Lebensdaten
vermutlich 1222 bis 1288
Geburtsort
Isny (Allgäu)
Sterbeort
Hagenau (Elsaß)
Beruf/Funktion
Erzbischof von Mainz ; Bischof von Basel
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102501440 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich II.
  • Heinrich IV. (als Bischof von Basel)
  • Heinrich IV. Knoderer
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Heinrich II. Knoderer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102501440.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Handwerkerfam.;
    V N. N. Knoderer, wahrsch. Schmied.

  • Leben

    H. trat in den Minoritenorden ein, studierte in Paris, erlangte den Titel eines Doktors der Theologie und war dann Ordenslektor in Basel und Mainz. Von seiner wissenschaftlichen Produktion sind Auszüge aus den Werken des Bonaventura erhalten. Vielleicht schon aus der Zeit seiner Tätigkeit in Basel datiert seine Bekanntschaft mit Rudolf von Habsburg, dessen engster Vertrauter er nach der Königswahl wurde. Ende August 1274 sandte ihn der König zusammen mit dem Protonotar Heinrich an die päpstliche Kurie nach Lyon, wo H. über die endgültige Anerkennungs Rudolfs verhandelte, die Gregor X. am 26.9.1274 aussprach. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde er erneut vom König zu einem der Gesandten erwählt, die mit dem Papst jetzt über die Kaiserkrönung beraten sollten. H. war auch in den folgenden Jahren an diesen Verhandlungen maßgeblich beteiligt. Gregor ernannte ihn zum Bischof von Basel und weihte ihn am 9.10.1275 in Lausanne. Als Oberhaupt des für den Ausbau der habsburgischen Landesherrschaft wichtigen Bistums Basel war H. weiterhin im Dienste des Königs und wurde mit zahlreichen diplomatischen Missionen beauftragt, so 1276 zu den Nachfolgern Gregors X., Innocenz V. und Hadrian V., wo es erneut um die Kaiserkrönung ging. Bereits im Januar 1276 hatte er zwischen den rheinischen Erzbischöfen und Rudolf vermittelt. Im September 1277 ging er nach England, um über die Heirat des Königssohnes Hartmann mit Johanna, der Tochter Eduards I. von England, zu verhandeln. Im entscheidenden Kampf zwischen Rudolf und Ottokar von Böhmen im Sommer 1278 unterstützte H. den König durch ein Kontingent von Rittern; vor der Schlacht auf dem Marchfelde (1278) sprach er dem Heere Mut zu. Nach dem Sieg wurde er zum Statthalter des südlichen Teils von Mähren bestellt. Nach Basel zurückgekehrt (Juli 1279), widmete er sich seiner Diözese, gab am 19.10.1279 dem päpstlichen Abgesandten Giffrid von Anagni seinen Willebrief zur Abtretung der Romagna durch Rudolf als Vorbedingung für die Kaiserkrönung durch Nikolaus III. und unterstützte den König im Herbst 1280 erneut bei einem Kriegszug in Böhmen. 1283 weilte er als königlicher Gesandter in Oberitalien. Nach dem Tode EB Werners von Mainz (1284) kam es dort zu einer Doppelwahl. Im Auftrage Rudolfs begab sich H. im Frühjahr 1286 an die Kurie, wo er sich eigentlich für einen der Gewählten, Peter Reich, einsetzen sollte, dann aber selbst von Honorius IV. nach Mainz transferiert wurde (15.5.1286), während Peter Reich das Bistum Basel erhielt; Rudolf war mit diesem Ausgang sehr zufrieden. – H. war ein geschickter Diplomat, aber auch ein eifriger Verwalter seiner Diözesen; er hatte sicher einen großen, wenn auch quellenmäßig nicht genau greifbaren Einfluß auf den König. Sein Aufstieg vom Handwerkerssohn und Bettelmönch zum ersten Bischof des Reiches setzte jedenfalls in Deutschland seine Zeitgenossen in Erstaunen, und man verdächtigte ihn sogar der Magie. Beim Hochadel, der gewöhnlich die Domkapitel beherrschte, war der aus niederen sozialen Schichten Aufgestiegene mißliebig. Als Erzbischof von Mainz erreichte er den Abschluß eines Landfriedens in Thüringen, erwies sich aber als Feind der Mainzer Juden, wobei er sich wohl die in den Handwerkerschichten, denen er entstammte, traditionelle Judenfeindschaft zu eigen machte. In seinen letzten Jahren war er weiterhin eine Stütze der Politik des Habsburgers; er starb in Hagenau auf einem Zuge des Königs ins Elsaß.

  • Literatur

    ADB XI;
    Regg. z. Gesch. d. Mainzer Erzbischöfe II, bearb. v. J.F. Böhmer u. C. Will, 1886, S. LXXV-LXXXVI, 422-39;
    Regg. Imp. VI: Die Regg. d. Kaiserreichs unter Rudolf, Adolf, Albrecht, Heinrich VII., 1273–1313, 1. Abt. neu bearb. v. O. Redlich, 1898;
    Hauck V, 1;
    K. Eubel. Die Minoriten H. K. u. Konrad Probus, in: HJb. 9, 1888, S. 393-449, 650-73;
    O. Redlich, Rudolf v. Habsburg, Das Dt. Reich nach d. Untergange d. alten Kaisertums, 1903;
    F. Bock, Reichsidee u. Nat.-staaten v. Untergang d. alten Reiches b. z. Kündigung d. dt.-engl. Bündnisses im J. 1341, 1943;
    F. Stegmüller, Rep. commentariorum in sententias Petri Lombardi I, 1947, Nr. 320 (vgl. auch Nr. 122);
    F. Trautz, Die Könige v. England u. d. Reich (1272–1377), 1961, S. 119 ff.;
    P. Herde, Ein unbek. Begleitschreiben Rudolfs v. Habsburg f. Giffrid v. Anagni, in: HJb. 81, 1962, S. 152-58 (L).

  • Autor/in

    Peter Herde
  • Empfohlene Zitierweise

    Herde, Peter, "Heinrich II. Knoderer" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 370-371 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102501440.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich II., Erzbischof von Mainz (1286—88). Nach dem Tode Erzbischof Werners fand eine zwiespältige Wahl statt, indem von einer Partei der Dompropst Peter, von der anderen der Trierer Archidiacon Gerhard v. Eppstein zum Erzbischof ausersehen war. Nach dreijährigem Streit ernannte Papst Honorius IV. den Bischof H. von Basel zum Metropoliten von Deutschland. Dieser war von niederer Herkunft, indem er als der Sohn eines Bürgers von Isny in Würtemberg geboren wurde; er gehörte dem Orden des heiligen Franciscus an und erhielt deshalb von dem Cingulum den Beinamen „Gürtelknopf“. H. besaß eine große Gelehrsamkeit und genoß eine allgemeine Achtung, so daß er von den Mainzern, obgleich sie ihn nicht gewählt hatten, mit allen Ehren aufgenommen wurde. Als Guardian der Minoriten in Luzern war er zu Rudolf von Habsburg in nahe persönliche Beziehungen getreten und sogar dessen Beichtvater geworden, woraus es sich erklärt, daß er jenen in seinem Kampfe gegen den Grafen Eberhard von Würtemberg unterstützte und auch den Frieden zwischen beiden vermittelte. König Rudolf hatte an ihm einen treuen Berather und übertrug ihm die Statthalterschaft in Thüringen und in Meißen. Einmal nennt er ihn in einer Urkunde seine „rechte Hand“. — Während der Regierungszeit Heinrichs erneuerten sich die Kämpfe gegen die Juden in Mainz und da sich eine erhebliche Zahl derselben flüchtete, beauftragte der König die Bürger von Mainz, den Erzbischof bei der Besitzergreifung des von den Juden in Stich gelassenen Eigenthums zu unterstützen. Indessen nahm sich Papst Gregor X. der Juden an und erneuerte die zu deren Schutz im J. 1247 von Papst Innocenz IV. erlassene Bulle. — Als H. im J. 1287 mit dem Könige auf einer Reichs- und Kirchenversammlung in Würzburg weilte, entstand ein großer Tumult, weil ein anwesender päpstlicher Legat von den Prälaten für die nächsten 5 Jahre den Zehnten ihrer Einkünfte verlangte, und es entging derselbe der Gefahr des Todes|nur durch den Schuh des Königs. Die Pläne unseres Erzbischofs, welche auf kirchliche Zucht und eine Reform des Clerus gerichtet waren, wurden durch den am 17. März 1288 erfolgten Tod desselben vereitelt.

  • Autor/in

    Will.
  • Empfohlene Zitierweise

    Will, "Heinrich II. Knoderer" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 539-540 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102501440.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA