Lebensdaten
1842 bis 1918
Geburtsort
Neuruppin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bankier ; Politiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116013710 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaempf, Johannes
  • Kaempf, Johann
  • Kaempff, Johannes

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Zitierweise

Kaempf, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116013710.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Heinrich (1810–88), Dr. phil., Oberlehrer (Altphilol.) in N., 1848 Mitgl. d. preuß. Nat.verslg., 1862-80 Gymnasialdir. in Landsberg/Warthe, S d. Ernst Traugott, Kaufm. u. Handelsherr in Arnstadt;
    M Sophia, T d. Bgm. Carl Gottlieb Berends;
    Om Julius Berends (* 1816), Buchdruckereibes., Mitgl. d. preuß. Nat.verslg. 1848;
    - Berlin 1867 Margarete (* 1848), T d. Schriftstellers u. Redakteurs Julius Schweitzer (1820-n. 92) in B. u. d. Laura Bertha Teuber; Vt d. Ehefrau Emin Pascha ( 1892), Afrikaforscher (s. NDB IV);
    K.

  • Leben

    Nach einer kaufmännischen Lehre in einem Tuch-Engrosgeschäft in Brandenburg/Havel setzte K. seine Ausbildung als Handlungsgehilfe bei einer kleinen Berliner Bank fort, um dann in einem größeren Geldinstitut u. a. als Prokurist tätig zu sein. 1867 war er bereits in Berliner Bankkreisen derart angesehen, daß er auf Empfehlung und Vermittlung des Präsidenten der Preuß. Bank Hermann F. A. Dechend als Direktor und persönlich haftender Gesellschafter in Halle a. d. Saale das Bankhaus „Hallescher Bankverein Kulisch, Kaempf & Co.“ gründen und zu großem geschäftlichem Erfolg führen konnte. Schon 1871 kehrte K. nach Berlin zurück, wo er als Direktor der Berliner Niederlassung der „Bank für Handel und Industrie“ (Darmstädter Bank) zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Richard Michelet und Jacob Riesser das Berliner Bankleben entscheidend prägte. Eine schwere Augenkrankheit zwang K. 1899 zur Aufgabe des Direktionspostens. Von seinen zahlreichen Vorstands- und Aufsichtsratsfunktionen seien genannt: Vorsitz im Börsenvorstand (1888–1902), im Gesamtbörsenvorstand (bis 1918), stellvertretender Deputierter im Zentralausschuß der Reichsbank (seit 1901), stellvertretender Präsident der Berliner Hypothekenbank (seit 1907), stellvertretender Vorsitzender (seit 1901) und Präsident (seit 1905) des Deutschen Handelstages. Auf dem Höhepunkt seiner kaufmännischen und politischen Laufbahn verfügte der 70jährige über ein Vermögen von 5,1 Millionen Mark bei einem jährlichen Einkommen von 30 000 Mark. – Hervorhebung verdient seine Tätigkeit in der Korporation der Kaufmannschaft von Berlin, in die er 1878 eintrat, in der er 1882 Mitglied des Ältesten-Kollegiums, 1889 zweiter, 1895 erster Vizepräsident wurde und 1903-18 Präsident war. Mit Erfolg hat sich K. zusammen mit den Vizepräsidenten Max Weigert und Edmund Helfft gegen die beabsichtigte Umwandlung der Korporation in eine Handelskammer gewehrt. Dieses Dreiergremium wußte sich gegen die 1902 gegründete Handelskammer zu Berlin so gut zu behaupten, daß erst kurz vor K.s Tode erneut die Verhandlungen um die dann am 1.7.1920 vollzogene Zusammenlegung von Korporation und Handelskammer begannen. In diese eigenständige Phase der Korporation fallen die Errichtung einer Handelshochschule in Berlin (1906) mit einer „Kaempf-Maas-Stiftung“ (1909) für Studienreisen, der Erweiterungsbau „Haus Johannes Kaempf“ des Asylhauses für hilfsbedürftige Kaufleute und die Herausgabe des „Berliner Jahrbuchs für Handel und Industrie“.

    K. war nicht nur im Bankleben erfolgreich, sondern als Reichstagsabgeordneter und Mitbegründer des Hansabundes (1909) auch politisch aktiv und einflußreich. 1886-99 war er Mitglied des Magistrats der Stadt Berlin (seit 1890 Stadtrat, seit 1901 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und Stadtältester). Zu den Reichstagswahlen seit 1903 wurde er als Kandidat der Freisinnigen Volkspartei nominiert und konnte den Wahlkreis 1 (Innenstadt) der Stadt Berlin in den Stichwahlen gegen den Sozialdemokraten Dr. Arons gewinnen. Als Fraktionsvorsitzender der Freisinnigen Volkspartei sowie 1907-09 als 2. Vizepräsident und seit 1912 als Präsident des Deutschen Reichstages zeigte K. in zahlreichen Reden und Anträgen ein breites wirtschafts-, vor allem handels- und finanzpolitisches, aber auch kommunal- und sozialpolitisches Wissen und freisinniges Engagement.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c.; WGR (1914).

  • Werke

    Reden u. Aufsätze v. J. K., hrsg. von den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin, 1912 (z. größten T. ohne genaue Qu.verweise, P);
    Dt. Zahlungswesen unter Berücksichtigung d. Überweisungs- u. Scheckverkehrs, in: Gewerbl. Einzelvorträge, 2. R., 1908, S. 76-89;
    bezügl. d. Reden K.s im Reichstag s. Registerbde. z. d. Stenograph. Berr. über d. Verhh. d. Reichstages, 11. -
    13. (1903-18), 1905-19;
    Bibliogr. d. dt. Zs.lit. mit Einschluß v. Sammelwerken, hrsg. v. F. Dietrich, 1-43, 1896/97, Jan.-Juni 1918, Nachdr. 1962 dazu Erg.bde. 1-17 f. d. Zeit vor 1896.

  • Literatur

    F. Specht u. P. Schwabe, Die Reichstagswahlen v. 1867 bis 1907, 21908;
    R. Martin, Jb. d. Vermögens u. Einkommens d. Millionäre in Berlin, 1913;
    M. Apt, J. K., Gedenkrede, 1918, wieder in: ders., 25 J. im Dienste d. Berliner Kaufmannschaft, 1927 (P);
    Die Korporation d. Kaufmannschaft v. Berlin, Festschr. z. 100j. Jubiläum am 2.3.1920, 1920 (P);
    Th. Nipperdey, Die Organisation d. dt. Parteien vor 1918, 1961;
    E. Achterberg, Berliner Hochfinanz, 1965;
    H. Jaeger, Unternehmer in d. dt. Pol. (1890–1918), 1967;
    D. Stegmann, Die Erben Bismarcks, 1970;
    DBJ II;
    Kürschners Dt. Reichstag, Biograph.-statist. Hdb. 1903–08, 1907-12, 1912-17 (P);
    W. Kosch, Biograph. Staatshdb., 71960;
    MdR, Biograph. Hdb. d. dt. Reichstage, 1965 (P).

  • Autor/in

    Wolfgang Wölk
  • Empfohlene Zitierweise

    Wölk, Wolfgang, "Kaempf, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 728 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116013710.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA