Lebensdaten
1579 bis 1634
Sterbeort
Altkloster bei Buxtehude
Beruf/Funktion
Erzbischof von Bremen ; Bischof von Lübeck ; Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 115823239 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johann Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf
  • Johann Friedrich
  • Johann Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf
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Zitierweise

Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115823239.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Hzg. Johann Adolf v. Sch.-H.-G. ( 1616, s. NDB X); - Konkubinat mit Katharine, Frau d. Amtmanns Block in Thedinghausen; mehrere S (legitimiert u. Reichsadel als „v. Holstein“);
    Groß-N Friedrich II. ( 1670), Hzg. v. Sch.-H., EB v. Bremen, als Kg. v. Dänemark Friedrich III. (s. NDB V).

  • Leben

    J. wurde 1593 unter seinem Bruder, EB Johann Adolf, Domherr in Bremen und 1594 dessen Koadjutor im Bistum Lübeck. Am 6.8.1596 resignierte Johann Adolf das Erzstift zugunsten seines Bruders J. Über diese Nachfolge kam es zwischen dem Domkapitel und den übrigen Ständen zu einer schweren Auseinandersetzung, so daß der formelle Wahlakt am 22.10.1596 in das Kloster Harsefeld verlegt wurde. Der Streit wurde im Stader Rezeß vom 6.1.1597 beigelegt und führte zu einer stärkeren Beteiligung aller Stände am Stiftsregiment. 1607 folgte J. seinem Bruder auch als Bischof von Lübeck. Seit 1600 war er mit der Gräfin Anna Sophia von Oldenburg verlobt. Zum Vollzug der Ehe kam es nicht. Wegen des nicht eingehaltenen Heiratsversprechens entstand ein Prozeß beim Reichskammergericht. J. unterhielt zahlreiche illegitime Verbindungen. J. war ein vorzüglicher Verwalter, der die Behördenorganisation ausbaute und eine gute Finanzverwaltung organisierte, die er selbst leitete. Er dämpfte die Hexenprozesse. Sein Versuch, ein Konsistorium einzurichten, scheiterte am Widerstand der Stände. Er bemühte sich um das zerrüttete Kirchenwesen und zeigte kalvinist. Neigungen. Außenpolitisch verband er sich zunächst mit Dänemark und nahm 1621 seinen Großneffen, den dän. Prinzen Friedrich, als Koadjutor an. 1625 war er Bündnispartner Christians IV. auf dem Lauenburger Fürstentag. Als dieser jedoch das Erzstift besetzte, wich er ins Bistum Lübeck aus und stellte sich im kaiserl.-dän. Krieg auf die Seite des Kaisers. Nach der Besetzung des Stiftes durch Tilly wurde dort die Restitution betrieben und Erzhzg. Leopold Wilhelm als Erzbischof vorgesehen. Darauf nahm J. 1631 ein schwed. Bündnisangebot an und verschaffte so den Schweden den legitimen Vorwand zur Eroberung des Erzstiftes 1632. Seitdem befand er sich in schwed. Abhängigkeit. Er starb auf der Rückkehr von einer Schwalbacher Badekur. – J. war eine eigenwillige Persönlichkeit, erwies sich innenpolitisch als guter Organisator, bewies jedoch in außenpolitischen Fragen eine weniger glückliche Hand und war ab 1625 Spielball stärkerer Mächte.

  • Literatur

    ADB 14;
    P. v. Kobbe, Gesch. u. Landbeschreibung d. Herzogtümer Bremen u. Verden II, 1824, S. 224 ff.;
    F. W. Wiedemann, Gesch. d. Hzgt. Bremen, 2 Bde., 1864/66;
    J. O. Opel, Der niedersächs.-dän. Krieg, 3 Bde., 1872-94;
    H. Jungk, Die brem. Münzen, 1875, S. 238-47 (P Tafel 11 f.);
    H. Hoogeweg, Die Restitutionsversuche im Erzstift Bremen (1617–29), in: Zs. d. Hist. Ver. f. Niedersachsen, 1910, S. 73-134;
    L. R. Laursen, Danmark-Norges Traktater 1523-1750 III u. IV, 1916/17;
    F. Prüser, Ein Amtsregister d. Hauses Langwedel a. d. Zeit EB J. F., in: Stader ]b., 1954, S. 96-118;
    Kong Christian den Fjerdes egenhaendige Breve 1589-1648, Bd. 1-8, hrsg. v. C. F. Bricka u. J. A. Fridericia, 1969/70;
    K. H. Schleif, Regierung u. Verwaltung d. Erzstiftes Bremen am Beginn d. Neuzeit (1500–1645), 1972.

  • Autor/in

    Heinz-Joachim Schulze
  • Empfohlene Zitierweise

    Menzel, Josef Joachim, "Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 481 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115823239.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johann Friedrich, Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp, Erzbischof von Bremen und Bischof von Eutin (Lübeck), am 3. Septbr. 1634 zu Altkloster bei Buxtehude, war am 31. August 1579 geboren und folgte seinem älteren Bruder Johann Adolf (geb. 1575, am 31. März 1616), der nach dem Antritt des väterlichen Erbes und nach seiner Vermählung auf Bremen 1596 und auf Eutin 1608 verzichtete. Das Bremer Domkapitel wählte J. F. am 22. October 1596; sein Bruder hatte ihm Schlösser und Städte ohne Weiteres überliefert, so daß Kapitel und Stände fast in Aufruhr geriethen. Die Heirath Johann Adolfs hatten sie schon monirt, weil sie fürchteten, daß aus dem Erzbisthum ein erbliches Fürstentum entstehen könnte. Als dann 1600 J. F.|sich auch mit Anna Sophie, einer Schwester des oldenb. Grafen Anton Günther, verlobte, nahmen es die bremischen Stände sehr übel und er unterließ die Hochzeit, ohne sein Wort zurückzuziehen. Oldenburgischer Seits folgte ein ärgerlicher Proceß beim Reichskammergerichte, dessen Acten 1620 gedruckt wurden. Anna Sophie starb unvermählt am 11. Juni 1639. J. F. entschädigte sich dafür durch ein häusliches Leben mit einer Anzahl Concubinen, deren ärgerliches Verhältniß selbst englischen Reisenden auffiel. Auch in Verden hielt er 1617 Hof, ohne dort Bischof zu sein, wie das Tagebuch des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin zeigt; hier hatte er als Maitresse die Gertrud v. Heimbruch, in Thedinghausen die Frau des Amtmanns Block, Katharine, deren Söhne der Kaiser 1621 als Herren v. Holstein adelte, auch eine Anna Dobbels wird genannt. So erregte er in seinen Stiftern großen Anstoß, obwol diese starke Sachen der Art gewohnt waren. In der Regierung war er milde und wohlmeinend; im Bremischen hat er den ersten Versuch einer modernen Steuerhebung 1607 bei den Landständen trotz des Protestes der Marschländer durchzusetzen verstanden. Der Justizverwirrung zwischen den ständischen und fürstlich-bischöflichen Gerichten suchte er ebenfalls 1607 durch Ausbildung eines obersten fürstbischöflichen Kanzleigerichts zu steuern und erließ zu dem Zwecke eine eigene Kanzleiordnung. In demselben Jahre wurde die Zuständigkeit betreffs der in Kirchen und auf Friedhöfen begangenen Verbrechen geordnet; schon 1603 ein für jene Zeit freisinniges und vernünftiges Edict „vom Proceß in Zaubereisachen im Erzstift Bremen“ erlassen, während ringsum in Verden und Hadeln die wahnwitzigste Hexenverfolgung tobte. Daß J. F. ein schwankender Charakter war, zeigte sich im dänisch-niedersächsischen Kriege. Er hatte Furcht für seine Selbständigkeit und seine Besitzungen, die beiden Stifter, zuerst vor Christian IV. von Dänemark, später noch größere vor dem Kaiser und vor Tilly. Wider seinen Wunsch erreichte es der König durch die seit 1618 spielenden Bestechungen, daß dessen junger Sohn Friedrich (s. Bd. VII S. 518 f.) 1621 zum Coadjutor in Bremen ernannt wurde, und damit Bremen in seinen politischen Bereich fiel. Umsomehr versuchte J. F. das Stift Eutin dem Gottorpischen Hause zu sichern: Adolf, der zweite Sohn des Herzogs Johann Adolf, wurde zum Coadjutor und ebenso der dritte, Johann, 1621 zum Subcoadjutor ernannt und angenommen, letzterer auch 1631, als Adolf bei Breitenfeld geblieben, sofort, schon am 9. September, zum Coadjutor gewählt. Dem Lauenburger Vertrage wagte sich J. F., der anwesend war, nicht zu entziehen, an ernstliche Hülfe aber dachte er nicht, denn weder dem Domkapitel noch den weltlichen Ständen machte er Mittheilung, noch stellte er an sie eine Forderung. Vom 25. Juni 1625 an liegt eine Reihe von erzbischöflichen, königlichen, kaiserlichen und Generalsschreiben vor, in denen die schwankende, nur auf sichernde Neutralität hinsteuernde Politik des Erzbischofs und seiner beiden Lande deutlich hervortritt. Er war wie gekettet zwischen den dänisch-englischen Besatzungen im Bremischen, der Stellung des Königs in Holstein und den andrängenden ligistischen Führern, zunächst Anholt, dann Tilly selber. Kaiser und König drangen brieflich energisch auf ihn ein; am 25. Mai 1626 forderte Christian die Auslieferung der Festen, namentlich Bremervörde's, des einzigen Passes zwischen Weser und Elbe; am 14. März aber hatte Ferdinand schon unbedingte Unterwerfung beansprucht; der Erzbischof will dies Schreiben erst am 29. Juli erhalten haben. Er tergiversirte weiter, verließ aber das Bremische und ging nach Eutin, von dort nach Lübeck auf den Stiftshof; Christian aber besetzte Bremervörde und Stade, das Erzstift blieb passiv, neigte indessen zum König, der Erzbischof mehr und mehr zum Kaiser und tritt ihm endlich unumwunden zu. Von einem Religionskrieg ist bis dahin keine Rede, aber gegen Ende 1627 tritt er hervor. Der Anschluß des Erzbischofs an den|Kaiser führte zur directen Sequestration des Erzstifts durch Christian für seinen Sohn, den Coadjutor, dann folgte am 7. Mai 1628 die Einnahme Stade's durch Tilly und die Vertreibung der Dänen und Schotten über die Elbe. Zwei Jahre residirte nun Tilly fast ausschließlich im Stifte, er führte das Restitutionsedict durch mit Hülfe Franz Wilhelms, des Bischofs von Osnabrück und (während der katholischen Reaction) von Verden; nur die Stadt Bremen widerstand. Das Stift war trotz der Unterwerfung Johann Friedrichs vom Kaiser seinem Sohne Erzherzog Leopold zugedacht; die Ligisten wollten es aber Franz Wilhelm, dem Wittelsbachischen Nebensprößlinge, geben. Der Kaiser hatte freie Hand, Christian IV. hatte ja im Lübecker Frieden seine Freunde preisgegeben. Jetzt forderte jener unumwunden die Entsagung Johann Friedrichs zu Gunsten Leopolds. Sofort aber trat der Erzbischof in Unterhandlung mit Schweden und schloß sich den Schritten der in Norddeutschland depossedirten oder bedrohten protestantischen Fürsten an; so beschickte er den Convent von Februar 1631 in Leipzig, während sein Eutiner Coadjutor Adolf im kaiserlichen Heere und auch in diesem bei Leipzig blieb. Nach dieser Schlacht rückten sofort Schweden unter Achatius Tott dem Erzbischof zu Hülfe, der inzwischen schon eigene Truppen hatte über die Elbe gehen und selbst bis Verden streifen lassen, auch Adel und Bauern mit Erfolg zum Schlagen aufrief. Den ganzen Winter hindurch wurde im Bremischen gekämpft, auch Dänen landeten noch einmal in zweifelhafter Weise unter Markwart Ranzau, wurden aber durch Bauern und Erzbischöfliche zurückgeworfen. Nachher bot Pappenheim dem Könige Christian die Uebergabe Stade's an; da er aber sich vor den Schweden nicht länger halten konnte, räumte er am 5. Mai 1633 die Festung und bald das ganze Land, das nun anfing über die Schweden zu klagen. Der Erzbischof kehrte nach Vörde zurück, reiste aber bald nachher zu einer Badekur nach Schwalbach und starb auf der Heimkehr im Altkloster Buxtehude am 3. September 1634; seine Leiche blieb fast ein Jahr lang dort stehen, dann wurde sie in Gottorp feierlich beigesetzt. Im Bisthum Eutin folgte ihm sein Neffe und Coadjutor Johann (10. November 1634), der für sein kleines Land die Selbständigkeit im westfälischen Frieden zu behaupten verstand und am 18. Februar 1655 starb.

    • Literatur

      v. Halem, Oldenb. Gesch. II S. 304 s. Lisch, Jahrbücher 12. Zeitschr. des hist. Ver. für Niedersachsen, 1865 S. 352. v. Ende und Jacobi, Samml. s. Gesch. und Staatskunde aus den braunschw.-lüneb. Churlanden, I. 27 ff. Cassel, Bremensia, II. 518. P. v. Kobbe, Bremen u. Verden, II. 224 ff. — Für den 30jährigen Krieg: Opel, Der niedersächsisch-dänische Krieg. Wiedemann, Gesch. des Herzogth. Bremen, II. Plaß, Aus der Corresp. Johann Friedrichs im Archiv des Stader Ver. für Geschichte etc., III. S. 346 ff. —
      Cogelius, Utinisches Bischofsgedächtniß. Progr. des Gymn. zu Eutin, Ost. 1878 S. 15. — Die Köpfe von Johann Adolf und Johann Friedrich in vorzüglichen Münzabbildungen: Jungk, Die bremischen Münzen, Tafel 11 und 12.

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 413-415 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115823239.html#adbcontent

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