Lebensdaten
1909 bis 1983
Geburtsort
Mariendorf bei Berlin
Sterbeort
Bensheim (Bergstraße)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 10998689X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krantz, Paul Albert (eigentlich, Noth ist seit 1931 Pseudonym)
  • Albertus Magnus (Pseudonym)
  • Krantz, Paul (eigentlich, Noth ist seit 1931 Pseudonym)
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Zitierweise

Noth, Ernst Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10998689X.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M Elisabeth Steegemann ( 1929);
    Stief-V Heinrich Krantz, Musiker;
    1) 1933 Elena (* 1907, kath.), aus Mailand. Sängerin (s. BHdE II), T d. Maximilian Fels (1869–1928, isr.), aus Fürth, Kaufm. in Frankfurt/M., u. d. Bessy Schott (1876–1951), 2) Claudia;
    4 S aus 1) Pierre René (* 1936), M. A., Norman, Schriftst., Jean-Sebastian (* 1939), Maler, Künstler, Dominique Paul (* 1942), Univ.lektor, Filmschriftst., Theaterkritiker, 1 T aus 1) Marie-Louise Olson (* 1949), Sekr., alle in Milwaukee (Wisconsin, USA); Schwägerin Lucia Schmidt-Fels (* 1908), Journalistin, Schriftst. in Aix-en-Provence (s. W).

  • Leben

    N. wuchs als unehelich geborener Stiefsohn eines Caféhausmusikers in Berlin-Mariendorf auf. Aufgrund seiner Begabung gelangte er auf eine Freistelle an der dortigen Dr.-Eckner-Oberrealschule. Im Zusammenhang mit der sogenannten „Steglitzer Schülermordtragödie“, einer Eifersuchtsaffäre mit homoerotischem Hintergrund, der zwei Jugendliche|zum Opfer gefallen waren, hatte er sich 1928 als Primaner wegen Beihilfe zum Mord in einem publizistisch aufgeschaukelten Sensationsprozeß zu verantworten. Nach Freispruch wegen erwiesener Unschuld absolvierte er sein letztes Schuljahr an der Odenwaldschule und legte 1929 sein Abitur als Externer am Darmstädter Realgymnasium ab. Während des Studiums der Germanistik, Philosophie und Geschichte sowie der Wahlfächer Soziologie und Psychologie in Frankfurt schrieb er unter dem Pseudonym „Albert Magnus“ für die Frankfurter Zeitung und veröffentlichte 1931 – erstmals unter seinem Autorennamen – den an den literarischen Normen der Neuen Sachlichkeit orientierten, als autobiographisch gefärbte Sozialreportage gestalteten Roman „Die Mietskaserne“. Vor Abschluß des Promotionsverfahrens wurde N., der sich u. a. in der „Roten Studentengruppe“, der Sozialistischen Arbeiter Partei und der Eisernen Front engagiert hatte, von der Universität relegiert; er konnte sich am 5.3.1933 der drohenden Verhaftung durch die Nationalsozialisten durch die Flucht nach Frankreich entziehen.

    Im Exil wuchs die Distanz zur deutschen Kultur, aber auch zum Kreis der Emigranten. Er optierte schließlich bewußt für die franz. „civilisation“: Seit „Le désert“ (1939) schrieb N., der seine Bücher bisher selbst übersetzt hatte, auf Französisch. In Paris und 1935-41 in Aix-en-Provence lebend, verfaßte er regelmäßig Beiträge und Rezensionen u. a. für die kulturpolitischen und literarischen Journale Les Nouvelles Littéraires, Europe, Europe nouvelle, Vendredi, Temps Présent, La vie intellectuelle sowie die Cahiers du Sud, deren Redaktion er 1935-40 angehörte. Wie kaum ein anderer Emigrant vermochte er über politisch-literarische Essays eine intensive Wirkung als Interpret deutscher Verhältnisse zu entfalten und so Eingang in die franz. Literaturwelt und Zugang zu Intellektuellen unterschiedlichster Couleur zu finden. Nach zweimaliger Internierung 1939 (Les Milles) und 1940 ging N. in den Untergrund und flüchtete 1941 in die USA, deren Staatsbürgerschaft ihm 1948 verliehen wurde. Von 1942 bis zur Entlassung 1948 wegen öffentlicher Kritik an der amerik. Deutschlandpolitik war er Leiter des German Department der National Broadcasting Company, danach seit 1949 für über 10 Jahre Chefredakteur und Geschäftsführer der Literaturzeitschrift Books Abroad, außerdem 1949-59 Professor für moderne Sprachen bzw. Literaturwissenschaften (1953) an der Universität von Oklahoma und 1959-63 Professor für moderne Sprachen an der Marquette-Universität in Milwaukee. 1963 kehrte N. nach Frankreich zurück, wo er 1964-66 eine Gastprofessur an der Univ. Aix-Marseille und 1969/70 an der Sorbonne III innehatte. Seit Ende 1970 war N. wieder in Deutschland. An der Univ. Frankfurt, wo er 1971 die 1933 nicht beendete Promotion abschloß, lehrte er als Gastprofessor, seit 1974 als Honorarprofessor über Exilliteratur und Neue Sachlichkeit. In seinen letzten Lebensjahren arbeitete er an der Übersetzung der eigenen Werke ins Deutsche sowie an einem nicht mehr vollendeten Roman. Durch das wachsende Interesse an der Literatur von Emigranten rückten neben dem Frühwerk auch die Werke des Exilschriftstellers N. seit den 70er Jahren in das Blickfeld eines breiteren Publikums.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Gestalt d. jungen Menschen im dt. Roman d. Nachkriegszeit, Diss. Frankfurt/M. 1933 (ungedr.);
    La tragédie de la jeunesse allemande, 1934;
    Un homme à Part, 1936 (Roman, dt.: Der Einzelgänger, 1936);
    La voie barrée, 1937 (Roman, dt.: Weg ohne Rückkehr, 1982);
    L'Homme contre le Partisan, 1938;
    Le roman Allemand, 1938;
    L'Allemagne exilée en France, 1939;
    La guerre pourrie, La plus petite France, 1942;
    Bridges over the Rhine, 1947 (franz. 1947);
    Mémoires aux Américains, 1947;
    Russes et Prussiens, 1948;
    The Contemporary German Novel, 1961;
    Le passé nu, 1965 (Roman);
    Mémories d'un Allemand, 1970 (dt. 1971). – W-Verz.: Inventar zu d. Nachlässen emigrierter dt.sprachiger Wissenschaftler in Archiven u. Bibl. d. Bundesrep. Dtld., bearb. im Dt. Exilarchiv 1933-1945 d. Dt. Bibl., Krankfurt am Main, 1993, S. 872-74. – Zu Lucia Schmidt-Fels: Deportiert nach Ravonsbrück, Ber. e. Zeugin 1943-1945, 1981.

  • Literatur

    Th. Lange, Sprung in e. neue Identität, Der Emigrant E. E. N., in: Th. Koebner, W. Koepke, J. Radkau (Hg.), Exilforsch., Ein internat. Jb. 2, 1984, S. 121-42;
    ders., Der „Steglitzer Schülermordprozeß“ 1928, in: Th. Koebner, R.-P. Janz, F. Trommler (Hg.), „Mit uns zieht d. neue Zeit“, Der Mythos Jugend, 1985, S. 412-37 (P);
    ders., E. E. N. als Vermittler zw. dt. u. franz. Lit., in: Revue d'Allemagne 18, 1986, S. 250-64;
    K. Schöffling, „Wir sind u. bleiben unbequeme Zeitgenossen“, Gespräch mit E. E. N., in: ders. (Hg.), Dort wo man Bücher verbrennt, 1983, S. 400-11;
    ders., in: Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel 40, 1984, H. 25, S. 746 f. (P);
    H. Kieser, Dok. E. E. N., in: Exil 3, 1983, S. 10 f.;
    W. Sternfeld u. E. Tiedemann, Dt. Exil-Lit. 1933-1945, 21970;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1981 u. 1984;
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Uwe Meier
  • Empfohlene Zitierweise

    Meier, Uwe, "Noth, Ernst Erich" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 358 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10998689X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA