Lebensdaten
zwischen 1310 und 1320 bis 1375
Geburtsort
Hildesheim
Sterbeort
Marienau bei Coppenbrügge
Beruf/Funktion
Karmeliterprior ; Theologe ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100949746 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johannes
  • Johannes von Hildesheim
  • Johannes

Orte

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Zitierweise

Johannes von Hildesheim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100949746.html [15.12.2018].

CC0

  • Leben

    J. besuchte die Lateinschule „Andreanum“ in Hildesheim unter Johannes Corvus. In jungen Jahren trat er als Karmelitermönch in das Kloster Marienau (das einzige Karmeliterkloster in Niedersachsen) ein. 1351-55 studierte er in Avignon bei Petrus Thomasius. 1353 war er in Aachen bei der Gründung einer Ordensniederlassung tätig. 1358 wurde er beauftragt, an der Univ. Paris Bibel zu lesen („Biblicus“). 1361 verließ er Paris als Baccalaureus. Das Provinzialkapitel in Köln ernannte ihn 1361 zum Prior und Lektor des Klosters in Kassel. 1364-68 nach Straßburg beordert, zunächst als Lektor, war er 1366 dort Prior und Lector Principalis. 1367 folgte eine Romreise mit Einführung bei Papst Urban V. durch Lucas von Penna. Nach kurzem Aufenthalt in Speyer wurde er Prior in seinem heimatlichen Kloster Marienau.

    J. führte einen regen Briefwechsel mit vielen führenden Männern seiner Zeit. In der Heimat nahm er eine besonders bedeutende Stellung ein. So vermittelte er auch zwischen dem Bischof von Hildesheim und dem Herzog von Braunschweig. Aus Karmeliterhandschriften und -briefen ist unser Wissen über ihn in den letzten Jahrzehnten stark erweitert worden. – Berühmt wurde J. durch seine „Vita trium regum“, die dem Bischof von Münster Florentius v. Wevelkoven gewidmet war, auf dessen Geheiß sie geschrieben wurde. Nach Auffindung der ältesten bisher bekannten Handschrift im Stadtarchiv Hildesheim, die sehr wahrscheinlich das Original sein dürfte, ist die Vita auf 1370 zu datieren. In Hildesheim bestand eine alte Dreikönigstradition, ähnlich wie in Köln. Zahlreiche weitere Handschriften sorgten für weite Verbreitung. Einem ersten lat. Inkunabeldruck von 1477 (v. Joh. Guldenschaff in Köln), folgte ein deutscher Druck von 1480 (v. J. Prüß in Straßburg) mit schönen kräftigen Holzschnitten. 1818 schrieb Goethe begeistert über diese Legende der Hl. Drei Könige an Sulpiz Boisserée: „Ich meine nicht, daß irgend etwas Anmutigeres und Zierlicheres dieser Art mir in die Hände gekommen. Weder Pfaffenthum, noch Philisterei, noch Beschränktheit ist zu spüren.“

  • Werke

    u. a. De fonte vitae;
    De Antichristo;
    Contra Judaeos;
    Chron. temporum;
    Opus metricum. -
    Ausgg.: Die Legende v. d. hl. drei Königen, Aus e. v. Goethe mitgeteilten lat. Hs. u. e. dt. d. Heidelberger Bibl. bearb. (u. mit 12 Romanzen begleitet) v. G. Schwab, 1822;
    dass., Volksbuch, d. Verehrung d. hl. drei Könige im Dom zu Köln gewidmet, neu hrsg. v. K. Simrock, 1842;
    dass., mit zeitgemäßen Holzschn., 1960, Übertragung u. Nachwort v. E. Christern;
    dass., übertragen v. ders., 1963.

  • Literatur

    ADB 14 u. 50;
    A. Vogeler, Die hl. drei Könige, in: Alt-Hildesheim, H. 1, 1919, S. 76-87;
    W. Konrad, Dreikönigsverehrung u. Dreikönigsbrauch in Hildesheim, ebd., H. 35, 1964, S. 1-10;
    W. Hartmann, Das Karmeliterkloster Marienau, in: Zs. d. Ges. f. niedersächs. KG 43, 1938;
    R. Hendriks O. Carm., A Register of the Letters of J. of H. O. Carm. de 1375, 1957, in: Carmelus, Commentarii ab Instituto Carmel IV, S. 116-235;
    E. Christern, J. v. H., Florentius v. Wevelinghoven u. d. Legende v. d. Hl. Drei Königen, 1960, auch in: Jb. d. Köln. Gesch.ver. 34/35, 1959/60;
    Vf.-Lex. d. MA II.

  • Autor/in

    Helmut von Jan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jan, Helmut von, "Johannes von Hildesheim" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 554 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100949746.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johannes von Hildesheim, Karmeliter um 1360, Lector und Prior zu Kassel. Seine längst vergessenen historischen, theologischen u. a. Schritten zählt Trithemius im Catalogus illustrium virorum (p. 146 f. der Frankfurter Ausgabe von 1601) auf. Größere Verbreitung fand nur eine derselben, der dem Bischof Florenz von Münster gewidmete „Liber de translatione trium regum“, gegen 1370 verfaßt. Er erschien 1477 im Druck zu Köln (bei Johannes Guldenschaff de Moguncia) und seitdem wiederholt nicht nur in lateinischer Sprache, sondern auch in deutschen und französischen Uebersetzungen. Ueber ein von Goethe 1818 gefundenes und an Sulpiz Boisserée mitgetheiltes Manuscript dieser Schrift vgl. den Briefwechsel in der Biographie: Sulpiz Boisserée (1862), II, S. 254—264.

    • Literatur

      Norohoff, Denkwürdigkeiten aus dem Münsterischen Humanismus (Münster 1874) S. 29 ff.

  • Autor/in

    Crecelius.
  • Empfohlene Zitierweise

    Crecelius, Wilhelm; Philippi, F., "Johannes von Hildesheim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 458 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100949746.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johann von Hildesheim, Carmeliter, trat in das 1316 gestiftete Kloster Marienau bei Koppenbrügge (Provinz Hannover), erhielt seine wissenschaftliche Ausbildung hauptsächlich in Avignon unter dem späteren lateinischen Patriarchen von Constantinopel Petrus Thomas; er blieb dort mindestens bis 1351, wahrscheinlich aber bis 1359, nachdem er selbst als Lehrer an der Carmeliterschule in Avignon thätig gewesen war. In der Heimath scheint er, wie sein Briefwechsel und seine Vermittlung in einem Streite zwischen dem Bischofe von Hildesheim und den Herzögen von Braunschweig beweist, eine bedeutende Stellung eingenommen zu haben. 1367 war er, wol in Angelegenheiten seines Ordens, in Rom, übernahm dann als dritter Prior die Leitung seines Klosters und starb nach den Angaben auf seinem nicht mehr vorhandenen Leichensteine am 5. Mai 1375. Außer seinen Prosaschriften De fonte vitae, De Antichristo, Contra Judaeos, Contra quendam turpia pingentem und den Versen de modernis monstruosis abusionibus, welche nur theilweise gedruckt sind, hat er die Vita trium Regum, die „Legende von den heiligen drei Königen“ verfaßt, welche s. Z. Goethe's Aufmerksamkeit erregte und von Schwab und Simrock übersetzt und bearbeitet wurde, nachdem sie schon im 15. Jahrhundert mehrfach gedruckt und übersetzt war. Die Schrift ist gewidmet an Florenz von Wevelinghoven, Bischof von Münster (1364—1379), welcher früher Unterdechant in Köln gewesen war, und daher wol auch den Johannes v. H. zu der Zusammenstellung der Schrift veranlaßt hatte. Goethe urtheilte darüber: „ich meine nicht, daß irgend etwas Anmuthigeres und Zierlicheres dieser Art mir in die Hände gekommen. Weder Pfaffenthum, noch Philistern, noch Beschränktheit ist zu spüren“.

    • Literatur

      H. Usener, Religionsgeschichtliche Untersuchungen II. Bonn 1889, S. 7 bis 15. — G. Schwab, Die Legende von den heiligen Drei Königen von Johann von Hildesheim. Stuttgart 1822. — Nordhoff, Denkwürdigkeiten aus dem Münsterschen Humanismus, S. 29 Anmerkung.

  • Autor/in

    Philippi.
  • Empfohlene Zitierweise

    Crecelius, Wilhelm; Philippi, F., "Johannes von Hildesheim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100949746.html#adb2content

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