabsolutierung Hebbels nicht gefolgt. Die Revolution von 1848 weckte B.s politisches Interesse. 1851 wurde er Konsul Preußens, 1867 des Norddeutschen Bundes in Frankreich. Seine Tätigkeit ging bedeutend über reine Konsulargeschäfte hinaus. B. hat sich - sehr zum Mißvergnügen des Botschafters Graf Goltz - gelegentlich unmittelbar in die diplomatischen Verhandlungen eingeschaltet, mit französischen Ministern verhandelt und Bismarck schriftlich und mündlich Bericht erstattet. Offenbar hat dieser B. als eine Art Kontrollinstanz gegenüber Goltz angesehen, der seine Politik bekämpfte. 1870/71 war B. Leiter der Presseangelegenheiten im deutschen Hauptquartier, sodann politischer Ratgeber E. von Manteuffels. 1874-88 stand er in Messina und Genua im Konsulardienst des Deutschen Reiches. Er war auch ein ausgezeichneter Kenner des Orients. Seine „Geschichte der orientalischen Angelegenheit im Zeitraum des Pariser und des Berliner Friedens“ (1888-92 in: Onckens Allgemeiner Geschichte IV/5) galt seinerzeit als Standardwerk.

  • Werke

    u. a. Üb. d. Einfluß d. Weltzustände auf d. Richtungen d. Kunst u. üb. d. Werke F. Hebbels, 1846;
    Maria Magdalena, ein bürgerl. Trauerspiel v. F. Hebbel, Eine Würdigung d. Tragödie, in: Jbb. f. dramat. Kunst u. Lit., hrsg. v. H. Th. Rötscher, 1, 1848, S. 135-50, Neudr. in: Hebbel in d. zeitgenöss. Kritik, hrsg. v. H. Wütschke, 1910, = Dt. Lit.denkmale 143, S. 156-80;
    Üb. d. dramat. Lit. d. Franzosen, in: Rötschers Jbb. 1, 1848, S. 41-51;

    Pariser Dramaturgie, ca. 1848–50;
    Gesch. d. Februarrevolution u. d. ersten Jahres d. französ. Republik v. 1848, 1849;
    Türk. Rede, 1857;

    F. Hebbels Tagebücher, Mit einem Vorwort hrsg., 2 Bde., 1885/86;

    F. Hebbels Briefwechsel mit Freunden u. berühmten Zeitgenossen, hrsg. unter Mitarbeit v. F. Lemmermayer, 2 Bde., 1890-92 (P); wesentl. Teile v. B.s Nachlaß übernahm F. Lemmermayer (vgl. Vorwort zu: Neue Hebbel-Dokumente, 1913).

  • Literatur

    Berliner Tagebl., 1893, Nr. 88;
    Allg. Ztg., 1893, Nr. 40 (Beil.);
    E. Kuh, Biogr. F. Hebbels II, Wien 1877;
    L. Brun, Hebbel, 1922, S. 90 ff. u. ö.;
    W. Schnyder, Hebbel u. Rötscher, = Hebbel-F 10, 1923 (üb. B.s Hegelianismus);
    O. Gf. Stolberg-Wernigerode, R. H. Gf. v. d. Goltz, 1941, S. 127 u. ö.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Bamberg, Felix" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 571 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116047127.html#ndbcontent

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