Lebensdaten
geboren 2. Hälfte 15. Jahrhundert
Geburtsort
Vils (Tirol)
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Indienreisender
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104221399 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sprenger, Balthasar
  • Springer, Balthasar
  • Sprenger, Balthasar
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Zitierweise

Springer, Balthasar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104221399.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (?), um 1482/87 habsburg. Pfleger auf Burg Fargenstein/Zirl, Jerusalempilger;
    M Anastasia Steidlin (?).

  • Leben

    Seine Elementarbildung dürfte S. in einer gemeinen Schule in Vils erhalten haben. Zum Kaufmann wurde er vermutlich bei den Welsern in Augsburg weitergebildet, die ihn auch auf die gefährliche Mission nach Indien schickten. Auf Einladung Kg. Manuels I. von Portugal durften sich die oberdt. Kaufmannsfamilien der Welser, Fugger, Höchstetter, Gossembrot, Imhoff und Hirschvogel sowie ital. Kaufleute aus Genua und Florenz an der Fahrt des zukünftigen Vizekönigs, Francisco d'Almeida (um 1450–1510), nach Indien beteiligen. Drei der 20 Schiffe der Almeida-Flotte wurden von den oberdt. und ital. Kaufleuten ausgerüstet, u. a. die in Antwerpen vor Anker liegende „S. Leonhard“, auf der S. als Handelsvertreter der Welser mitfuhr (der kgl. portugies. Faktoreischreiber Hans Mayr fuhr auf der „S. Rafael“, der Nürnberger Ulrich Imhof auf der „S. Hieronymus“). Der Flottenverband brach am 23.3.1505 von Rastello, dem Stapelplatz vor Lissabon, zum Kap der Guten Hoffnung auf, das nach gut drei Monaten erreicht wurde. Am 12.9.1505 gelangte man zur ind. Westküste. Nach dem Kauf größerer Mengen Gewürze in der Handelsstadt Cochin trat die „S. Leonhard“ am 5.2.1506 mit drei weiteren Schiffen die Rückreise an. Mit Aufenthalten auf den Kapverdischen Inseln und auf Madeira traf S. am 15.11.1506 nach einer 602 Tage dauernden Reise wieder in Lissabon ein. Er gehörte damit zu den ersten Deutschen, die Indien auf dem Seeweg um die Südspitze Afrikas erreichten. Sein weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Seine Erlebnisse überlieferte S. zunächst in einer lat. Handschrift „Relatio Balthasaris Springeris“, erstellt vor Dez. 1508, die sechs von S. kurz kommentierte Holzschnittblätter von Hans Burgkmair d. Ä. (1508) enthält (heute Univ.bibl. Gießen; 1724 als „Iter Indicum Balthasaris Sp[r]inger“ v. d. Benediktinern Edmond Martène u. Ursin Durand veröff.). 1508 erschien ein von Hans Burgkmair geschaffener, von S. mit knappen Texten versehener Bilderfries mit 6 Holzschnitten (evtl. bei Peter Drach d. J. in Speyer gedruckt, 21511 mit vermutl. v. Georg Glockendon d. Ä. [1484–1514/15] nachgeschnittener Bilderfolge, gedr. in Nürnberg, evtl. bei Anton Koberger; beide Aufl. heute in d. Staats- u. Stadtbibl. Augsburg). 1509 druckte Jakob Köbel (um 1462–1533) den nunmehr gegenüber der Handschrift erheblich erweiterten Reisebericht „Merfart und erfarung nüwer Schiffung und Wege zu viln onerkanten Inseln und Künigreichen“, der neben 15 Seiten Text 13 Holzschnitte (sowie S.s Wappen) nach dem Vorbild Burgkmairs enthielt. Letztere werden Wolf Traut (um 1490–1520) zugeschrieben. 1508 erschien auch eine abweichende Version der „Merfart“ in fläm. Sprache bei Jan van Doesborch in Antwerpen (Die reyse van Lissebone etc., 8 Holzschnitte). Der Reisebericht S.s – ein weiterer von Hans Mayr ist überliefert durch ein Manuskript Valentin Ferdinands (Cod. Hisp. 27, Bayer. Staatsbibl. München) – ist nicht nur eine wichtige Quelle zur portugies. Expansionsgeschichte, sondern auch zu Ethnographie, Geographie und Ökonomie Afrikas und Westindiens zu Beginn des 16. Jh. Nicht minder ist die „Merfart“ ein Spiegelbild kaufmännischer Mentalität zwischen Frömmigkeit und Rechenhaftigkeit.

  • Werke

    Relatio . . . in: Voyage littéraire de deux religieux de deux Benedictins de la Congrétation de S. Maur, Bd. 2, 1724, S. 361–78;
    neue Ausgg.:
    Merfart . . . , in: F. Schulze, B. S.s Indienfahrt 1505/06, 1902;
    F. Hümmerich, Quellen u. Unterss. z. Fahrt d. ersten Deutschen nach d. portugies. Indien 1505/06, 1918, S. 104–26;
    A. Erhard u. E. Ramminger, Meerfahrt, B. S.s Reise zur Pfefferküste, Mit e. Faksimile v. 1509, 1998;
    Reyse . . . , in: C. H. Coote, The Voyage from Lisbon to India 1505–6, 1894 (engl. Übers.);
    Bilderfolge in: H. Burgkmair 1473–1973, 1973, Abb. 30–33.

  • Literatur

    ADB 35;
    F. Kunstmann, Die Fahrt d. ersten Deutschen nach d. portugies. Indien, 1861;
    R. Kleinschmidt, B. S., e. qu.krit. Unters., Diss. Wien 1966;
    H. Stielau, B. S.s „Merfart“ v. 1509, in: Acta Germanica 12, 1980, S. 61–114;
    Ch. v. Imhoff, Nürnbergs Indienpionier, in: Pirckheimer-Jb. 2, 1986, S. 11–44;
    W. Knabe, Auf d. Spuren d. ersten dt. Kaufleute in Indien, 1993, passim;
    W. Raunig, B. S.s „Merfart“ nach Indien 1505/06, in: Indien, Reigen d. Götter, hg. v. Mus. f. Völkerkde., München, 1998, S. 135–42;
    B. Borowka-Clausberg, B. S. u. d. frühneuzeitl. Reiseber., 1999;
    J. Pohle, Dtld. u. d. übersee. Expansion Portugals im 15. u. 16. Jh., 2000;
    H. Wiesflecker, Neue Btrr. zu B. S.s Meerfahrt nach „Groß-India“, in: K. Brandstätter (Hg.), Tirol, Österreich, Italien, 2005, S. 647–60;
    Vf.-Lex. MA2;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Augsburger Stadtlex.;
    Henze, Entdecker;
    Enz. Neuzeit.

  • Autor/in

    Reinhard Jakob
  • Empfohlene Zitierweise

    Jakob, Reinhard, "Springer, Balthasar" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 761-762 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104221399.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sprenger: Balthasar S., von Fylß, gehört zu den Vertretern der Augsburger Handelshäuser (Fugger, Welser, Hochstetter, Hyrßvogel, Imhof u. a.), welche im Beginn des 16. Jahrhunderts von König Emanuel von Portugal die Befugniß erhalten hatten, in den neu entdeckten Ländern Afrikas und Asiens Handel zu treiben. Anfang 1505 wurden von ihnen in Antwerpen drei Schiffe (S. Raphael, Hieronymus und Leonhard) ausgerüstet und bewaffnet, deren Reise um Afrika nach Indien S. in einer kleinen, mit großen Holzschnitten ausgestatteten Schrift von 14 Textseiten beschrieben hat: „Die Merfart vun erfarung nüwer Schiffung vnd Wege zu viln onerkanten Inseln vnd Künigreichen von dem großmechtigen Portugalischen Kunig Emanuel erforscht, funden, bestritten und ingenomen etc. Gedruckt Anno MDIX.“ Eine kürzere Ausgabe ist mit Holzschnitten von Burckmair geschmückt. Sie gingen über Lissabon und Rostal an den Canarien vorbei nach den Bissagos (Bissegitz), wo sie mit anderen portugiesischen Fahrzeugen zusammentrafen. Durch einen Schiffsunfall gezwungen, sich von diesen zu trennen, machten die Schiffe der Deutschen allein ihren Weg vom Grünen Vorgebirge bis zum Vorgebirge der Guten Hoffnung. Im Juli erreichten sie Kiloa, welches mit 8 Schiffen eingenommen und geplündert wurde, da der König keinen Tribut geben wollte, im August trafen sie, 10 Schiffe stark, vor Mombas ein, dessen trefflicher Hafen mit Verständniß gerühmt wird. Auch hier mußte die Veste über dem Hafen und später die Stadt mit bewaffneter Hand genommen werden, wobei, ebenso wie in Kiloa, reiche Beute gemacht wurde. Bei der Ausfahrt verlor der „Leonhard“, auf dem S. fuhr, sein Steuer, wodurch die Abfahrt der jetzt außer den 3 Schiffen der Deutschen, aus drei portugiesischen und 4 oder 5 Schiffen „der kaufleut vß lombardia“ bestehenden Flotte verzögert ward. Ueber Melinde, dessen Oberhaupt friedlich gesinnt war, ging die Fahrt nach Indien, wo auf dem menschenleeren Eiland Ansediff ein Fort gebaut, dann in Ammor mit Erfolg gekämpft und in Cotschin ebenso erfolgreich gehandelt wurde, so daß 4 Schiffe mit Pfeffer beladen werden konnten, die voraus nach Cananor gingen, wo auch S. am Christabend 1505 ankam. Nachdem noch einige Schiffe mit Pfeffer und Gewürzen beladen waren, wurde über Ansediff und S. Christoval die Rückreise angetreten, welche im März 1506 nach Mosambik führte, wo ein beschädigtes Schiff entladen und wiederhergestellt wurde. Der Weg um das Cap der guten Hoffnung erwies sich ungemein schwierig, mehrmals mußte vor Gegenwind zurückgelaufen und in einem Hafen der Küste|(Bahia de las Rocas) Anker geworfen werden. Auch die Bai De la Goa wurde angelaufen, später Ascension und St. Helena gesehen und im Hafen von St. Jago gelandet und verweilt. Im November 1506 kamen die Schiffe vor Lissabon an, nachdem sie noch schwere Krankheiten durchgemacht hatten, die 123 Mann wegrafften. An die Schilderung dieser Reise schließen sich einige beschreibende Bemerkungen über die portugiesischen Gebiete in Afrika und Asien an. Ueber diese Reise gibt auch Lucas Rem's Tagebuch einige Auskunft (herausg. von B. Greiff 1861). Vgl. ferner F. Kunstmann, „Die Fahrt der ersten Deutschen nach dem portugiesischen Indien“ 1861 und Zeitschr. des histor. Vereins für Schwaben etc. 1875.

  • Autor/in

    F. Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Springer, Balthasar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 301-302 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104221399.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA