Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Orgelbauer in Oettingen im Ries
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1019871679 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinmeyer

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Zitierweise

Steinmeyer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1019871679.html [10.12.2018].

CC0

  • Leben

    Die Firma „Georg Friedrich Steinmeyer & Co.“ in Oettingen gestaltete die nach der ersten großen Orgelbauperiode des Barock etwa um 1840 einsetzende zweite Phase des Orgelbaus mit historistischen, expressionistischen, nostalgischen und neohistoristischen Tendenzen maßgeblich mit. Dank ihres Qualitätsstandards setzten sich S.-Orgeln deutschlandweit durch, Auslandsaufträge aus fast allen europ. Ländern, aus Nord- und Südamerika, Südafrika und Asien setzten schon 1857 ein.

    Georg Friedrich (1819–1901) lernte seinen Beruf in Oettingen, bildete sich weiter in Augsburg, Ulm und Ludwigsburg, wo er 1843–47 bei Eberhard Friedrich Walcker|(1794–1872) das Rüstzeug für die Gründung eines eigenen Unternehmens 1847 in Oettingen erwarb. Bis 1899 wurden 676 neue Orgelwerke hergestellt, fast alle konstruktiv als Kegelladen mit mechanischer Traktur und der Zeit entsprechend in historistischen Stilgehäusen. Namhafte Werke aus dieser Zeit waren u. a. die Domorgeln in Bamberg, München und Speyer. S., zweimal verheiratet und Vater von 19 Kindern, von denen viele im Kindesalter starben, war Kirchenvorstand, 1854 Mitbegründer der Neuendettelsauer Diakonissenanstalt, Abgeordneter im Stadtmagistrat und in mehreren sozialen Einrichtungen (Krankenhaus, Witwenanstalt, Krankenunterstützungsverein) ehrenamtlich tätig. 1891 verlieh ihm Prinzregent Luitpold v. Bayern den Titel Kommerzienrat, 1899 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt Oettingen.

    1864–84 beteiligte sich der Orgel- und Harmoniumbauer Johannes Strebel (1832–1909) am Unternehmen zum Aufbau einer eigenen Harmoniumfabrikation. An seine Stelle trat als Teilhaber und 1901 als Inhaber und Nachfolger der damals älteste Sohn aus erster Ehe Johannes (1857–1928), während die fünf weiteren erwachsenen Söhne Theodor (1852–80), Gottlieb (1867–1950), Wilhelm (1868–1915), Ludwig (1870–1939) und Albert (1874–1941) als Mitarbeiter in leitenden Funktionen tätig waren. In den 1890er Jahren, der Übergangszeit zur zweiten Generation, fanden wichtige orgelbautechnische Entwicklungen statt; sie führten zur Konstruktion der pneumatischen Traktur mit vielfältigen Steuerungsmöglichkeiten und der speziell Steinmeyer’schen pneumatischen und elektrischen Taschenlade für die S.-Orgeln der folgenden Jahrzehnte. 1901–28 wuchs die Zahl der neugebauten Orgeln um rund 800 Opusnummern auf 1490 an, darunter die „größte Kirchenorgel der Welt“ in Passau mit 208 Registern. 1905 erhielt Johannes den Titel Hoforgelbaumeister, die Firma durfte sich „Königl. Bayer. Hof-Orgel- & Harmonium-Fabrik“ nennen. 1916 wurde er Geheimer Kommerzienrat, später auch für seine wirtschaftlichen und kulturellen Verdienste Ehrenbürger der Stadt Oettingen.

    Johannes’ ältester Sohn Hans (1889–1970) ging nach dem Abitur zur Ausbildung in die USA, arbeitete dort in verschiedenen Unternehmen und kehrte 1920 nach Deutschland zurück, wo er 1928 die Firma übernahm. Der jüngere Bruder Fritz I (1895–1974) arbeitete als Teilhaber in der Geschäftsführung und Planung. Hans, der sich mit der Orgelreform intensiv beschäftigte, erkannte wieder die Vorteile der Schleiflade. Er schuf in den 1930er Jahren bedeutende Großorgeln, etwa in Berlin, München, Nürnberg, Speyer, Trondheim und in den USA, insgesamt über 700 Instrumente. Ein Markstein der betrieblichen Entwicklung war die größte Orgel der 1950er Jahre, die Marienorgel in Ottobeuren mit 82 Registern auf fünf Manualen und Schleifladen mit mechanischer und elektrischer Doppeltraktur. 1963 wurde ein neues Betriebsgebäude bezogen. 1937 bis zur Auflösung 1943 und nach der Wiedergründung 1946 war S. Vorsitzender und 1967 Ehrenvorsitzender des Verbands der Orgelbaumeister Deutschlands, nach dem Krieg 2. Bürgermeister und Ehrenbürger seiner Heimatstadt, Träger des Bundesverdienstkreuzes.

    Hans’ Sohn Fritz II (1918–2008) wurde nach acht Jahren Wehr- und Kriegsdienst 1950 Mitinhaber der Firma und übernahm 1967 die Geschäftsleitung in der vierten Generation. Als nach der Beseitigung der Kriegsschäden die Auftragszahlen zurückgingen, verlegte sich der Betrieb immer stärker auf die Restaurierung alter Orgeln, wozu die Firma schon 1914 in Ottobeuren ein beachtliches Beispiel geliefert hatte. Dennoch mußte die Belegschaft, die in den besten Zeiten um 1930 mehr als 100 Mitarbeiter gezählt hatte, auf ein kleines Restaurierungsteam reduziert werden. 1994 übertrug Fritz aus Altersgründen die Geschäftsführung an seinen Vetter Paul (* 1933), der Ende 2000 das Unternehmen an den Orgelbaumeister Karl Göckel (* 1957) in Mühlhausen-Rettigheim verkaufte.

  • Werke

    u. a. zu Georg Friedrich: Oettingen, St. Sebastian, II /14, 1852;
    Bukarest, ev. Kirche, II/20, 1857;
    Rothenburg /T., St. Jakob, III/38, 1858;
    Hersbruck, Stadtpfarrkirche, II/24, 1862;
    Schweinfurt, St. Johannis, II/27, 1867;
    Amorbach, Hofkirche, II/46, 1868;
    Bamberg, Dom, II/31, 1873;
    Nürnberg, St. Lorenz, III/48, 1879;
    München, Dom, III/ 54, 1880;
    Diakovar, Dom, III/52, 1882;
    Speyer, Dom, III/70, 1883;
    Heilsbronn, Münster, II/24, 1887;
    Nördlingen, St. Georg, III /56, 1889;
    zu Johannes:
    Augsburg, St. Anna, III/41, 1902;
    Speyer, Gedächtniskirche, IV/64, 1902;
    Vierzehnheiligen, Basilika, III/44, 1905;
    Mannheim, Christuskirche, IV/92, 1911;
    München, Ak. d. Tonkunst, III/53, 1912;
    Berlin, reform. Synagoge, II/28, 1913;
    Ottobeuren, Basilika, IV /49, 1914 (Restaurierung);
    Augsburg, Stadthalle, III/62, 1915;
    Breslau, Hofkirche, III /47, 1922;
    Amsterdam, Princesse Kerk, III/40, 1924;
    Passau, Dom, V/208, 1924–28;
    zu Hans:
    Trondheim, Olafsdom, IV/139, 1929;
    Bremen, Liebfrauenkirche, IV/71, 1930;
    Hamilton (Kanada), Basilika, III/53 u. II/18, 1933;
    Nürnberg, St. Lorenz, V/157, 1937;
    Wien, Funkhaus, IV/70, 1937;
    München, Dt. Mus., IV /75, 1947;
    Heidelberg, Jesuitenkirche, III/55, 1954;
    Ottobeuren, Marienorgel, V/82, 1957;
    Hamburg, Michaelis, V/85, 1960;
    |München, Herkulessaal, IV/75, 1962;
    Nürnberg, Meistersingerhalle, IV/86, 1963;
    zu Fritz II:
    Düren, Christuskirche, IV/65, 1967;
    Aschaffenburg, Unsere Liebe Frau, III/31, 1971;
    Lindau, St. Stephan, III/48, 1975;
    Lauda, St. Jakobus, III/36, 1978;
    Feuchtwangen, Stiftskirche, II/30, 1982;
    Zürich, Tonhalle, IV/68, 1987;
    Speinshart, Klosterkirche, II/26, 1996;
    Restaurierungen: Auhausen, 1977; Uettingen, 1978; Eppingen, 1980; Kaisheim, 1981; Maihingen u. Triefenstein, 1990; Oberammergau, 1992; Pappenheim, ehem. Klosterkirche, 1992.

  • Literatur

    F. W. Trautner, Georg Friedrich S., weiland KR in Oettingen a./Ries, Nekr., in: Urania 1901, Nr. 9;
    Orgelbau Steinmeyer, Oettingen, Zeugnisse, Revisionsberr. u. Gutachten im Wortlaut bzw. im Auszug über Orgelwerke v. G. F. Steinmeyer & Cie. in Oettingen a. Ries, Bayern [o. O., um 1908];
    Ph. Bachmann, Georg Friedrich S., geb. am 21. Okt. 1819, Seiner Geburt u. seinem Leben z. Gedächtnis, 21. Okt. 1919, 1919: F. K. Weber, Reinhard der Stammler, Gesch. e. Jugend, 1922;
    F. Högner, Hundert Jahre G. F. Steinmeyer & Co., [1947];
    Orgelbau Steinmeyer, 125 Jahre Orgelbau Steinmeyer [Festschrift] 1972;
    H. Fischer u. Th. Wohnhaas, Georg Friedrich S., in: Lb. Bayer. Schwaben 10, 1973, S. 235–57 (P);
    dies., Die Orgelbauerfam. S. in Oettingen 1819/1847–2001, ebd. 16, 2004, S. 193–216;
    dies., Georg Friedrich S. (1819–1901) u. sein Werk, 1978;
    Hermann Fischer, Die Orgelbauerfam. S. in Oettingen (in Vorbereitung) (Verz. d. 2396 Arbeiten, d. Mitarbeiter u. Sachverständigen, P);
    MGG;
    MGG2;
    New Grove2 .

  • Autor/in

    Hermann Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Hermann, "Steinmeyer" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 220-222 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1019871679.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA