• Leben

    Von J. ist ein einziger Spruch bekannt, ein Geschichtslied über die Erhebung und den Prozeß gegen Peter v. Hagenbach, den burgund. Landvogt am Oberrhein 1469–74. Am Schluß des Liedes spricht der Dichter über sich selbst. Alle Angaben über den Verfasser sind diesem Spruch entnommen worden, da seine Person sonst nirgends nachweisbar ist. J. nennt sich „von Spier“, aber eine Familie Judensint scheint in Speyer nicht gelebt zu haben. Schon F. J. Mone hat die Möglichkeit erwogen, daß es sich um ein Pseudonym handeln könne.

    J. sagt von sich, er habe „noch vil mer“ gedichtet. Von weiteren Werken ist aber bisher nichts bekannt geworden. Der Dichter steht ganz auf der Seite der Reichsstädte und ist den „herren“ (Fürsten) feindlich gesonnen Seine betonte Gleichgültigkeit gegenüber Reichtum kann ein Topos sein und braucht nicht auf einen Fahrenden hinzuweisen. Wegen der Hinrichtung Hagenbachs ist das Lied auf 1474 oder kurz danach zu datieren. Es ist in einer anonymen Speyerer Chronik überliefert, die die Zeit von 1406-76 behandelt und zu der verschiedene Autoren, die Zugang zu Urkunden und Akten hatten, wertvolle Beiträge geliefert haben. Der Spruch hat 203 Verszeilen in Reimpaaren. Die Verse sind holperig und uneinheitlich; der literarische Wert der Dichtung ist gering. Dagegen schätzt sie der Historiker, da sie für die Kenntnis des Hagenbachprozesses in Breisach von Bedeutung ist.

  • Werke

    Spruch üb. Peter v. Hagenbach, in: F. J. Mone, Qu.slg. z. bad. Landesgesch. III, 1863, S. 151-53;
    danach in: R. v. Liliencron, Hist. Volkslieder d. Deutschen II, 1866, S. 33-37.

  • Literatur

    ADB 14;
    Vf.-Lex. d. MA II, V. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Hartmut Harthausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Harthausen, Hartmut, "Judensint, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 638 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104364165.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Judensint: Hans J., Spruchdichter des 15. Jahrhunderts, aus Speier. Von ihm kennen wir nur einen einzigen Spruch, an dessen Schluß er angibt, daß er „noch viel mehr“ gedichtet habe. Jenes uns erhaltene Gedicht bezieht sich auf den bekannten burgundischen Landvogt Karls des Kühnen, Peter v. Hagenbach, der wegen seiner Gewaltthätigkeiten im Elsaß und in Baden eine allgemeine Empörung der Städte hervorrief und am 9. Mai 1474 hingerichtet wurde. Der|Dichter, ein eifriger Anhänger der Städte gegen die „Herren“, verhehlt seinen Jubel über das Ende des Vogtes nicht.

    • Literatur

      R. v. Liliencron, Die historischen Volkslieder der Deutschen, II. (1866), S. 30 ff.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Judensint, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 654-655 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104364165.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA