• Genealogie

    Aus angesehener u. vermögender Basler Zunftfam.;
    V Konrad ( 1461/71), Weber u. langj. Ratsmitgl., vermutl. S d. Hans, Weber u. Hausbes. in d. Basler Steinenvorstadt.

  • Leben

    K. immatrikulierte sich 1433 in Erfurt, 1434 in Heidelberg (1435 Magister artium); 1441 ist er als Priester in Basel bezeugt, 1442 als Kaplan beim Dompropst Georg von Andlau. Von 1445 bis zu seinem Tod war K. Domkaplan und Kaplan der Katharinenkapelle in der Pfirt, 1447-48 Dompropsteischaffner, 1450 Schaffner der Sankt Johannesbruderschaft, seit 1468 einer der vier obersten Domkapläne; 1460 immatrikulierte er sich an der neugegründeten Universität Basel und wurde deren erster Notar; seit 1468 war er auch Chorherr in Lauterbach (Elsaß). Im Laufe seines Lebens brachte er es zu einem beträchtlichen Vermögen.

    K.s „Diarium“, einem lateinischen Tagebuch, kommt als einer der besten zeitgenössischen Quellen besondere Bedeutung zu. Leider blieben nur der 2. und 3. Band für die Jahre 1473-76 und 1476-79 erhalten. Auf Grund seiner Ämter, auch durch seine Freundschaften mit bedeutenden Politikern und Humanisten, wie dem Basler Stadtschreiber Nikolaus Rüsch und dem Juristen Peter von Andlau, war er über das Geschehen seiner Zeit gut unterrichtet; Rüsch überließ ihm anscheinend städtische Akten zur Einsichtnahme. Daneben sammelte K. auch Briefe und zirkulierende Berichte, die er zum Teil in der Originalsprache in seine Tagebücher einfügte. Der besondere Reiz der Tagebücher liegt in der Tatsache, daß neben den großen politischen Ereignissen städtische Skandale und Klatsch, Unglücksfälle, Preise und Wetterbeobachtungen mitgeteilt werden. Dies alles zusammen vermittelt ein anschauliches Stimmungsbild der Ereignisse seiner Zeit, das durch sein zum Teil mangelhaft ausgebildetes Kritikvermögen nur unwesentlich beeinträchtigt wird. Da K. politisch den Eidgenossen zuneigte, werden Kaiser und Adel negativ dargestellt, wie dies in der zeitgenössischen schweizerischen Historiographie die Regel ist. Die Darstellung des Hauses Österreich wechselt unvermittelt während der Schilderung der Burgunderkriege. Während Habsburg nun das Gute schlechthin verkörpert, wird das Burgundische der Inbegriff des Bösen. Das gilt vor|allem für Peter von Hagenbach, über den K. Schauerliches zu berichten weiß. Als historische Quelle sind die Tagebücher aufschlußreich, weil die Stimmungen der Zeit ungeschminkt wiedergegeben werden. Dies wird deutlich nicht nur an der sich verändernden Einschätzung des Hauses Habsburg während der Burgunderkriege, sondern auch an der Schilderung der Person Karls des Kühnen von Burgund, der auf seine Zeitgenossen einen unheimlichen, teilweise Furcht erregenden Eindruck machte.

  • Werke

    Diarium, hrsg. v. W. Vischer u. C. Ch. Ber-noulli, in: Basler Chronik II u. III. 1880/87;
    C. Buxtorf-Falkeisen (Hrsg.), Chronik aus d. Zeiten d. Burgunderkrieges, 1851-55 (Bearb. d. Chronik in dt. Sprache;
    d. Bearbeiter hat vieles umgestellt u. gekürzt).

  • Literatur

    ADB 16;
    A. W. Strobel, Notice sur J. K. et la Chronique, in: Revue d'Alsace 6, 1855, S. 470 ff.;
    W. Vischer, in: Basler Chron. III, 1887, S. 583 ff.;
    M. Jansen u. L. Schmitz-Kallenberg, Historiogr. u. Qu. d. dt. Gesch., 21914, S. 98 f.;
    R. Feller u. E. Bonjour, Gesch.schreibung d. Schweiz I, 1962, S. 59 ff.;
    P.-J. Schuler, Die Notare Südwestdtlds., Ein biogr. Verz. v. 1300-ca. 1520, 1978, Nr. 683;
    HBLS.

  • Autor/in

    Peter-Johannes Schuler
  • Empfohlene Zitierweise

    Schuler, Peter-Johannes, "Knebel, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 168 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101865619.html#ndbcontent

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  • Leben

    Knebel: Johannes K., baserischer Geistlicher und Verfasser geschichtlicher Aufzeichnungen. Er war der Sohn eines angesehenen und wohlhabenden Bürgers von Basel, des Konrad K., der längere Zeit hindurch als Vertreter der Zunft der Weber im Rathe saß. Seine Geburt muß in das erste oder das zweite Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts fallen. Im J. 1432 immatriculirte er sich an der Universität Erfurt, später wurde er Kaplan am Münster zu Basel und rückte in der Folge in die Stelle eines assisius chori, d. h. eines der vier obersten Kapläne, vor, außerdem war er Canonicus der Kirche von Lautenbach (bei Gebweiler). Daneben übte er den Beruf eines Notars aus und bei der Gründung der Universität Basel im J. 1460 wurde er zum notarius universitatis bestellt. Er war nahe befreundet mit dem berühmten, als Professor an dieser Anstalt wirkenden Juristen Peter von Andlau, Propst von Lautenbach und Kaplan am Münster, den er auch seinen Lehrer nennt. Gestorben ist er 1481 oder 1482. K. hat ausführliche tagebuchartige Auszeichnungen über die Ereignisse seiner Zeit gemacht, von denen zwei Bände, von 1473—1479 reichend, auf der Basler Universitätsbibliothek erhalten sind, während ein erster Band verloren gegangen ist. Die Reichhaltigkeit, Lebendigkeit und Unmittelbarkeit dieser Aufzeichnungen, in denen auch zahlreiche Briefe, Urkunden und sonstige Actenstücke mitgetheilt werden, machen sie zu einer überaus werthvollen Quelle der Zeitgeschichte, namentlich der Geschichte der Kämpfe Karls des Kühnen mit den Schweizern und ihren Verbündeten. Die Herausgabe derselben ist von der historischen und antiquarischen Gesellschaft zu Basel in Angriff genommen worden und es ist bis jetzt der erste der vorhandenen Bände im Druck erschienen als Band II der von dieser Gesellschaft veranstalteten Sammlung von Basler Chroniken.

    • Literatur

      Vgl. Basler Chroniken II, Vorrede. Ausführlicheres über die Person Knebel's und über sein Tagebuch wird die Einleitung zu Band III enthalten.

  • Autor/in

    Bischer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Vischer, "Knebel, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 275 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101865619.html#adbcontent

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