Lebensdaten
um 1460 bis um 1515
Beruf/Funktion
Luzerner Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104097957 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schilling, Diebold

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schilling, Diebold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104097957.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (s. 2);
    M N. N.;
    Ov Diebold d. Ä. (s. 1).

  • Leben

    S. nahm 1477 an der Schlacht von Nancy gegen Karl den Kühnen von Burgund teil und trat nach dem Studium der Theologie, vermutlich in Basel, und des kanonischen Rechts in Pavia als Schreiber in die Luzerner Kanzlei ein. 1479 wurde er öffentlicher, 1482 ksl. und päpstl. Notar. 1481 erhielt er die Priesterweihe und bekam 1483 eine Pfründe in Luzern, die ihm 1487 im Zusammenhang mit einer Verhaftung wegen eines nicht näher bezeichneten Vergehens entzogen wurde. 1489 wurde er begnadigt und wieder in sein Amt eingesetzt. Eine Anklage wegen eines|nicht eindeutig geklärten Totschlags 1490 endete mit einem Vergleich. Als Notar war er 1494-97 im Weinhandel tätig. Seit 1497 war er Dolmetscher des mailänd. Gesandten Torinelli. Als Anhänger der antifranz. Partei stellte er sich in die Dienste Ks. Maximilians I., zu dem er auch nach der Niederlage der Eidgenossen bei Marignano 1515 hielt.

    Vermutlich in amtlichem Auftrag verfaßte S. zwischen 1511 und 1513 eine „Schweizer Chronik“ (Luzern, Zentralbibl., S 23 fol., P), deren mit 443 Bildern ausgestattete Prachthandschrift von 341 Blättern er 1513 dem Luzerner Rat überreichte. Das auch als „Luzerner Chronik“ bezeichnete Werk reicht von der Gründung Luzerns bis 1509 und schreibt im wesentlichen, besonders für die Jahre 1385-1503, die um 1505 entstandene und 1507 in einem Basler Druck Michael Furters ( 1517) publizierte „Kronica von der loblichen Eydtgnoschaft“ des Petermann Etterlin (1430/40-um 1509) aus. Auch die übrigen Quellen, auf die S. sich stützte, sind bis auf die „Chronik der Stadt Zürich“ (1415-18) meist im Druck verbreitete Werke: Hartmann Schedels (1440–1514) „Weltchronik“, Nikolaus Schradins (bezeugt zw. 1488 u. 1531) Reimchronik über den Schwabenkrieg und die vorwiegend lat. Texte Heinrich Gundelfingens (1440/50-90). Auf die Chroniken seines Onkels Diebold d. Ä. bezog S. sich nicht, integrierte jedoch eigene Erfahrungen und Erlebnisse, meist mit stark antifranz. Tendenz, in die als schriftliche Quellen ausgeschöpften Referenztexte. Etwa ein Drittel der kulturhistorisch informativen Illustrationen der Chronikhandschrift stammt von dem Luzerner Meister Hans v. Arx, der Rest von anderen professionellen Buchmalern; ob sich S. an der Ausmalung beteiligte, ist umstritten.

  • Werke

    D. S.s Luzerner Bilderchronik, hg. v. R. Durrer u. P. Hilber, 1932;
    Die Schweizer Bilderchronik d. Luzerner D. S. 1513, hg. v. Alfred A. Schmid, 1977 (Faks.) u. 1981 (Kommentar).

  • Literatur

    P. Hilber, Des Luzerners D. S. Bilderchronik, 1928;
    C. Pfaff u. T. Ottinger, Die Luzerner Chronik d. D. S. aus d. J. 1513, 1972;
    Die Fam. S., in: Die Schweizer Bilderchronik d. Luzerners D. S. 1513, hg. v. Alfred A. Schmid, 1981, S. 535-40;
    W. Baum, Sigmund d. Münzreiche, Zur Gesch. Tirols u. d. habsburg. Länder im SpätMA, 1987;
    HBLS;
    s. a. L zu 1).

  • Autor/in

    Norbert H. Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Norbert H., "Schilling, Diebold" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 771-772 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104097957.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schilling *)Zu Bd. XXXI, S. 255.: Diebold S. in Luzern, Kaplan am Stift daselbst und Chronikschreiber, geboren um 1460, am 3. December 1517—1522 (welchen Jahres ist ungewiß). — S. war der Sohn des in Luzern eingebürgerten Solothurners Hans S., Unterschreibers in Luzern, und Bruderssohn des Berner Chronisten seines Namens (s. oben). Als junger Mann unter dem Schultheißen Haßfurter im luzernischen Contingent bei Nancy kämpfend (5. Januar 1477), wandte er sich nach der Heimkehr Studien zu, besuchte die Hochschule Basel, wurde 1479 Cleriker und Schreiber und trat als Substitut seines Vaters in die luzernische Kanzlei. Er begleitete letzteren auf den für das Fortbestehen der Eidgenossenschaft entscheidenden Tag von Stans im December 1481 und erhielt 1483 vom Rathe seine erste Pfründe, die sogen. Laienpfründe, am Stifte im Hofe Luzern, nachdem er eine Zeitlang die Pfründe U. L. Fr. in der St. Peterscapelle in der Stadt provisorisch bekleidet hatte. Indessen scheint S. wenig Anmuthung und innern Beruf zum geistlichen Amte besessen zu haben, vielmehr von der Art des Vaters, eines vielgeschäftigen, erwerbsüchtigen und in viele Händel verwickelten Mannes gewesen zu sein. Aus unbekannter Ursache 1487 seiner Pfründe verlustig erklärt und ins Gefängniß gesetzt, auf Fürbitte des Vaters und des Melchior Ruß (s. A. D. B. XXX, 9) gegen Caution freigelassen, erhielt er erst 1489 gegen Versprechen des Wohlverhaltens seine Pfründe wieder. 1482 erwarb er das Patent eines kaiserlichen und päpstlichen Notars, beschäftigte sich daneben 1494/97 mit Weinhandel, wurde 1497 Dolmetscher des mailändischen Gesandten Torniell in Luzern und nahm von jetzt mehr und mehr an politischen Händeln der Zeit Antheil. Eifriger Parteigänger für Mailands Herzog Ludwig Moro, 1500 bei demselben in Novarra, 1507 von Kaiser Maximilian, der sich seiner zu bedienen gedachte, nach Constanz gerufen, blieb S. im Gegensatz zu den Französischgesinnten ein steter und thätiger Anhänger und Agent der kaiserlichen Politik und des Hauses Sforza in Mailand. 1512 im Gefolge Herzog Maximilian's bei dessen Einsetzung in Mailand durch die Eidgenossen, 1513 von demselben mit Aussichten auf Pfründen im Mailändischen bedacht, stand er auch nach dem Siege Frankreichs bei Marignano treu zu der einmal ergriffenen Partei und betheiligte sich noch 1516 an des Kaisers fruchtlosem Feldzuge, der den Franzosen das eroberte Mailand wieder entreißen wollte. Schilling's Pfründenbesitz in Luzern hatte sich mittlerweile verändert; 1496 hatte er die Pfründe von St. Catharina in der St. Peterscapelle erhalten und scheint mit derselben, anstatt der ihm früher zuertheilten sogen. Laienpfründe, diejenige der Caplanei von St. Catharina im Hofe verbunden zu haben. Bald nach 1516, an einem 3. December, vor 1523, starb er. Bleibend brachte seinen Namen die Chronik von Luzern auf die Nachwelt, welche er in den Jahren 1507—13 verfaßte und vor Ende 1513 dem Rathe überreichte. Kunsthistorisch ist dies Werk Schilling's durch eine Reihe von 443 Bildern, die auf 341 Folioblättern Pergament gemalt sind, höchst bemerkenswerth; die Bilder gehören zu den vorzüglichsten Arbeiten solcher Art aus damaliger Zeit. Der Text der Chronik, die von den Anfängen Luzerns bis auf das Jahr 1509 reicht und von welcher Abschriften sich wie in Luzern, so auch in Beromünster, in Zürich und Aarau vorfinden, beruht wesentlich auf dem Vorbilde von Etterlin (s. A. D. B. VI, 397), den S. sich zum Muster nahm und für die Jahre 1385—1503 als Hauptquelle benutzte, obwohl er auch Eberhard Mülner (s. A. D. B. XXII, 710), Melchior Ruß und Gundelfinger kannte und nicht unbenutzt ließ. Für die schweizerische Geschichte ist die Chronik Schilling's hauptsächlich durch zwei Dinge von entschiedener Bedeutung: durch die Schilderung, welche S. als naher Augenzeuge von den Vorgängen in Stans bei Abschluß des Stanser-Vorkommnisses vom 22. December 1481 unter dem Einfluß von Niklaus v. Flüe (s. A. D. B. VII, 135) in Wort und Bild in klarster Weise gibt, sowie durch Schilling's selbständige Darstellung der schweizerischen Ereignisse bis 1513 und der wetteifernden Bemühungen der Nachbarmächte Oesterreich, Frankreich und Mailand um die Eidgenossen.

    • Literatur

      Diebold Schilling's des Lucerners Schweizer-Chronik. 4°. Luzern, Schiffmann 1862. — Dr. Th. v. Liebenau, Chronikschreiber Diebold Schilling von Luzern, in den Monatsrosen. Organ des kathol. Studentenvereins. 15. Jahrgang 1871, Luzern, und daselbst genannte Quellen.

  • Autor/in

    G. v. Wyß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Georg von, "Schilling, Diebold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 717-718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104097957.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA