Lebensdaten
1782 bis 1849
Geburtsort
Peine (Hannover)
Sterbeort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Pädagoge ; Musikwissenschaftler ; Philosoph ; Musiker
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 104345616 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Griepenkerl, Friedrich Konrad
  • Griepenkerl, Friedrich
  • Griepenkerl, Friedrich Konrad
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Zitierweise

Griepenkerl, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104345616.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Conrad (1749–90), Pastor, S d. Andreas Conr., Goldschmied, Ratsherr u. Bgm. in P., u. d. Sophie Jani aus B.;
    M Wilhelmine, T d. Frdr. Brinckmann, Amtmann zu Walbeck u. Pächter zu Gr.-Bartensleben, u. d. Joh. Cath. Dorothea Thorwesten;
    - Braunschweig 1809 Johanne (1784–1862), T d. Phil. Chrstn. Ribbentrop (1737–97), braunschweig. Hofkammerrat, u. d. Sophie Joh. v. Unger; Schwäger Frdr. v. Ribbentrop (1767–1841), preuß. Armee-Gen.-Intendant, Präs. d. preuß. Oberrechnungskammer (s. ADB 28), Erich v. Ribbentrop (1777–1843), preuß. Wirkl. Geh. Kriegsrat u. Intendant;
    3 S, 2 T, u. a. Robert (s. 2), Erich (1813–88), braunschweig. Kammerpräs., Gründer d. Landwirtsch.schule, Präs. d. Landwirtsch. Zentralver., Mitgl. d. Landtags;
    N Friedrich (1826–1900), Prof. d. Landwirtsch. in Göttingen (s. Quante, in: BJ V, S. 251 f.);
    E Otto Franz Wilh. Theodor (1851–1930), Gen.-Lt.

  • Leben

    Nach den ersten Bildungsjahren in Peine besuchte G. seit 1796 das Catharineum und das Collegium Carolinum in Braunschweig. 1805-08 studierte er in Göttingen Theologie, Philologie bei Heyne, Musiktheorie bei Forkel und Philosophie und Pädagogik bei dem damals am Beginn seiner akademischen Laufbahn stehenden Herbart. Mit Thiersch, Kohlrausch, Dissen und Tölken schloß er sich eng an Herbart und dessen Lehre an. Um dem napoleonischen Druck zu entrinnen, folgte er 1808 einem durch Herbart und Heyne vermittelten Ruf Fellenbergs an das pädagogische Institut in Hofwyl bei Bern, dessen wissenschaftliche Elementaranstalt er nach Lehrplan und Methode maßgeblich bestimmte. Nach den Grundsätzen der Herbartschen Pädagogik begann er den griechischen Unterricht mit der Lektüre der Odyssee, unterrichtete in Deutsch und Geschichte, leitete Arbeitsgemeinschaften in Philosophie und Mathematik und dazu noch das gesamte Musikleben der Anstalt. 1816 trat er eine Stelle als Collaborator am Catharineum in Braunschweig an, promovierte 1821 und lehrte seitdem erst als außerordentlicher und seit 1825 als ordentlicher Professor der philosophischen und schönen Wissenschaften auch am Collegium Carolinum. Als 1828 in Braunschweig das Gesamtgymnasium gegründet wurde, übernahm G. außerdem am Obergymnasium den Unterricht in Deutsch, Mathematik, philosophischer Propädeutik und Musik. – Seine bei seinem Doppelamte nur spärliche Freizeit widmete er neben seinen schriftstellerischen Arbeiten vorwiegend dem Werke Johann Sebastian Bachs. Er gründete eine Singakademie, mit der er die Chorwerke Bachs aufführte, und gab seit 1837 mit F. A. Roitzsch die Klavierwerke und seit 1844 die „kritisch-korrekte“ Gesamtausgabe der Orgelwerke Bachs im Musikverlage Peters in Leipzig heraus.

    G. war ein vielseitiger, auch künstlerisch hochbegabter Pädagoge von unverwüstlicher Arbeitskraft, der nach seinen eigenen Worten noch als Sechziger „fest zugreifen konnte und mit erhaltenem Jugendgefühl nach innen seinen heiteren Tag dahinlebte“. Lebenslang blieb er in Theorie und Praxis der unermüdliche Interpret der philosophischen und pädagogischen Lehre seines Meisters Herbart, der ihm 1836 seine Briefe über die „Freiheit des menschlichen Willens“ widmete. – Als Musikpädagoge war G. ein allseitig anerkannter Meister des Gesangunterrichts und einer der ersten Wiederentdecker Johann Sebastian Bachs.

  • Werke

    Weitere W u. a. Lehrb. d. Ästhetik, 1827;
    Lehrb. d. Logik, 1828, 21831;
    Briefe an e. jüngeren gel. Freund üb. Philos. u. bes. üb. Herbarts Lehre, 1832.

  • Literatur

    ADB IX;
    V. A. Huber, Erinnerungen an Fellenberg u. Hofwyl, in: Prot. Mbll. f. innere Zeitgesch., 1867;
    Aus d. Werdejahren d. neudt. Musik, Louis Köhlers Erinnerungen u. Schrr., 1933, S. 35-37;
    H. Sievers, F. K. G. u. d. neu aufgefundene Hs. v. Bachs H-moll-Messe, in: Ber. üb. d. wiss. Bachtagung d. Ges. f. Musikforschung, 1951, S. 231-39;
    K. Guggisberg, Philipp Emanuel v. Fellenberg u. s. Erziehungsstaat II, 1953, S. 253-57;
    H. Sievers, in: MGG V, Sp. 908 f. (W, L).

  • Portraits

    Musizierstunde bei G., in: MGG II, Tafel 9.

  • Autor/in

    Walter Asmus
  • Empfohlene Zitierweise

    Asmus, Walter, "Griepenkerl, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 58 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104345616.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Griepenkerl: Friedrich Konrad G., geb. am 10. Decbr. 1782 in Peine bei Hildesheim, gest. 6. April 1849 in Braunschweig, Sohn eines Predigers, besuchte zunächst die damals noch bestehende Bildungsanstalt seiner Gebnrtsstadt, genoß dann seit 1796 den Gymnasialunterricht in Braunschweig und bezog 1805 die Universität Göttingen, wo er sich als Studirender der Theologie inscribirte, aber bald durch Herbart's Vorlesungen über Philosophie und Pädagogik völlig gefesselt wurde. Im J. 1808 ging er auf Herbart's Anrathen nach Hofwyl, woselbst Fellenberg so eben mit der Vorbereitung seiner Erziehungs-Anstalten beschäftigt war, deren Mitgründer und thätiger Förderer G. wurde. Derselbe erhielt dann 1816 eine Anstellung als Collaborator am Katharinen-Gymnasium zu. Braunschweig und 1821, nachdem er promovirt hatte (mit einer Abhandlung „Von der Form der Declination und Conjugation ihrem Begriffe nach"), als außerordentlicher Professor für Philosophie und schöne Wissenschaften am Braunschweiger Karolinum, wo er 1825 für die gleichen Fächer die ordentliche Professur erlangte. Als 1828 in der Organisation der dortigen Gymnasien eine Aenderung eintrat, wurde G. am Obergymnasium Lehrer der deutschen Sprache und Litteratur, der Mathematik und der philosophischen Vorbereitungs-Wissenschaften, während er zugleich am Karolinum Encyklopädie der Philosophie, Logik, Aesthetik und deutsche Litteratur zu vertreten hatte. Später mußte er in Folge von Kränklichkeit seine Thätigkeit am Obergymnasium beschränken, führte aber doch stets dort die Leitung des Gesangunterrichtes, in welchem er allseitig als Meister anerkannt war. Als Musiker war er ein Schüler Forkel's, durch den er die Traditionen der Schule Joh. Seb. Bach's überkam, die er seinerseits fortpflanzte. Er hat dadurch eine nicht unwichtige Stellung in der Musik eingenommen und stand in lebendigen freundschaftlichen Beziehungen zu den hervorragendsten deutschen Musikern der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, wie Zelter, K. M. v. Weber, Spontini, Spohr, Meyerbeer und Mendelssohn. Nach Czerny's Tode übernahm er die Herausgabe der bei Peters erschienenen Bachschen Werke. Durch ein offenherziges, biederes und wohlwollendes Wesen stand er in allgemeinster Achtung. Ein mehrjähriges körperliches Leiden führte schließlich zur Brustwassersucht, welcher er erlag. Abgesehen von Beiträgen, welche er in das Braunschweiger Magazin lieferte, veröffentlichte er „Lehrbuch der Aesthetik“ (1827), worin er die von Herbart nur angedeuteten Grundzüge der Aesthetik in einer mehr lehrhaften, als kritisch untersuchenden Form ausführlich zu entwickeln|versuchte, ferner „Lehrbuch der Logik" (1828, 2. Auflage 1831), gleichfalls auf Herbart's Grundsätzen beruhend, dann „Centifolie, Taschenbuch auf das Jahr 1820“ und „Briefe an einen jüngeren gelehrten Freund über Philosophie und besonders über Herbart's Lehren“ (1832), worin er nicht nur sich selbst als einen warmen Anhänger der Herbart'schen Philosophie kund gab, sondern zu derselben auch Andere mittelst einer populär gehaltenen Uebersicht hinüberzuführen sich bemühte.

    • Literatur

      Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1849, S. 269 ff.

  • Autor/in

    Prantl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Prantl, Carl von, "Griepenkerl, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 654-655 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104345616.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA