Lebensdaten
1721 bis 1800
Geburtsort
Rzeszow (Galizien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Rabbiner ; Oberrabbiner von Berlin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 102787123 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Levin, Hirschel
  • Loebel, Hirsch
  • Hirsch ben Arje Löb Berlin, Zebi
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Zitierweise

Levin, Hirsch, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102787123.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Vater Arje Löb (1690/91-1755), Rabbiner in Tarnopol, Rzeszow, Glogau u. seit 1740 in Amsterdam, wo er d. „große Lehrhaus“ gründete (s. Enc. Jud. III), S d. Rabbiners Saul ben Herschel in Brest;
    M Mirjam, T d. Zebi Aschkenasi (1660–1718), Talmudgel. (s. Enc. Jud. III);
    Om Jakob Emden (1697–1776), Rabbiner in Emden, seit 1733 Drucker in Altona (s. Enc. Jud. VI);
    Vt Avigdor Levi ( n. 1810), Talmudlehrer in B., seit 1768 in Prag, Vf. e. hebr. Grammatik;
    K u. a. Saul Berlin (1740–94), Talmudgel. (s. Enc. Jud. IV), Salomon Hirschel (1762–1842), seit 1802 Oberrabbiner v. London (s. Enc. Jud. VIII).

  • Leben

    Neben dem Studium des Talmud widmete sich L. weitgehend autodidaktisch den Naturwissenschaften und der Philosophie, der jüd. Geschichte, der hebr. Grammatik und Literatur er schrieb auch hebr. Gedichte. Im Altonaer Amulettenstreit, in dem Jakob Emden Jonathan Eibeschütz der sabbatianischen Ketzerei bezichtigte, vertrat er – wie sein Vater und die meisten deutschen Rabbiner – die Position Emdens, während sich Eibeschütz auf eine große Gefolgschaft in Osteuropa stützen konnte. Emden sorgte dafür, daß sein Neffe 1757 das Rabbinat in London erhielt. Wegen der dort herrschenden theologischen Querelen wurde L. seines Amtes aber nicht froh. 1764 ging er nach Halberstadt, 1770 nach Mannheim und 1772/73 als (letzter) Ober-Landrabbiner nach Berlin. Er schloß Freundschaft mit Moses Mendelssohn, ohne dessen Philosophie zu akzeptieren. Sehr bald erhielt er von der preuß. Regierung den Auftrag, die „Ritualgesetze der Juden, betreffend Erbschaften, Vormundschaftssachen, Testamente und Ehesachen, insoweit sie das Mein und Dein angehen“, in deutscher Sprache darzulegen, damit die Landgerichte danach verfahren könnten. Dieses Gesetzeswerk, unter seiner Aufsicht von Mendelssohn formuliert, wurde 1778 veröffentlicht (51826, poln. 1830). Im selben Jahr erteilte L. der Mendelssohnschen Pentateuch-Übersetzung die Approbation; er bezeichnete sie als gottgefälliges Werk, das dazu beitragen möge, die Unkenntnis der deutschen Sprache bei den Juden in Deutschland zu beseitigen. Demselben Zweck sollte die von David Friedländer und Isaak David Itzig gegründete, 1778 eröffnete „Jüd. Freyschule“ dienen, an der erstmals in deutscher Sprache unterrichtet wurde. Dagegen bekämpfte L. das Erziehungsprogramm der jüd. Aufklärung, wie es Herz Wessely 1782 entwickelt hatte, scheiterte aber am Widerstand der Gemeinde. Da er gleichzeitig gegenüber den aufklärerischen Schriften seines Sohnes Saul Berlin Nachsicht walten ließ, trug er selbst zur Schwächung seiner Position im Kampf gegen Wessely bei. Konnte er schon nicht als Förderer der jüd. Aufklärung gewonnen werden, so hat er sie dank seiner ambivalenten Haltung auch nicht nachhaltig behindert. Unumstritten war L. indessen als talmudische Autorität und als hervorragender Talmudlehrer, der die Eigentümlichkeiten der deutsch-poln. Schule mit denen der sefardischen vereinigte.

  • Literatur

    B. H. Auerbach, Gesch. d. israelit. Gemeinde Halberstadt, 1866;
    S. Stern, Der preuß. Staat u. d. Juden I, 1925;
    E. Wolbe, Gesch. d. Juden in Berlin u. in d. Mark Brandenburg, 1937;
    C. Roth, Hist. of the Great Synagogue, 1950;
    Enc. Jud. VIII, 1931 (unter „Hirschel, Levin“, W, L);
    Enc. Jud. XI, 1971 (W. L, P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Levin, Hirsch" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 399 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102787123.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA