• Genealogie

    V Matthias (1879–1954), Lagerist, S d. Peter u. d. Helene Thomas;
    M Elisabeth (1883–1969), T d. Johann Hoffmann u. d. Karoline Vibich.

  • Leben

    M. besuchte das humanistische Gymnasium in Siegburg und studierte seit 1926 an den Universitäten Bonn und Freiburg (Breisgau) sowie am Priesterseminar in Bensberg Philosophie und Theologie. 1932 wurde er in Köln zum Priester geweiht, um dann bis 1950 als Seelsorger zu wirken – zunächst bis 1937 als Kaplan in Essen-Kray und Köln, dann als Kaplan und Pfarrvikar, sowie seit 1946 als Subsidiar, in Bad Godesberg-Friesdorf. Neben diesen Tätigkeiten widmete er sich weiterhin akademischen Studien und promovierte 1939 in Bonn zum Dr. theol. mit der Arbeit „Recht und Grenzen einer Soziologie der Kirche“. 1943 erfolgte die Habilitation für Fundamentaltheologie aufgrund der Schrift „Der christliche Lehrtraditionalismus im Lichte der Religionsphilosophie und der vergleichenden Religionsgeschichte“. Die Kriegswirren verzögerten M.s Zulassung zum Privatdozenten bis 1945. Seit 1946 hielt M. Vorlesungen über scholastische Philosophie, 1947 wurde er mit der Vertretung des Lehrstuhls für Christliche Gesellschaftslehre an der Univ. Bonn beauftragt. Dort wurde er 1948 auch zum planmäßigen Extraordinarius für Christliche Gesellschaftslehre und Allgemeine Religionssoziologie, 1949 zum persönlichen Ordinarius ernannt. 1955 folgte die Berufung M.s als o. Professor auf den eben erst errichteten Lehrstuhl für Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie an der Univ. München, wo er bis zu seinem Tod forschte und lehrte.

    Gemäß der von ihm erbetenen Benennung seiner Lehrstühle gliedert sich M.s wissenschaftliche Arbeit in zwei (einander überlappende) Bereiche: In seinen religions- und kultursoziologischen Forschungen widmet sich M. insbesondere der Entwicklungslogik der kath. Kirche in der Sozialgeschichte. Anknüpfend an Max Weber, sucht er die Wechselwirkungen zwischen jeweiliger Gesellschaftsform und Frömmigkeit idealtypisch zu rekonstruieren. Neben einer ekklesiologischen Klärung der Gestalt der Kirche soll dies zugleich deren gesellschaftliche Aufgabe und Rolle, die M. als wertsetzende bestimmt, präzisieren helfen. In seiner theologischen Soziallehre bemüht sich M. darum, durch begrifflich-systematische Reflexion der gesellschaftlichen Sachverhalte die seiner Ansicht nach vordringlich pastoral ausgerichtete „kirchliche Soziallehre“ wissenschaftlich zu begründen und umzusetzen. Hierzu bezieht er die Methoden und Ergebnisse anderer Wissenschaften (Soziologie, Nationalökonomie etc.) in die Theoriebildung mit ein. Sein ethisches Paradigma erhält er aus der Wertethik, die ihm einerseits eine „objektive Rangordnung“ für Wertsetzungen – d. h. einen normativen Beurteilungsrahmen – liefert und andererseits die Kombination mit soziologischen Analysen im Bereich der „Wertrealisation“ ermöglicht. Unter den Stichworten Individualismus, „Materialismus“ und „Dominanz ökonomischer Werte“ übt M. dabei zeittypische Gesellschaftskritik. Als Spezifikum der christlichen Ethik betrachtet er ein „materiales Mehr“ (wie die Feindesliebe), das ihr aus der Offenbarung zukomme und durch eine „natürliche“, rein philosophische Ethik nicht einholbar sei. – M.s eigentliche Leistung kann insbesondere im kombinatorischen Fruchtbarmachen anderer Wissenschaften für seinen Entwurf und im Heranführen der Theologie an die neuzeitliche Sozialwissenschaft gesehen werden. Besonders seine kultur- und religionssoziologischen Studien sind von bleibendem Wert.

  • Werke

    Weitere W Die Überlieferung, 1950;
    Solidarität u. Selbstverantwortung, 1960;
    Der Jünger Christi u. d. Theol., 1961 (W-Verz., P);
    Kath. Soz.lehre, 2 Bde., 1965-67 (W-Verz.);
    Die kath. Kirche in d. Soz.-gesch., 1980.

  • Literatur

    T. Herweg u. K. H. Grenner, Einl. z. kath. Soz.-lehre I (s. W);
    F. Groner, in: Bonner Gelehrte, Kath. Theol., 1968, S. 131-36 (P).

  • Autor/in

    Wilhelm Korff
  • Empfohlene Zitierweise

    Korff, Wilhelm, "Monzel, Nikolaus" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 65 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10187751X.html#ndbcontent

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