Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Frankfurter Weinhändler ; Mäzene
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 1080843639 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Manskopf

Verknüpfungen

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Zitierweise

Manskopf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1080843639.html [13.11.2018].

CC0

  • Leben

    Johann (1667–1743) war Bürgermeister in Siegen. Sein Sohn Wilhelm Heinrich (1704–72) kam 1728 als Kaufmannsgehilfe zu Joh. Georg Leerse auf den Frankfurter Römerberg und übernahm 1740 dessen Handlung in engl. Manufakturwaren. Durch seine Heirat mit Johanna Maria de Neufville 1743 trat er in enge Beziehungen zu einer Gruppe reicher franz.-ref. Familien, die im Geschäfts- und Gesellschaftsleben der Reichsstadt tonangebend waren. Der Kurfürst von der Pfalz bestellte ihn zu seinem Agenten (Konsul) und ernannte ihn zum Kommerzienrat. Seine drei Söhne führten seit 1770 das bedeutende Geschäft zunächst gemeinsam fort. Alle drei – Johann Heinrich (1746–1804), Johann Nikolaus (1749–1810) und Jakob Wilhelm (1751–1815) – heirateten in den Familienkreis Gontard-Sarasin ein. Johann Heinrich, der ebenfalls kurpfälz. Agent war, gliederte der Firma Gebr. Manskopf eine Wolltuchfabrik an. Johann Nikolaus betrieb nebenher Weingeschäfte und führte seit 1795 eine eigene Weingroßhandlung, mit der er rasch großen Erfolg hatte. Aus ihr entwickelte sich im 19. Jh. ein führendes Weinhandelshaus (Manskopf-Sarasin), das an mehr als einem Dutzend Plätzen in aller Welt eigene Konsignationslager unterhielt. Seit 1790 kurpfälz. Hofrat, erhielt er 1795 auch den Titel eines preuß. Geheimrats. In den folgenden Generationen setzten die Söhne Jacob Philipp (1777–1859) und Wilhelm (1788–1851) sowie der Enkel Nikolaus (1807–92) das Unternehmen erfolgreich fort. Erst die Urenkel liquidierten 1902 die alte Firma. Seit 1875 bestand jedoch eine zweite, nicht minder erfolgreiche Weinhandlung „Manskopf & Söhne“, die – ausgehend von| Wilhelm (1812–91) – durch eine andere Linie der Familie geführt wurde. Zu dieser Linie gehören die Brüder Gustav (1841–1900), Robert und Wilhelm (1845–1921), die der Vaterstadt große Geschenke machten. Gustav ließ 1887 den Justitiabrunnen auf dem Römerberg erneuern, stiftete 1892 ein Uhrtürmchen und 1904 den Herkulesbrunnen im Römerhöfchen. Robert hinterließ der Stadt seine Villa „Waldeck“ als Altersheim. Wilhelms Sohn Nikolaus (1869–1928), der in Lyon, Paris und London eine gründliche Ausbildung im Weinhandel erhalten hatte, machte sich einen Namen durch den Aufbau einer bedeutenden Musik- und Theatersammlung, die seit 1896 auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt wurde. Seine Sammlungen umfaßten schließlich 18000 Manuskripte (Noten, Briefe), etwa 2500 Rollen- und Regiebücher, 12000 Bildnisse, Kritiken sowie etwa 30000 Plakate und Theaterprogramme. Nach seinem Tode übereigneten seine Erben die Sammlung der Stadt Frankfurt am Main. Das damit begründete Manskopfsche Museum für Musik- und Theatergeschichte wurde in den folgenden Jahrzehnten systematisch ausgebaut und ist seit einer Neuordnung 1946 als eigene Abteilung der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main eingegliedert.

  • Literatur

    A. Heimpel, Stammbaum d. Fam. M. zu Frankfurt a. M. 1704-1903, 1904;
    A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch. IV, 1925, S. 326-28, 563-65;
    ders., Die Weinhändlerfam. M. 1728-1928, in: Alt-Frankfurt, 1, 1928, S. 98 f. (P v. Joh. Nikolaus);
    Bruno Müller. Stiftungen f. Frankfurt a. M., 1958, S. 34, 79, 156;
    A. R. Mohr, Musikleben in Frankfurt a. M., 1976, S. 341-44.

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Manskopf" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 81-82 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1080843639.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA