Lebensdaten
1656 bis 1712
Geburtsort
Straßburg (Elsaß)
Sterbeort
Straßburg (Elsaß)
Beruf/Funktion
Geodät ; Mathematiker ; Arzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 102463441 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eisenschmid, Johann Kaspar
  • Eisenschmid, Johann Caspar
  • Eisenschmid, Johann Kaspar
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Zitierweise

Eisenschmid, Johann Caspar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102463441.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Caspar (1623–96), Kanten- u. Zinngießer in Straßburg, S des Kantengießers Joh. Matth. in Saarbuckenheim;
    M Susanna, Wwe des Sebastian Elinger, T des Martin Ehrhardt, Verwalter der Eisenschmiede in Langenkamtern (Baden);
    30.4.1692 Cath. Elis. (* 1673), T des Joh. Jakob Boeler, Notar u. Beisitzer des Kleinen Rats in Straßburg.

  • Leben

    Auf Wunsch seines Vaters widmete sich E. den Wissenschaften und promovierte zum|Dr. phil. (De umbilico terrae, Dissertation Straßburg 1676). Anschließend studierte er Arzneiwissenschaften bis zur Promotion zum Dr. med. (De scrofulis, Dissertation ebenda 1684). – Sein erstes, 1691 erschienenes Werk mit der aus Gradmessungen von Eratosthenes, Ricciolus, Picardus, Fernelius und Snellius abgeleiteten langgestreckten Form des Erdsphäroids diente in der Folge als wichtigstes Beweisstück französischer Geodäten gegen die Newton-Huygenssche Theorie des abgeplatteten Erdsphäroids. Der hitzige Streit fand erst rund ein halbes Jahrhundert später durch die zwei von der französischen Akademie veranstalteten Expeditionen nach Peru und Lappland seinen Abschluß; dennoch hielt die einflußreiche und durch ihre Auswirkungen, insbesondere wegen des Verlaufs der Peru-Expedition, verhängnisvolle Arbeit von E. ihren Platz in der Weltliteratur. – Die Tätigkeit von E. als praktischer Arzt in Straßburg von 1684 an fand durch einen Unfall 1696 ihr Ende. Fortan betätigte er sich als Mathematiker, Geodät und Altertumsforscher. Die letztgenannte Wissenschaft bereicherte er um ein Sammelwerk über antike Maße, Gewichte und Geldwerte, das lange als Standardwerk galt (1708, 21737). Obgleich E. im Vorwort jeden Zweifel an seiner Autorschaft auszuschließen bemüht ist, wird diese von späteren Forschern angezweifelt. Als Mathematiker gab E. 1700 die alten Kepler-Bartschschen Logarithmentafeln neu und mit Vorwort und Anleitung versehen heraus. Mehrere Einzelarbeiten über das Thema „Die Figur der Erde“ wurden im Journal des Savants und in den Memoiren der Pariser Akademie veröffentlicht, meist um sein Buch von 1691 gegen Angriffe zu verteidigen. – Korrespondierendes Mitglied der Pariser Akademie.

  • Werke

    Weitere W u. a. Diatribe de Figura Telluris elliptico-sphaeroide …, Straßburg 1691;
    De ponderibus et mensuris veterum romanorum, graecorum, hebraeorum, nec non de valore pecuniae veteris, disquisitio, Accesserunt hac editione tabulae Scioppii nummariae et ex variis auctoribus de pecunia romanorum excerpta, ebd. 1708, 21737.

  • Literatur

    ADB V;
    Acta Eruditorum, Leipzig 1713, S. 280 ff.: Biogr. ancienne et moderne, Paris 1811-28;
    E., Haag, La France protestante ou Vie des protestants Français IV, ebd. 1853, S. 535;
    S. Günther, Hdb. d. math. Geogr., 1890, S. 287 ff.;
    Jöcher;
    Pogg. I. – Qu.: Programmata funebria v. St. Thomas (St. Thomas-Archiv im Stadtarchiv Straßburg).

  • Autor/in

    Gottlob Kirschmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Kirschmer, Gottlob, "Eisenschmid, Johann Caspar" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 419 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102463441.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eisenschmidt: Johann Caspar E., Geodät und Mediciner, geb. 15. Sept. (nach Andern 25. Sept., oder 15. Nov.) 1656 zu Straßburg, 5. (od. 4.) Dec. 1712 ebenda. Sohn eines wirklichen Eisenschmiedes von großem Ansehen, widmete er sich auf Wunsch seines Vaters den Wissenschaften und erwarb 1676 die philosophische Doctorwürde mit einer Dissertation „De umbilico terrae“. Nun erst begann er ein neues Studium, das der Arzneiwissenschaften, und erwarb sich 1684 auch deren Doctorwürde auf Grund einer Abhandlung „De scrofulis“. Während 12 Jahren war er praktischer Arzt, doch eine Verletzung, welche er sich 1696 durch einen schweren Fall zuzog, nöthigte ihn, diese Gattung von Thätigteit aufzugeben, worauf er sich einzig auf Mathematik verlegte. Um seiner|Verdienste in dieser Wissenschaft willen ernannte ihn die Pariser Akademie zu ihrem Mitgliede. Von seinen Schriften hat die dem Datum nach jüngste „De ponderibus et mensuris veterum Romanorum etc.“, welche 1708 und 1737 in zwei Auflagen erschien, großen Werth für die Alterthumswissenschaft. Seine Autorschaft wird zwar von Jöcher (Allgem. Gelehrten-Lexikon) bestritten, doch wie es scheint mit Unrecht. Wenigstens nennt E. sich in der Vorrede in bestimmtester Weise als Verfasser. Vorher 1700 gab E. die Kepler-Bartsch'schen Logarithmentafeln neu heraus. Am bekanntesten ist das älteste Werk: „Diatribe de figurâ telluris elliptico sphaeroida“ 1691, in welchem E. der Newton-Huyghens'schen Annahme von der abgeplatteten Gestalt der Erde gegenüber deren Eiform behauptete. Die Eisenschmidt'sche Behauptung wurde von De Lagny und anderen zuerst im Journal des Sçavans für 1691, p. 648 bekämpft, von E. in derselben Zeitschrift für 1692 und in den Memoiren der Pariser Akademie lebhaft vertheidigt. Erst die Gradmessungen von 1737 entschieden die Streitfrage endgültig zu Gunsten der Newton'schen Annahme.

    • Literatur

      Acta Eruditorum pro MDCCXIII, pag. 280—284. — Haag, La France Protestante, Paris 1860, Vol. IV, pag. 535.

  • Autor/in

    Cantor.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cantor, Moritz, "Eisenschmid, Johann Caspar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 773-774 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102463441.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA