Lebensdaten
erwähnt 566 oder 569 , gestorben nach 587
Beruf/Funktion
Bischof von Trier ; Heiliger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 10251206X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Magnericus
  • Magnerich von Trier
  • Magnerich
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Zitierweise

Magnerich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10251206X.html [13.12.2018].

CC0

  • Leben

    M. wird in den mittelalterlichen Trierer Bischofslisten als Nachfolger des hl. Nicetius geführt. Seine Erhebung auf den Bischofsstuhl dürfte in die Jahre 566-69 fallen, als ihm Venantius Fortunatus ein Lobgedicht widmete, in dem er ihn als Schüler des Nicetius bezeichnete. Erst um die Jahrtausendwende fand M. seinen Biographen in dem Abte Eberwin von St. Martin (Trier), der sich bemühte, seinem durch den Erzbischof Theoderich (965–77) erneuerten Kloster eine Tradition zu geben. Seine Kenntnisse bezog Eberwin im wesentlichen aus den Historien Gregors von Tours, dem erwähnten Gedicht des Venantius Fortunatus sowie der Lebensbeschreibung des Bischofs Gaugerich von Cambrai, den M. bei einer Visitationsreise in den Westen seiner Diözese, nach Ivoix (Carignan), kennengelernt und als Schüler, dann Mitglied des Tierer Klerus, an sich gezogen hatte. Die Herkunft M.s liegt im Dunkeln. Er entstammte wohl einer moselländ. Familie und ist vielleicht der erste Germane auf dem Trierer Bischofsstuhl, wenn man vom Namen ausgeht, was freilich nicht als unbedingt schlüssiger Beweis gelten kann. Eine sehr späte St. Martiner Tradition, die ihn als Nachkommen des Konsuls Tetradius, des Stifters der als Vorgängerkirche der Abtei geltenden Heiligkreuzkirche, ansieht, ist jedenfalls unglaubwürdig. Einige wenige genaue Daten liefert Gregor von Tours, der den Trierer Bischof persönlich gekannt hat 585 wählte Kg. Childebert II. M. zum Taufpaten für seinen Sohn, den späteren Kg. Theudebert II. Zwei Jahre später nahm der Trierer Bischof am merowing. Familienkongreß von Andelot teil. Hier erbat der zum Tode verurteilte Herzog Guntram-Boso seine Hilfe, doch vermochte M. vor dem Zorn der Könige Childebert II. und Guntram von Burgund sein eigenes Leben nur mit Mühe zu retten. Dem exilierten Bischof Theodor von Marseille erwies er – vielleicht um 581 – in Trier trotz aller Verbote seine Zuneigung als Mitbruder. Er soll engere Beziehungen zu einem Kreis von Eremiten gehabt haben, ohne aber exzentrisches Verhalten – wie die Nachahmung Simeons des Styliten durch den Langobarden Wulfilaich – zu dulden. Die späte Biographie schreibt ihm eine besondere Verehrung des hl. Martin zu und gibt an, daß er diesem Heiligen drei Kirchen erbaut habe: eine in der Woëvre und eine zweite auf seinem Familiengut in Karden an der Mosel; die dritte, die er freilich nicht erst errichtete, sondern eher restaurierte, war die spätere Abtei St. Martin, in der er Benediktinermönche eingeführt haben soll und deren ursprüngliches Patrozinium (Heiligkreuz) er änderte. Von zeitgenössischen Quellen her ist diese Tradition nicht überprüfbar. Die Trierer Kirche feiert ihn am 27. Juli als Heiligen; nach späteren Nachrichten soll er an einem 25. Juli gestorben sein. Auch für seine beiden Nachfolger Gunderich (Gaugericus) und Sabaudus lassen sich nur wenige Daten eruieren. Jedenfalls unterzeichnete M.s zweiter Nachfolger Sabaudus 614 die Akten des Konzils von Paris.

  • Literatur

    ADB 20; Vita in:
    Acta Sanctorum Iul. VI, ed. I. Pinius, 1799, S. 183-92; Auszüge:
    De Abbatia s. Martini ex vita s. Magnerici auctore Eberwino, ed. G. Waitz, in: VIII, S. 208 ff.;
    Ex vita s. Magnerici, ed. H. V. Sauerland, in: Trierer Gesch.qu. d. 11. Jh., 1889, S. 41-45 (dazu: In festivitate sci. Magnerici archiepiscopi, S. 53 f.);
    Gesta Treverorum c. 24, ed. G. Waitz, in: VIII, S. 159 f.;
    Venantius Fortunatus, ed. W. Gundlach, in: MG Epp. III, Nr. 14, S. 128;
    Gregor v. Tours, Historiarum 1. VIII, ed. B. Krusch, in: I, c. 12, S. 378 f., c. 15, S. 380 ff., c. 37, S. 405, l. IX, c. 10, S. 424 f.;
    Vita s. Gaugerici, ed. B. Krusch, in: III, c. 1, S. 652;
    - A. Goerz, Mittelrhein. Regg. I, 1876, S. 14-17;
    P. Miesges, Der Trierer Festkal., 1915, S. 72;
    L. Duchesne, Fastes episcopaux de l'ancienne Gaule III, 1915, S. 38;
    E. Winheller, Die Lebensbeschreibungen d. vorkaroling. Bischöfe v. Trier, 1935, S. 106-21;
    E. Ewig, Trier im Merowingerreich, Civitas, Stadt, Bistum, 1954, S. 107-11 u. ö.;
    ders., in: Rhein. Gesch., hrsg. v. F. Petri u. G. Droege, I, 2, 1980, S. 37, 58, 60 f., 67;
    F. Pauly, Aus d. Gesch. d. Bistums Trier, 2. T.: Die Bischöfe b. z. Ende d. MA, 1969, S. 33 f.;
    N. Gauthier, L'évangélisation des pays de la Moselle, 1980, S. 189-204;
    LThK.

  • Autor/in

    Egon Boshof
  • Empfohlene Zitierweise

    Boshof, Egon, "Magnerich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 658 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10251206X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Magnericus (Magnerich), Bischof von Trier, nach gewöhnlicher Annahme der unmittelbare Nachfolger seines Lehrers, des heiligen Nicetius (s. d. Art.), während andere Quellen Rusticus zwischen beide einschieben. Die früheste Erwähnung seines Episcopats ist die bei Gregor. Turon., Hist. Franc. VIII. 12, wo erzählt wird, daß M. den als Gefangenen durch Trier gebrachten Bischof Theodorus von Marseille begrüßte. Er muß dem merowingischen Königshause nahe gestanden und überhaupt ein sehr angesehener Mann gewesen sein, da Childebert II. ihn 586 zum Taufpathen seines Sohnes Theodebert II. gewann (Greg. Tur. a. a. O. VIII. 37). Auf dem zu Andelot zwischen Langres und Nancy im November 587 gefeierten Familiencongresse der Könige Childebert und Guntram kam er in Todesgefahr, als sich der zum Tod verurtheilte Herzog Guntram Boso in sein Haus flüchtete und dies auf Befehl des Königs angezündet wurde. Venantius Fortunatus besang die Tugenden und besonders die Mildthätigkeit des M. in dem Gedichte de Magnerico Trev. episcopo (ed. Brower p. 84, no. 11; ed. Leo App. p. 291). Nach den Gesten wäre er von einer großen Zahl heiliger Einsiedler umgeben gewesen, die zu seiner Zeit seinen Sprengel bewohnten: so Paulus auf dem Cebennaberg bei Trier, später Bischof von Verdun, Ingobert und Disibodus, Wendalinus. Carileffus, der Longobarde Wulflaich, der einzige im Abendlande erwähnte Säulenheilige, den Gregor von Tours bei Ivois (Carignan) traf (VIII. 15); endlich die Brüder Bantus und Beatus, von denen jener in dem Testament Grimo's vom Jahre 633 vorkommt. Die Gesten berichten ferner, M. habe vier dem heiligen Martin von Tours geweihte Kirchen erbaut: eine bei Ivois, eine bei Carta domus (Carden an der Untermosel), eine in der Stadt Trier und eine auf dem St. Martins- oder Deumelberg bei Trier. Nach derselben Quelle ward M. in dem Martinskloster in Trier beigesetzt. Sein Todesjahr ist nicht beglaubigt, die meisten (Boll. Jul. VI. 178, und 59; Brower, Ann. I. 336; Masen, Ep. 151; Hontheim, Prodr. I, LXI) setzen es 596 und berechnen sein Episcopat von 573—596.

    • Literatur

      Vgl. Gesta Trev. ed. Wyttenbach I. 64 und dazu Waitz zu MG. SS. VIII. 114. Clouet I. 517. Rettberg I. 464. Friedrich II. 191. Leonhardy, Gesch. d. Tr. Landes, S. 361. Marx, Gesch. d. Erzst., I. 85. Die Acta SS., Brower, Masen. Hontheim a. a. O. Görz, Mittelrhein. Regesten, I. 15 bis 17.

  • Autor/in

    F X. Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Magnerich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 62 unter Magnericus [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10251206X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA