• Genealogie

    V Gustav, Rektor d. Marinegarnisonschule in F.;
    M Agnes Petersen; ledig.

  • Leben

    M. besuchte, da ihr als Mädchen das Gymnasium verwehrt blieb, das Lehrerinnenseminar in Kiel. Erst 1905 gelang es ihr, als Externe das Abitur abzulegen. Seit 1902 studierte sie als Gasthörerin, seit 1905 als ordentliche Studentin in Kiel und Berlin Deutsch, Geschichte und Neuphilologie. Bei Friedrich Kaufmann wurde sie 1907 mit einer Dissertation über „Formelausdrücke in Wolframs 'Parzifal'“ in Kiel als erste Frau zum Dr. phil. promoviert. M. wurde Oberlehrerin am Chamisso-Lyzeum in Berlin-Schöneberg, 1911 Direktorin des Mädchenlyzeums in Rüstringen (Oldenburg), 1916 des Genesius-Wegener-Oberlyzeums, des Turnlehrerinnenseminars und der Frauenschule Stettin. Sie wurde Vorsitzende des Frauenausschusses im Reichsausschuß für Leibesübungen und des Frauenbeirates der deutschen Turnerschaft. Seit 1925 gehörte sie zu den Bearbeitern und Herausgebern von „Wägen und Wirken“, einem Lesebuch für den Deutschunterricht an höheren Mädchenschulen. 1929 übernahm sie die Leitung des Westend-Oberlyzeums in Berlin-Charlottenburg, das mit über 800 Schülerinnnen zu den größten und modernsten Schulen Berlins zählte.

    1919 trat M. der Deutschen Volkspartei (DVP) bei und wurde bald Mitglied von deren Vorstand sowie Vorsitzende des Reichsfrauenausschusses der DVP. Im Juni 1920 wurde die gewandte Rednerin für den Wahlkreis Frankfurt/Oder in den Reichstag gewählt, dem sie bis zu dessen Auflösung 1933 angehörte. Sie setzte sich dafür ein, die Rechte der Frauen in den verschiedenen Lebensbereichen gesetzlich zu fixieren. Ihr besonderes Interesse galt der Kulturpolitik sowie Fragen der Sozial- und Mittelstandspolitik, der Renten- und Familienpolitik. M. wurde Sachverständige der Reichsregierung für die Kommissionen für Kinder- und Jugendschutz und gegen den Mädchenhandel beim Völkerbund in Genf sowie Mitglied der Filmoberprüfstelle Berlin und der Berliner Prüfstelle für Schmutz- und Schundschriften. Am Zustandekommen des Gesetzes gegen Schmutz- und Schundschriften (1926) war sie maßgeblich beteiligt; zusammen mit Ernst Seeger verfaßte sie einen Kommentar hierzu (192 7). Im Interesse des Jugendschutzes trat M., die 1921-33 auch Mitglied der verfassunggebenden Kirchenversammlung in Preußen war, für eine restriktive Handhabung des Gesetzes ein. 1933-45 widmete sie sich ausschließlich ihren Aufgaben als Schulleiterin. Nach dem 2. Weltkrieg lebte sie in Pfarrkirchen (Niederbayern). Tatkräftig wirkte M. nun beim Aufbau des Müttergenesungswerkes und in der Flüchtlingsbetreuung mit.

  • Literatur

    F. Henning, in: Das Parlament v. 9.6.1984 (P);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Matz, Elsa" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 419 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102099731.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA