Lebensdaten
1894 bis 1955
Geburtsort
Bredenfelde (Mecklenburg)
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116015535 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pagel, Paul

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Zitierweise

Pagel, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116015535.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Gastwirt in B.;
    M Wilhelmine Ganschow;
    1) 1919 Ilse Wiener ( 1952), 2) 1953 Marga Tödt;
    1 S Hans Joachim (später John Powell, 1996), brit. Offz., 1 T aus 1) Hanna ( N. N. Berent, in London).

  • Leben

    P. studierte nach dem Abitur am Gymnasium in Neustrelitz Staatswissenschaft und Landwirtschaft in Greifswald, nahm als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil und wurde in Berlin zum Dr. agr. und Dr. rer. pol. promoviert. 1920-28 war er Kreisrat in Strelitz, danach leitete er als Direktor den Aufbau des Arbeitsamtes in Greifswald. Er war Mitglied der DDP und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.4.1933 wurde R, der mit einer „Nichtarierin“ verheiratet war, entlassen; er übersiedelte nach Berlin und war zeitweise als landwirtschaftlicher Sachverständiger, als Verwalter schwed. Grundbesitzes, als Lektor bei I.G.-Farben und für die japan. Botschaft tätig. Da eine Auswanderung nach den USA nicht gelang, brachte er zunächst seine beiden Kinder, später auch seine Frau nach England in Sicherheit. Bereits 1934 schloß sich P. der Widerstandsgruppe um die ehem. DDP-Politiker Hans Robinsohn (1897–1981) und Ernst Strassmann (1897–1958) an, mit denen er 1939 nach England reiste, um brit. Regierungsvertreter über die Ziele des deutschen Widerstands zu informieren. Zu dieser Zeit traf er sich auch mit Oberkirchenrat Eugen Gerstenmaier (1906–86) und dem kath. Berliner Rechtsanwalt Josef Wirmer (1901–44), der dem Kreis um Goerdeler angehörte.

    Im April 1945 flüchtete P. aus Berlin nach Schleswig-Holstein, wo er als Bürgermeister von Kükels und als Landrat bzw. Kreispräsident in Segeberg eingesetzt wurde (1946-50). Er unterstützte den Aufbau der CDU, wurde Mitglied des ernannten Landtages und leitete 1947 einige Monate das Ministerium für Wohlfahrt. Im Kreis Segeberg bemühte sich P. erfolgreich um die Überwindung der Notsituation durch Industrieansiedlung und Wohnraumbeschaffung. Der Ausbau des Tuberkuloseforschungsinstituts in Borstel ist vorrangig ihm zu verdanken. 1950 wurde P., als CDU-Fraktionsvorsitzender einer der prominentesten Landespolitiker, vom Wahlblock (CDU, FDP, DP) als Ministerpräsident nominiert, scheiterte aber an der Ablehnung des Koalitionspartners BHE, die hauptsächlich auf Ressentiments gegenüber dem Mecklenburger und Nazi-Gegner, dessen Sohn als brit. Offizier nach Deutschland kam, beruhte. 1950 wurde P. im Kabinett Bartram zum Minister für Inneres sowie Volksbildung und Kultus berufen. Unter seiner Amtsführung wurden u. a. ein Polizeigesetz, die Beamtenbesoldung und die Verwaltungsreform verabschiedet. Gemäß dem im März 1951 auf Druck des BHE beschlossenen Gesetz zur Beendigung der Entnazifizierung wurden die Akten über NS-belastete Personen im Innenministerium unter Verschluß genommen. Als|Kultusminister hatte er vor allem die Schulraumnot und den Lehrermangel zu überwinden. Die von der SPD eingeführte sechsjährige Grundschule wurde 1950 von ihm zugunsten der vierjährigen abgeschafft, ebenso – vorübergehend – die Schulgeldfreiheit. Im Oktober 1954 gab P., der als Kultusminister auch aus den eigenen Reihen kritisiert wurde, dieses Ressort ab, blieb aber Innenminister.

  • Werke

    Die Konkurrenzfähigkeit d. landwirtsch. Groß- u. Kleinbetriebes, 1919;
    Kommentar z. d. wichtigsten Verw.gesetzen f. d. Landgemeinden in Mecklenburg-Strelitz, 1926;
    Kommentar z. dt. Gde.ordnung, 1948.

  • Literatur

    Hdb. d. LT Schleswig-Holstein;
    Das Haus an d. Förde 1947 bis 1972, 1972;
    Der Schleswig-Holstein. LT, 1985;
    H. R. Sassin, Liberale im Widerstand, 1993;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv f. Christl. Dem. Pol., St. Augustin.

  • Autor/in

    Brigitte Kaff
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaff, Brigitte, "Pagel, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 760 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116015535.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA