Lebensdaten
1781 bis 1848
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Koblenz
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 116003146 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lassaulx, Johann Claudius von
  • Lasaulx, Johann Claudius von
  • Lassaulx, Johann Claudius von

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Zitierweise

Lasaulx, Johann Claudius von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116003146.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter Ernst (1757–1809), Schöffe, Syndikus in K., dann nassau. Vogt in Ehrenbreitstein, S d. Joh. Claudius (s. Gen. 1);
    M Anna Barbara (1756–99), T d. Hermann Welter, Assessor am Schöffengericht in K., u. d. Anna Cornelia Aach;
    Vt Franz (s. 1);
    - 1804 Anna Maria Müller (1780–1855) aus Würzburg;
    5 S (2 früh †), 4 T (1 früh †), u. a. Ernst (s. 3), Otto Philipp (1806–97), Stadtbaumeister in Elberfeld, Hermann Joseph (1808–68), Architekt in K., Amalie (Ordensname Augustine, 1815–72), Oberin d. barmherzigen Schwestern im St. Johannisspital in Bonn (s. ADB 17).

  • Leben

    L. besuchte das Gymnasium in Koblenz, war befreundet mit Joseph Görres und stand republikanischen, franzosenfreundlichen Kreisen nahe. Seit 1789 studierte er Jura, dann Medizin in Würzburg. In Koblenz betrieb er eine Essigsiederei und arbeitete in mehreren mechanischen Werkstätten. Zusammen mit seinem Vetter Franz war er im Vorstand der das geistige Leben von Koblenz bestimmenden Kasinogesellschaft. 1812 wurde ihm das neu geschaffene Amt eines Kreisbaumeisters innerhalb der franz. Bauverwaltung übertragen. Nach der Übernahme der Rheinlande durch Preußen blieb L. in der Bauverwaltung tätig und wurde 1817 zum Bauinspektor bei der Koblenzer Regierung ernannt. Bis 1831 bearbeitete er den Stadt|und Landkreis Koblenz, danach die Landkreise St. Goar, Simmern, Kreuznach.

    L.s Hauptwerke sind Kirchen- und Schulbauten. Seine Kirchen sind entweder Säle oder Hallen mit halbrundem oder polygonalem Abschluß, die durch große Fenster stark durchlichtet sind. Eingezogene Chorräume (Valwig, Treis, Kobern, Volkesfeld) erhalten eine eigene, beinahe „barock“ wirkende Belichtung. Für die Raumdecken fand er auch konstruktiv eigenartige Lösungen, die, oft ohne Rippen, an Sterngewölbe erinnern. Er liebte einen geschlossenen Baukörper und suchte Sakristeianbauten zu vermeiden. Die Wände sind sorgsam gegliedert durch Blendbogen, die die hochrechteckigen, halbrund geschlossenen oder runden Fenster umgeben, bisweilen auch mit Rundbogenfriesen. Die Mauerung in heimischem Bruchstein ist stets sehr sorgsam und mit Verzierungen durch farbige Steinschichten (Nickenich), Radfenster, Würfelfriese (Güls), Kleeblattfriese (Treis) u. a. bereichert. – Seine immer zweigeschossigen Schulbauten mit Sattel- oder Walmdach haben einen mittleren Eingang und Flur mit Treppenhaus und hohe rundbogige Fenster. Meist sind auch diese Bauten aus Werkstein oder Bruchstein errichtet. L.s denkmalpflegerische Bemühungen, die in seiner Generation als neue Bauaufgabe gefördert wurden, galten u. a. den Burgen Stolzenfels und Rheineck, der Kirche von Lonnig, sowie der Versetzung der Deutschordenskapelle Ramersdorf b. Bonn.

    L.s Werk ist von großer Einheitlichkeit und Selbständigkeit. Vor allem im Kirchenbau fand er höchst eigenartige Lösungen, bei denen er schwierige technische Probleme ästhetisch einwandfrei meisterte. Er benutzte historisierende Formen, zumal im Dekor, aber seine Architektur steht nicht im Rahmen des Historismus, sondern stellt sachliche Lösungen im Zeitalter der Romantik dar.

  • Werke

    Kirchen: Koblenz-Horchheim, 1819/20;
    Valwig, 1823-26;
    Treis, 1823-30;
    Kapellen-Stolzenfels, 1826-30;
    Kobern, 1827-29;
    Güls, 1833-40;
    Waldesch, 1834-36;
    Boos, 1836-39;
    Weißenturm, 1837 38;
    Vallendar, 1837-41;
    Volkesfeld, 1841;
    Ernst, 1845-48;
    Nickenich, 1846-48. -
    Schulen: Bell, vor 1826;
    Dieblich, 1828 ff.;
    Kapellen-Stolzenfels;
    Nickenich;
    Ochtendung, vor 1834;
    Treis;
    Winningen, um 1834;
    Koblenz, Mädchenschule, um 1835. -
    Privatbauten: Turm zum Gedenken an d. Befreiungskriege am Schloß d. Frhrn. vom Stein in Nassau, 1818.

  • Literatur

    ADB 17;
    H. Feldbusch, J. C. v. L., Diss. Köln 1939 (ungedr.);
    W. Weyres u. A. Mann, Hdb. z. rhein. Baukunst d. 19. Jh., 1968;
    K. F. Schinkel, Lebenswerk: E. Brües, Die Rheinlande, 1968;
    F. Schwieger, J. C. v. L., 1968 (L);
    W. Weyres, J. C. v. L. (1781-1848), in: Rhein. Lb. IV, 1970, S. 141-57 (L, P);
    A. Stollenwerk, J. C. v. L. u. s. Stellung innerhalb d. Koblenzer Regierung, in: Rhein. Heimatpflege 14, 1942, S. 40-45.

  • Portraits

    Gem. v. S. Meister, Abb. b. Weyres, s. L.

  • Autor/in

    Eva Brües
  • Empfohlene Zitierweise

    Brües, Eva, "Lasaulx, Johann Claudius von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 643 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116003146.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lasaulx: Johann Claudius v. L. (Lassaulx, die Schreibung des Namens schwankt), Baumeister, stammte aus der alten Lothringer Familie van der Weyden, welche 1611 als de la Saulx geadelt wurde. Geboren am 27. März 1781 zu Koblenz, wo sein Vater als Landsyndikus lebte, bezog L. 1798 die Universität Würzburg, wo er zuerst die Jura, dann die Medicin studirte, dann aber, um einen Hausstand zu begründen, in Koblenz eine Branntwein- und Essigbrennerei begründete und seiner von früher Jugend an gehegten Neigung zu mechanischen Unternehmungen folgend, allerlei Holz- und Metallarbeiten (insbesondere durch das Vorbild des Blechwaarenfabrikanten und Stadtraths Hermann Joseph Dietz) übernahm. Eine in Ehrenbreitstein angelegte Nassau'sche Münzstätte gab Veranlassung sich auch in diesem Gebiete zu bethätigen, so daß bei Erledigung einer anderen rheinischen Münzmeisterstelle L. zu derselben in Vorschlag gebracht wurde; nur ein Zufall vereitelte seine Ernennung. Da er bei seiner universellen Begabung für Technik aller Art vielfach mit Steinmetzen und Himmerleuten verkehrte, so wurde ihm 1812, bei großem Mangel der dazu Befähigten, die Stelle eines Landbaumeisters angetragen, welche L. erst nach langem Zureden, insbesondere seines Freundes Joseph Görres, annahm. Nun hatte er freilich noch nie ein Haus weder gezeichnet noch gebaut, allein seinen genauen Kenntnissen mancher Gewerke, seinem angebornen Geschick, sowie dem Rathe und der versprochenen Hilfe eines benachbarten, ihm befreundeten Architekten vertrauend, wagte er jene Stellung zu übernehmen. Schwierige Bauten waren gerade nicht im Werk, da unter den damaligen politischen Verhältnissen nur das Allerdringlichste gebaut wurde; es blieb ihm also Zeit genug übrig, um sein neues Fach mit der ihm eigenen Energie zu studiren. Die Art und Weise wie L. sich in die Kunst vertiefte und die Genialität, welche er bei seinen eigenen Schöpfungen bewährte, erwarben ihm Anerkennung und Bewunderung. Nach dem 1814 erfolgten Regierungswechsel vermehrten sich natürlich die Bauten; 1816 vertraute man ihm die Stelle eines königlichen Bauinspectors, welche er bis zu seinem am 14. October 1848 in Koblenz erfolgten Tode bekleidete. L. errang im Theoretischen wie im Praktischen seiner Kunst tiefe Einsicht und offenbarte in seinen Arbeiten und Schöpfungen einen durch das Studium der besten Werke aller Stilarten geläuterten Geschmack. Während der Dauer seiner Amtsführung schuf L. an 60 öffentliche und Privatbauten, dazu 12 Kirchen. Die bedeutenderen zu Boos, Kapellen, Kobern, Güls (1833—40), Vallendar (1837—41), Valwig, Waldesch und Weißenthurm (insgesammt auch durch lithographische Abbildungen bekannt) liefern den Beweis, daß L. den Rundbogenstil in seinen Elementen ganz erfaßte und zu dessen Wiederbelebung in wirksamster Weise beitrug. Er baute die kleinere Kirche zu Valwig schon 1824 im Rundbogenstil, also früher als Andere darüber geschrieben haben. Mit gleichem Erfolg bediente er sich auch des Spitzbogenstils, z. B. an der 1824—1830 erbauten Kirche zu Treis (vgl. Crelle, Journal für Baukunst, I. 4). Außerdem unternahm L. viele Restaurationsarbeiten, z. B. des Königstuhls bei Rhense und der schönen Burg Rheineck. Als fachwissenschaftlicher Schriftsteller sammelte er unter dem Titel „Bausteine“ seine Abhandlungen über Gewölbeformen, über das Wölben aus freier Hand, über die Kapelle von Ramersdorf (welche auf den Kirchhof nach Bonn versetzt wurde), über die Größe der bekanntesten Kirchen, über Wasserbeschaffung bei Feuersbrünsten etc. Ferner schrieb L. über die Wölbungsweise der Alten (im ersten Bande von Crelle's Baujournal; übersetzt im Journal of the royal Institute, London 1831 und im Journal du génie civil, Paris 1833), gab Aufsätze in die Verhandlungen des Berliner Gewerbvereins, in die Rhein. Provinzialblätter, in das Kölner Domblatt und die Allgemeine Bauzeitung. Bahnbrechend für die Geschichte der mittelalterlichen Baukunst waren die „Architektonischhistorische Berichtigungen und Zusätze zu der Klein'schen Rheinreise“, Koblenz 1835 (vgl. Kugler im Museum 1835. Nr. 45 und dessen Kleine Schriften 1853, I. 416) und (mit Ernst Dronke) die Beschreibung der Matthiaskapelle auf der oberen Burg bei Kobern an der Mosel (Koblenz 1837). Auch war L. betheiligt an Sulp. Boisserée's „Denkmalen der Baukunst vom 7. bis zum 13. Jahrhundert am Niederrhein“ und besorgte nach Fr. Hoffstadt's Ableben (1846) die Schlußlieferung von dessen „Gothischem ABC-Buch“. — L. war von einer forschenden und erfinderischen Liebe zu seinem Fache erfüllt. Selten hat wol ein Baumeister so genau wie er jedes kleine Denkmal seines Baubezirkes gekannt und in seinem eigenthümlichen Werthe geehrt. Ebenso bemüht war er aber auch im Großen|wie im Kleinen, die Eigenthümlichkeit des in jener Gegend durch die härtesten Mühl- und die leichtesten Tuffsteine ausgezeichneten Baumaterials geltend zu machen und durch Wiederbelebung alter, sowie durch Erfindung neuer Vortheile das Zweckmäßige, Feste und Zierliche zu erzielen und zu vereinen. Die von ihm errichteten Kirchen und Kapellen und anderen Gebäude in und um Koblenz werden noch lange Zeugniß geben von dem sinnvollen Eifer und dem bei beschränkten Mitteln oft überraschenden Erfolge, mit welchem L. die ihm gewordenen Aufgaben zu lösen pflegte. Eine besondere Eigenthümlichkeit bilden bei seinen Bauten die Treppen, für welche er die mannigfaltigsten Formen und Zusammensetzungen zu finden wußte. — L. war der Vater der vorgenannten Augustiner Schwester Amalia und des geistvollen Aesthetikers und Philosophen Ernst v. L. Vgl. Nagler 1839, VII. 322. Neuer Nekrolog der Deutschen (von F. A. Schmidt), 26. Jahrg. s. 1848, Weimar 1850, Nr. 163, S. 655 ff. E. Förster, Gesch. der dtsch. Kunst, 1860, V. 415 ff. Müller-Klunzinger 1860, II. 558. Seubert 1878, II. 412.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Lasaulx, Johann Claudius von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 729-731 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116003146.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA