• Leben

    B., ursprünglich Mönch im Kathedralkloster St. Emmeram in Regensburg und dort wohl von Bischof Michael in die Missionspraxis eingeführt, wurde in den Königsdienst gezogen und unternahm, von Otto d. Großen mit der notwendigen materiellen Grundlage versehen, den ersten, durchaus friedlichen Missionsversuch in dem deutscher Herrschaft bereits unterworfenen Lande östlich der Saale. Er ist in den Zusammenhang der Missionierung Böhmens zu stellen, bei der sich sächsische und bayerische Kräfte begegneten. B. ließ einen (heiligen?) Hain bei Zeitz roden und erbaute dort eine steinerne Kirche (976 Buosenrod), vielleicht eine weitere bei der Königsburg Altenburg (976 Buosendorf). An deutsche Siedlung ist schwerlich zu denken, eher an Missionsstationen. B. schrieb Texte in slavischer Sprache nieder; wahrscheinlich handelt es sich um in Regensburg übersetzte Beichtformeln und Lehrtexte. 968 wurde er Bischof des neugegründeten Bistums Merseburg, starb aber schon nach zwei Jahren auf einer Reise nach Bayern, wohin er also die Verbindung aufrecht erhalten hatte.

  • Literatur

    ADB III;
    L. Nottrott, Aus d. Wendenmission, 1897, S. 230 f.;
    Hauck III, S. 95-99;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques IX, 1937, Sp. 1325–27.

  • Autor/in

    Walter Schlesinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlesinger, Walter, "Boso" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 482 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102422907.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Boso eröffnet die Reihe der Bischöfe von Merseburg. Kaiser Otto der Erste, der Gründer der christlichen Kirche im Slavenlande jenseits der Elbe, beabsichtigte zu Magdeburg bei dem daselbst erbauten Münster ein Erzbisthum zu errichten, diesem aber ein gleichfalls mit einem Münster zu verbindendes Bisthum von Merseburg zuzuordnen. Sein Vorhaben, schon 962 durch eine Bulle des Papstes Johannes XII. unterstützt und 966 durch die Synode von Ravenna aufs neue in Anregung gebracht, kam zwei Jahre später zur Ausführung. Der zum Erzbischof von Magdeburg erwählte Abt Adalbert consecrirte im J. 968 B. als ersten Bischof von Merseburg. Dieser nämlich war in einem auf der östlichen Seite von Regensburg außerhalb der Stadt belegenen Kloster des Märtyrers St. Emmeram erzogen worden; hierauf trat er als Geistlicher in kaiserliche Dienste und empfing in Anerkennung seiner Thätigkeit ein Beneficium der Kirche von Zeitz, woselbst er in einem Walde einen nach ihm benannten steinernen Tempel erbaute und weihen ließ. Schon vor seiner bischöflichen Ordination besaß er das ganze zu den Kirchen von Merseburg, Thornburg und Kirchberg gehörige geistliche Amt, und da er bereits durch ausdauernde Predigt und Taufe in den östlichen Gegenden eine große Volksmenge Christo zugeführt hatte: so wurde ihm vom Kaiser unter den drei neu zu stiftenden Bisthümern Meißen, Zeitz und Meiseburg die Wahl freigestellt. Er entschied sich für das dritte, welches er mit Eifer verwaltete. Um nun die seiner Pflege Anvertrauten leichter zu unterrichten, hatte er slavische Worte aufgeschrieben, mit deren Hülfe er sie aufforderte, das Kyrieleison zu singen. Sie aber verwandelten dieses Wort in Uhrivolsa, welches in unserer Sprache soviel heißt als: Aeleri stat in frutecto, die Eller steht im Busche. So, meinten sie spöttisch, hat B. gesprochen, während dieser etwas Anderes gesagt hatte. B. führte sein Amt 1 Jahr 10 Monate und 3 Tage, er starb (am 1. Nov. 970) in seiner Heimath Baiern und liegt zu Merseburg in der Kirche Johannes des Täufers vor dem Altar begraben. Dies die einfache Erzählung in Thietmari Chron. II., cap. 14. 23, MGH. SS. V, p. 750. 55, welcher zufolge B. zu den eifrigsten deutschen Predigern dieser Zeit und Gegend gezählt werden muß. Wie sehr aber die Unkenntniß des Slavischen die dortige Wirksamkeit erschwerte, erhellt auch aus andern Beispielen. Vgl. Chron. episcop. Merseb. (MGH. SS. T. X. p. 165—67), dazu Giesebrecht, Wendische Geschichten, I. S. 193 ff.

  • Autor/in

    Gaß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gaß, Wilhelm, "Boso" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 188-189 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102422907.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA