• Leben

    Mit etwa 16 Jahren in das Predigerkloster seiner Heimatstadt eingetreten, absolvierte J. die philosophisch-theologischen Studien daselbst und im Konvent zu Frankfurt/Main und wird 1346 als Lektor des Straßburger Klosters erwähnt, wo er mit dem Mystiker Johannes Tauler zusammen war. Von Natur aus kein Mann der Aktivität und äußeren Betriebsamkeit, wurde er schon bald aus seiner liebgewonnenen Lehrtätigkeit herausgerissen. Im Auftrag seiner Oberen vertrat er im Konflikt des Kölner Klosters mit der Stadt um den Besitz der toten Hand die Interessen seines Ordens (1347). Als Papst Klemens IV. 1348 die röm. Inquisition in Deutschland einführte, setzte er J. zum Inquisitor für ganz Deutschland ein (1348-64). 1359-72 war J. außerdem päpstl. Nuntius und Kollektor, ein Amt, aus dem ihm viele Gegner erwuchsen. Wiederholt ist er mit der Mitra ausgestattet worden, ein Beweis für das Vertrauen, das er an der Kurie in Avignon besaß. Er gilt als einer der reformeifrigsten Bischöfe des 14. Jh. In allen ihm anvertrauten Bistümern hatte er Streitigkeiten mit den weltlichen Behörden und innerhalb des Klerus zu schlichten, so daß er schnell überall unbeliebt wurde und den Papst um Versetzung bat (Bischof von Kulm 1359, von Hildesheim 1363, von Worms 1365, von Augsburg, zugleich Administrator von Konstanz, 1371). Trotz großer Inanspruchnahme schrieb er während seiner Kulmer und Hildesheimer Zeit den einzig noch erhaltenen „Tractatus de virtutibus cardinalibus“, in dem er „de statu et officiis S. E. R. cardinalium“ handelt. Dieses noch nicht edierte Werk ist für Verfassung und Zustände der Kirche im 14. Jh. von großer Bedeutung.

  • Werke

    Tractatus de virtutibus cardinalibus, Hss., in: Univ.bibl. Paris, Pa Latin 4241, Cod. Calb. 2089, Regius 3913 (106 Bll., kein Original, sondern Abschr., wahrsch. v. e. Deutschen geschrieben), u. in: Stadtarchiv Soest, Hs. 28 (194 S., nach d. Explicit 1413 v. d. Dominikaner Jakob v. Soest geschrieben).

  • Literatur

    J. Quétif u. J. Échard, Scriptores Ordinis Praedicatorum I, 1719, Sp. 672 f.;
    J. H. Beckmann, Stud. z. Leben u. literar. Nachlaß Jakobs v. Soest (1360–1440), 1929, S. 50, 115;
    G. Löhr, Die Kölner Dominikanerschule v. 14. b. z. 16. Jh., 1946, S. 43 f.;
    F. Zoepfl, Das Bistum Augsburg u. s. Bischöfe im MA, 1955, S. 321-25;
    G. Gieraths, J. Sch., in: Archiv f. mittelrhein. KG 12, 1960, S. 98-128.

  • Autor/in

    Paul-Gundolf Gieraths OP
  • Empfohlene Zitierweise

    Gieraths OP, Paul-Gundolf, "Johannes Schadland" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 543 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104119594.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA