Lebensdaten
1285 bis 1359 oder 1360
Beruf/Funktion
Musiktheoretiker ; Geschichtsschreiber ; Schulmann ; Priester ; Grammatiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 10096110X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hugo
  • Spechtshart von Reutlingen, Hugo
  • Hugo von Reutlingen
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Zitierweise

Hugo Spechtshart von Reutlingen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096110X.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    N Konrad Spechtshart ( 1395), Lehrer in Reutlingen, versah H.s Werke mit Glossen.

  • Leben

    H. ist das älteste nachweisbare Glied der bis zum 16. Jh. in Reutlingen erwähnten Familie Spechtshart. Nach seinen vermutlich in Prag absolvierten Studien wirkte er als Frühmesser seiner Vaterstadt. Die Urkunden nennen ihn zum ersten Mal 1329. Außerdem war er Kaplan an der Marienkirche. 1331 kaufte er den Widemhof zu Unterhausen und erwarb gleichzeitig das noch 1353-55 ausgeübte Patronatsrecht über die dortige Kirche. 1348 wurde H. in Ulm durch Bischof Friedrich von Bamberg vom Bann gelöst, dem er während des Kampfes zwischen Ludwig dem Bayern und den Päpsten verfallen war, da er trotz des Interdiktes die Messe gesungen hatte. Am 12.5.1359 nennen ihn die Akten zum letzten Mal im Zusammenhang mit einer Stiftung an die 2. Präbende der Reutlinger St. Nikolauskapelle. – H.s Bedeutung gründet auf einem vielseitigen, ausschließlich für Unterrichtszwecke verfaßten Schrifttum, das zu den wertvollsten Quellen der Schul- und Musikgeschichte des 14. Jh. zählt. Er schrieb alles in leoninischen Hexametern. Seine zahlreich überlieferten und von anderen Autoren häufig benutzten „Flores musicae“ vermitteln den Stoff der traditionellen Chorallehre. Ein weiteres Werk H.s, das große Verbreitung fand, war seine „Forma discendi“, ein Lehrgedicht in 780 Hexametern, das einen Musterlehrgang vom Elementarunterricht bis zum Abschluß der Grundausbildung darstellt. Für den Unterricht bestimmt war auch seine „Cronica“ (2 Bücher, ca. 800 u. 530 Hexameter), ein geschichtliches Handbuch. Beginnend mit der röm. Zeit ist sie bis zum 13. Jh. eine Kompilation, danach jedoch eine zuverlässige, insbesondere für die Geschichte der Geißlerzüge wichtige Quelle, die vor allem Texte und Melodien der Flagellantenlieder enthält.

  • Werke

    Flores musicae omnis cantus Gregoriani, 1332 u. 1342, Erstdr. 1488, Neuausg. mit Übers. v. C. Beck, in: Bibl. d. Litter. Ver. in Stuttgart 89, 1868;
    Forma discendi, 1346, Teiled. durch A. Diehl, in: Mitt. d. Ges. f. dt. Erziehungs- u. Schulgesch. 20, 1910, S. 15 ff., u. S. H. Steinberg, in: The Library 21, 1941;
    Cronica, 1. Buch 1347 beendet, 1349 erg., hrsg. v. K. Gillert, in: Forschungen z. dt. Gesch. 21, 1881, S. 23-65;
    Geißlerlieder, hrsg. v. P. Runge, 1900;
    Speculum grammaticae, 1350 u. 1358, Hss. u. Textproben b. A. Diehl, s. o., S. 8 ff.

  • Literatur

    ADB 35 (unter Spechtshart);
    A. Diehl, in: Gesch. d. humanist. Schulwesens in Württemberg I, 1912, passim;
    K. Bihlmeyer, in: Hist.-pol.|Bll. f. d. kath. Dtld. 160, 1917, S. 257-67, 281-93;
    A. Hübner, Die dt. Geißlerlieder, 1931;
    G. Silagi, Aus d. „Forma discendi“ d. H. S. v. R., in: Festschr. B. Bischoff, 1971;
    MGG VI Sp. 867-70 (W, L);
    Vf.-Lex. d. MA V.

  • Autor/in

    Karl-Werner Gümpel
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümpel, Karl-Werner, "Hugo Spechtshart von Reutlingen" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 23-24 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096110X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Spechtshart: Hugo S., geboren 1285 in Reutlingen, erhielt, wie es scheint, in Prag seine Bildung und ward Caplan und Priester der Frühmesse in seiner Vaterstadt. Er verfaßte 1330 ein „Speculum grammaticale metricum“, ein grammatikalisches Lehrgedicht (nur Handschrift), 1332 „Flores musicae omnis cantus Gregoriani“, ein an die Lehre des Guido von Arezzo angelehntes, im Mittelalter viel gebrauchtes Lehrbuch des Meßgesanges und der Musik, herausgegeben von Karl Beck als 89. Publication des Literarischen Vereins, Tübingen 1868; endlich 1347 und in den folgenden Jahren eine erst neuerdings in der kaiserlichen Bibliothek zu St. Petersburg aufgefundene, gereimte Weltchronik, die als bequemes Handbuch für junge Cleriker dienen sollte, aber nur für die Zeit Ludwig's des Baiern und die ersten Jahre Karl's IV. von historischem Werth ist (herausgegeben von Karl Gillert in den Forschungen zur deutschen Geschichte XXI, Seite 21 ff.; Noten dazu in Boehmer, Fontes IV, 137 ff.). Von seinem sonstigen Leben ist wenig bekannt. Am 26. October 1331 erwarb er das Patronatsrecht der Kirche zu Honau. 1324, 1338 sang er in Reutlingen trotz des Interdicts die Messe, gerieth deshalb in den Bann, von welckem er 1348 nebst andern Geistlichen durch Bischof Friedrich von Bamberg losgesprochen wurde. Am 28. September 1354 erscheint er als Patron der Caplanei in Unterhausen. 1358 besaß er in Reutlingen ein Haus und am 12. Mai 1359 stiftete er die zweite Präbende an der Nicolaus-Kapelle in Reutlingen. In letzterem oder dem folgenden Jahre starb er. Sein Neffe, der Knabenlehrer Konrad S. ( am 9. Januar 1395) versah seine Werke mit Glossen. Ein anderes Glied dieser Familie, Magister Lucas S., war 1477 Leibarzt des Grafen Eberhard von Württemberg und Ehrenmitglied der Universität Tübingen; er starb nach dem Jahre 1500.

    • Literatur

      Lorenz, Deutsche Geschichtsquellen 1886, I, S. 61. — Ch. F. Stälin, Wirtembergische Geschichte III, 211, 757. — P. Fr. Stalin, Geschichte Württembergs I, S. 108. —
      Gayler, historische Denkwürdigkeiten I, 22, 162. —
      Das Königreich Württemberg III, 356. —
      Litterarische Beilage des Staatsanzeigers für Württemberg 1887, Seite 126 (P. Fr. Stälin). —
      Reutlinger Gymnasialprogramm 1886/1887, Seite 22 (K. Friderich). — Reutlinger Geschichtsblätter Jahrg. III, 87.

  • Autor/in

    Th. Schön.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schön, Theodor, "Hugo Spechtshart von Reutlingen" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 77 unter Spechtshart [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096110X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA