Lebensdaten
1770 bis 1849
Geburtsort
Mertschütz bei Liegnitz
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Chirurg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102486743 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hancke, Johann Wenceslaus
  • Hancke, Wenzel
  • Hancke, Johann Wenceslaus
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Zitierweise

Hancke, Wenzel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102486743.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Georg, Erbschultheiß;
    M Maria Anna Rosina Koschke;
    1) 1807 N. N. ( 1825), T d. Kriegs- u. Domänenrats Plümicke, 2) N. N. verw. Schick, 3) N. N., T d. Aug. Frdr. Erdmann v. Krafft (1748–1822), preuß. Gen.-Lt. (s. Priesdorff III, S. 197), u. d. Karoline v. Podewils;
    2 S aus 1), 1 S aus 3).

  • Leben

    H. gehört zu jenen Wundärzten in Preußen, die um die Wende zum 19. Jahrhundert als Armeechirurgen über die Ausbildung an der Berliner Pepinière und weitere Universitätsstudien zu hohen ärztlichen Ämtern aufgestiegen sind. Die wirtschaftliche Notlage seiner Familie verwehrte ihm den Besuch einer höheren Schule. So kam er zu einem Barbierchirurgen in Jauer in die Lehre und erlernte von einem Primaner die lateinische Sprache. Nach seiner Freisprechung (1786) war er als Barbiergeselle tätig, zuletzt in Breslau, wo er 1789 nebenher Vorlesungen über Anatomie, Materia medica und Chirurgie am Anatomischen Institut der Stadt hörte. Als 1790 ein neuer Feldzug gegen Österreich drohte, trat er als Chirurg in die Armee ein. Er besuchte 1794 abermals Vorlesungen in Breslau und wurde 1795 an die chirurgische Pepinière abgeordnet, wo er 1799 seine Prüfungen ablegte. Als Oberchirurg kehrte er zum Militär nach Schlesien zurück, nutzte einen längeren Aufenthalt in Frankfurt/Oder zum weiteren Medizinstudium an der Universität und wurde 1807 zum doctor medicinae et chir. promoviert. Danach siedelte er für immer nach Breslau über, wurde schnell als tüchtiger Operateur bekannt und 1810 als ordinierender Arzt an das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder berufen. Hervorragendes leistete er in den Freiheitskriegen 1813/14 als leitender Oberchirurg des großen Kriegslazaretts auf dem Bürgerwerder, das die zahlreichen Verwundeten aus den Kämpfen um Breslau, Jauer und an der Katzbach zu versorgen hatte (Eisernes Kreuz am weißen Band). Er wurde zum Assessor, später zum Medizinalrat im Provinzial-Kollegium-Medicum Schlesiens und zum Professor an der chirurgischen Lehranstalt in Breslau ernannt und hielt hier Vorlesungen über „Spezielle Chirurgie“. Große Verdienste erwarb er sich auch 1831 als Leiter eines Hospitals um die Bekämpfung der verheerenden Choleraepidemie, die nach der Unterdrückung der polnischen Erhebung auch auf Schlesien übergegriffen hatte. Bis an sein Lebensende unermüdlich tätig, starb er wohl an eben jener Seuche, deren letzte Ausläufer gerade damals Breslau noch einmal erreichten.

    H.s Bedeutung beruht weniger auf originellen wissenschaftlichen Leistungen als auf seinem außerordentlichen operativen Geschick. Vor der Verlegung der Frankfurter Universität wurde in Breslau wohl selten ein größerer Eingriff ohne seinen Rat und seine Hilfe vorgenommen. Auch in seiner Lehrtätigkeit legte er den größten Wert auf den praktischen Unterricht am Krankenbett und im Operationssaal. So waren auch seine Hauptwerke in erster Linie als Lehrbücher für angehende Ärzte und Wundärzte gedacht. Sein ausgezeichneter Aufsatz über die Kopfverletzungen ist noch heute lesenswert. Auch seine Monographie „Über das Chlorzink als Heilmittel gegen die Syphilis, chronische Exantheme und Ulcerationen“ (1841) hat ihn in wissenschaftlichen Kreisen weiter bekannt gemacht. Doch ging er in der Empfehlung des Chlorzinks – insbesondere als Heilmittel gegen Syphilis im II. Stadium – weit über dessen therapeutische Möglichkeiten hinaus, und der Hauptwert der Arbeit liegt wiederum in den praktischen Erfahrungen, die sie vermittelt. H. war sicherlich kein „gelehrter Arzt“ im Sinne seiner Zeit, jedoch wurde die unzulängliche Bildung und Ausbildung seiner Jugendjahre mehr als aufgewogen durch seine aufopfernde Humanität, mit der er in den unruhigen Kriegs-, Seuchen- und Revolutionsjahren seinen Kranken ein unermüdlicher Helfer war. – Nach seinem Tode stiftete die Witwe aus seinem Vermögen die Mittel zur Errichtung eines Hospitals in einem bedürftigen Teil der Stadt. Aus ihm ging später das bekannte Breslauer Krankenhaus hervor, das bis zuletzt seinen Namen trug.

  • Werke

    Weitere W Diss. inauguralis de inaccessa pericardii inflammati diagnosi memorabile quodam morbi huiusque exemplo illustrata, Frankfurt/O. 1807;
    Med.-pract. Bemerkungen üb. d. äußere u. innere Anwendung d. salzsauren Zinks, am Krankenbette gesammelt, in: J. N. Rust, Mgz. f. d. gesamte Heilkde. 22, 1826, S. 373-87;
    Einige Bemerkungen u. Beobachtungen üb. Verletzungen d. Kopfs u. d. Wirbelsäule, ebd. 65, 1846, S. 37-100;
    Über Eröffnung d. Eitergeschwülste nach versch. Methoden, 1829;
    Prophylakt. Heilverfahren b. Verletzungen v. tollen Hunde, u. Behandlung d. eingetretenen Wuthkrankheit, 1832;
    Die asiat. Cholera, 1832. - Verbleib e. Autobiogr. unbek.

  • Literatur

    J. Stein, Gesch. d. Stadt Breslau im 19. Jh., 1884, S. 95;
    J. Graetzer, Lb. hervorragender schles. Ärzte aus d. letzten 4 Jhh., 1889, S. 177;
    Callisen, Bd. 8 u. 28;
    NND 27, S. 465-71;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Markwart Michler
  • Empfohlene Zitierweise

    Michler, Markwart, "Hancke, Wenzel" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 604 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102486743.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA