Lebensdaten
erwähnt um 1275 , gestorben 1335
Sterbeort
Stuhm
Beruf/Funktion
Hochmeister des Deutschen Ordens ; Herzog von Braunschweig-Lüneburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102507589 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Luther
  • Lothar
  • Lothar von Braunschweig-Lüneburg
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Zitierweise

Luther von Braunschweig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102507589.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Albrecht I. d. Gr. v. B. (1236–79), S d. Hzg. Otto d. Kindes v. B. (1204–52) u. d. Mathilde v. Brandenburg;
    M Alesina ( 1285), T d. Mgf. Bonifaz v. Montferrat u. d. Margarete v. Savoyen; Schwägerin Beatrix v. Savoyen ( Kg. Manfred v. Sizilien, 1266).

  • Leben

    Gemäß den traditionell freundlichen Beziehungen seines Hauses zum Orden – 1240 hatte der Großvater, 1265 der Vater an den Prußenkämpfen der Brüder teilgenommen – trat L. nach dem Febr. 1287 in den Deutschen Orden ein. 1297 erstmals urkundlich in Preußen genannt, 1308-12 Komtur in Gollub, rückte er 1314 als Komtur von Christburg und oberster Trappier in den Rang eines Großgebietigers auf. Diese Funktion, in der er sich um die Besiedlung der Landschaften Pomesanien und Sassen verdient machte, behielt er bis zu seiner Hochmeisterwahl am 17.2.1331. In seine Regierungszeit fällt das vorläufige Ende (1333) der seit 1327 andauernden Feindseligkeiten mit Polen. Er förderte die geistliche Dichtung im Ordensland und trat selbst als Verfasser einer deutschsprachigen, jedoch nicht erhaltenen Barbara-Legende hervor; in seinem Auftrag begann der Priesterbruder Nikolaus von Jeroschin seine deutsche Versübertragung der lat. Ordenschronik des Peter von Dusburg. Die Förderung des Kirchenbaus in Preußen gilt als weiteres Verdienst L.s.

  • Literatur

    ADB III;
    O. Schreiber, Die Personal- u. Amtsdaten d. Hochmeister d. Dt. Ritterordens v. s. Gründung b. z. J. 1525, in: Oberländ. Gesch.bll. 3, 1909-13;
    A. B. E. v. d. Oelsnitz, Herkunft u. Wappen d. Hochmeister d. Dt. Ordens 1198-1525, 1926;
    K. Kasiske, Die Siedlungstätigkeit d. Dt. Ordens im östl. Preußen b. z. J. 1410, 1934;
    E. Maschke, Der dt. Ordensstaat, Gestalten s. gr. Meister, 1935;
    K. Helm u. W. Ziesemer, Die Lit. d. Dt. Ritterordens, 1951;
    Altpr. Biogr.

  • Autor/in

    Klaus Scholz
  • Empfohlene Zitierweise

    Scholz, Klaus, "Luther von Braunschweig" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 540 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102507589.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Braunschweig: Luther, Herzog von B., ein Sohn Herzog Albrechts des Großen, etwa seit 1280 Bruder des deutschen Ordens, seit 1314 oberster Trapier und Komtur zu Christburg, am 17. Februar 1331 zum Hochmeister gewählt,|gestorben gleich nach Ostern (wahrscheinlich 18. April) 1335, bestattet in dem Chore des neuen, aber nicht durch ihn, sondern durch den Bischof von Samland erbauten Domes zu Königsberg. Den Angelpunkt der auswärtigen Politik seiner kurzen hochmeisterlichen Regierung bilden die Verhältnisse mit Polen, die sich an die Erwerbung des von Polen gleichfalls beanspruchten Pommerellen anknüpften. Bei Luthers Wahl befand man sich noch in dem im October des vorhergegangenen Jahres geschlossenen Waffenstillstande, die Könige Karl von Ungarn und Johann von Böhmen sollten durch schiedsrichterliches Urtheil den Zwiespalt um Pommerellen und das ebenfalls umstrittene Land Dobrzin für immer beilegen. Da der Waffenstillstand ablief, ohne daß es zu einer gütlichen Entscheidung kam, und da auf keiner von beiden Seiten ernster Wille zum Frieden, zum Nachgeben vorhanden war, so brach der Kampf im Sommer 1331 wieder aus. In diesem Jahre noch wurde Großpolen von einem starken Ordensheere zwei Monate lang unter fürchterlichen Verwüstungen durchzogen, eine Diversion des Böhmenkönigs zu Gunsten des Ordens kam zu spät; im folgenden Jahre wurde Kujawien angefallen; dieses aber beschlossen die Ritter vorläufig zu behaupten, um sich schließlich durch seine Herausgabe den älteren Besitz zu wahren; sie erbauten Burgen im Lande und setzten Beamte ein. Gleich darauf rückte der König Wladislaw Lokietek bis an die Drewenz, um ins Kulmerland einzubrechen; obgleich ihm jetzt der Hochmeister selbst mit starker Macht entgegentrat, erfolgte kein Kampf, da die Vermittlung „frommer und ehrenwerther Männer“ eine neue Waffenruhe und ein neues Compromiß auf die beiden Könige zu Wege brachte. Der Tod des Königs Wladislaw, die Nachfolge seines friedlicher gesinnten Sohnes Kasimir, sowie auf der anderen Seite das hohe Alter des Hochmeisters verhinderten den Wiederausbruch des Kampfes, und obwol der schiedsrichterliche Austrag auch jetzt noch ausblieb, wurde der Waffenstillstand immer wieder verlängert. — Der Heidenkampf gegen die Littauer ruhte unter L. v. B. bis auf eine vereinzelte kleine Unternehmung ganz. — Einen besonderen, ihm allein unter den Hochmeistern eigenthümlichen Ruhm hat sich L. v. B. dadurch erworben, daß er nicht blos ein Gönner und Förderer der deutschen Dichtkunst war, sondern selbst ausübender Dichter, und das „zu einer Zeit, wo im Süden Deutschlands die Dichtkunst nur noch ein kümmerliches Dasein fristete, ja fast zu völliger Bedeutungslosigkeit herabgesunken war“. Er verfaßte unter anderem Unbekannten eine gereimte Bearbeitung der Legende von der h. Barbara, die leider auch verloren gegangen ist, er veranlaßte eine noch vorhandene gereimte Uebersetzung des Propheten Daniel, und auf seine ausdrückliche Bitte begann der Ordenspriester Nicolaus von Jeroschin seine Umarbeitung der lateinischen Ordenschronik Peters von Dusburg in eine deutsche Reimchronik. Welche bedeutende Wirkung in Preußen dieser Anstoß gehabt hat, dafür zeugt deutlich die verhältnißmäßig große Anzahl von Handschriften deutscher Dichtwerke, theils fremder, theils einheimischer, die sich aus jener Zeit her bis jetzt erhalten hat. Auch als Liebhaber des Kirchengesanges wird der Meister gerühmt, und als Beförderer des Schulwesens zeigen ihn mehrere Urkunden.

    • Literatur

      Die Quellen im ersten und zweiten Bande der Scriptores rerum Prussicarum. — J. Voigt, Geschichte Preußens IV. S. 478—519. — Fr. Pfeiffer, Die Deutschordenschronik des Nicolaus von Jeroschin (1854), S. XXIV—XXXI der Einleitung. — Steffenhagen, Zur Geschichte der deutschen Poesie in Preußen im 14. Jahrhundert, in: Neue Preuß. Provinzialblätter 1861. II.

  • Autor/in

    Lohmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohmeyer, "Luther von Braunschweig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 275-276 unter Braunschweig [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102507589.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA