Lebensdaten
1834 bis 1913
Geburtsort
Halle/Saale
Sterbeort
Gießen
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Statistiker
Konfession
reformierte Familie
Normdaten
GND: 116002069 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laspeyres, Étienne
  • Laspeyres, E.
  • Laspeyres, Ernestus Ludovicus Stephanus
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Zitierweise

Laspeyres, Étienne, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116002069.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolph (s. 1);
    B Hugo (s. 3);
    - Dorpat 1870 Johanna Noelting, Arzt-T aus Hamburg;
    4 S, 1 T.

  • Leben

    L. studierte 1853-59 Rechts- und Kameralwissenschaften in Tübingen, Berlin, Göttingen, Halle und Heidelberg. 1857 erfolgte die Promotion zum Dr. iur. in Halle, 1860 die zum Dr. phil. und die Habilitation für Staats- und Kameralwissenschaften in Heidelberg bei W. Roscher mit einer Arbeit über „Wechselbeziehungen zwischen Volksvermehrung und Höhe des Arbeitslohnes“. 1860-64 war L. Privatdozent in Heidelberg, hielt sich jedoch ein halbes Jahr in Holland auf zur Materialsammlung für seine 1863 erschienene Arbeit „Geschichte der volkswirtschaftlichen Anschauungen der Niederländer und ihrer Literatur zur Zeit der Republik“. Diese Arbeit brachte ihm einen Preis von 48 Golddukaten der Fürstl. Jablonowskischen Gesellschaft (Leipzig) und später (1876) einen Ruf an die Univ. Amsterdam, den er allerdings ablehnte. Stationen seiner Laufbahn als Professor der Staatswissenschaften waren: 1864 erstes Ordinariat an der Univ. Basel, 1866 Polytechnikum Riga, 1869 Univ. Dorpat, 1873 Polytechnikum Karlsruhe, 1874 bis zur Emeritierung 1900 Univ. Gießen. L. war seit 1874 Mitglied der Hess. Zentralstelle für Landesstatistik und der juristischen Prüfungskommission in Darmstadt, 1876 Dekan der Phil. Fakultät in Gießen, 1881/82 Rektor der Univ. Gießen; außerdem Mitglied des Internationalen Statistischen Instituts und Teilnehmer an dessen Tagungen in Paris (1867), Rom (1887) und Chicago (1893).

    L.s recht umfangreiches, zwischen 1857 und 1911 erschienenes Werk läßt sich in drei Klassen einteilen: rein volkswirtschaftliche Arbeiten, anwendungsorientierte Arbeiten zur Statistik und methodologisch orientierte Arbeiten zur Statistik. Zur ersten Gruppe gehören neben seiner Dissertation und der „Geschichte der volkswirtschaftlichen Anschauungen der Niederländer …“ eine Reihe von Artikeln in Bluntschlis „Deutschem Staatswörterbuch“ (Bd. 8-10, 1864-67), eine Vielzahl populärwissenschaftlich gehaltener Aufsätze zu wirtschafts- und sozialpolitischen Zeitproblemen in der „Deutschen Revue“ zwischen 1877 und 1885 sowie Aufsätze zur nationalökonomischen Ausbildung von Kaufleuten (in: Balt. Mschr., 1868). in denen er Ideen entwickelte, die 30 Jahre später in den neu gegründeten Handelshochschulen realisiert wurden, aus denen die deutsche Betriebswirtschaftslehre hervorging. In seinen statistisch-methodologischen Arbeiten, etwa in „Die Kathedersozialisten und die statistischen Kongresse“ (in: Dt. Zeit- u. Streitfragen, hrsg. v. Oncken u. Holtzendorf, 1875) entwickelte er Vorstellungen, die heute national und international weitestgehend Realität geworden sind: Quantifizierung und Operationalisierung der Nationalökonomie, Ausbau der amtlichen Statistik, Kooperation von amtlicher Statistik und wirtschaftswissenschaftlicher Forschung und Integration des Nationalökonomen und Statistikers in einer Person. Schwerpunkt seiner anwendungsorientierten statistischen Arbeiten war die Preisstatistik, etwa „Statistische Untersuchungen zur Frage der Steuerüberwälzung“ (in: Finanzarchiv 18, 1901, S. 46-282) und vor allem sein Aufsatz „Die Berechnung|einer mittleren Warenpreissteigerung (in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik 16, 1871, S. 296-314). Hier entwickelte er die nach ihm benannte Preisindexformel, mit der er in die Geschichte der Statistik eingegangen ist und nach der heute noch der überwiegende Teil der Indexberechnungen in den statistischen Ämtern durchgeführt wird. Die Formel ist ebenso genial wie einfach: Sie beantwortet die Frage, um wieviel teurer oder billiger ein in der Basisperiode 0 gegebener Warenkorb für n Güter (repräsentiert durch deren Mengen q01, q02, …, q0n ) ist, wenn er in der Berichtsperiode 1 zu den Preisen dieser Periode (p1i) gekauft wird, wobei (p0i) die Preise je Mengeneinheit des Gutes i in der Basisperiode 0 sind. Die Formel ist das Resultat von konsequentem Bemühen, beim statistischen Vergleich alle störenden Faktoren auszuschalten, wenn es sein muß, auch durch eine rechnerische Konstruktion.

  • Werke

    Weitere W u. a. Hamburger Warenpreise u. d. kaliforn.-austral. Goldentdeckungen seit 1848, in: Jb. f. Nat.ök. u. Statistik, 1864, S. 81-118;
    Justus v. Liebigs Theorie d. Bodenerschöpfung, 1869;
    Einzelpreise u. Durchschnittspreise vegetabil. u. animal. Produkte in Preußen während d. 75 J. 1821–95, in: Zs. d. Kgl.-Preuß. Statist. Bureaus, 1901, S. 51 ff.

  • Literatur

    L M. G. Kendall, The early hist. nf index numbers, in: Kendall/Plackett (ed.), Studies in the Hist. of Probability and Statistics II, 1977, S. 1-12;
    R. Maul, Laspeyres als statist.-nat.ökonom. Forscher, Diss. Frankfurt, 1930;
    H. Rinne, in: Jb. f. Nat.ök. u. Statistik 1981, S. 194-216 (P, mit Nachdr. d. Indexaufsatzes v. 1871);
    A. Wagner, in: Gießener Anz. v. 11.8.1913.

  • Portraits

    in: 250 J. Univ. Halle, 1944.

  • Autor/in

    Horst Rinne
  • Empfohlene Zitierweise

    Rinne, Horst, "Laspeyres, Étienne" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 660 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116002069.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA