Lebensdaten
1682 bis 1732
Geburtsort
Florenz
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Musiker ; Komponist ; Theorbenvirtuose
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100864627 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Conti, Francesco Bartolomeo
  • Conti, Francesco
  • Conti, Francesco Bartolomeo
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Zitierweise

Conti, Francesco, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100864627.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    S Ignazio (1699–1759), Musiker in Wien (s. ADB IV).

  • Leben

    C. war von 1701 bis zu seinem Tode in Wien tätig. Schon mit 19 Jahren als Theorbist am kaiserlichen Hofe bestallt, galt er allmählich weithin als erster Virtuose dieses Lauteninstrumentes. Ob die einzige Unterbrechung seiner Wiener Tätigkeit (Ende 1705 bis Anfang 1708) mit fachlicher Weiterbildung zusammenhängt, ist nicht bekannt; jedenfalls wurden schon während dieser Zeit (1706) eine Oper (Clotilda) und ein Oratorium (Il Gioseffo, 2 Teile) von ihm in Wien aufgeführt, und danach setzte ein reiches kompositorisches Schaffen ein, das ihm 1713 den Titel eines kaiserlichen Hofkompositors einbrachte. Auch als Komponist fand C. hohe Anerkennung bei den Zeitgenossen, nicht nur bei J. J. Fux, dem Vertreter einer strengen älteren Schreibweise, sondern ebenso bei J. Mattheson und J. J. Quantz, Anhängern des „theatralischen“ und „galanten“ Stils. Unter den im deutschen Raum wirkenden italienischen Musikern zählt er zu den Begabtesten, vor allem war er mit ein Hauptträger der spätbarocken Musikblüte am Wiener Kaiserhofe. In seinen Oratorien und Opern ragt die dramatische Kraft der Charakterzeichnung wie die Spannweite der musikalischen Formung hervor. Nicht minder originelle Züge zeigt seine Kirchenmusik, insbesondere die Messe; so wird zum Beispiel in deren Einzelteilen sehr deutlich der Schritt von der motettenartig wechselnden Thematik zur konzertverwandten Vereinheitlichung ganzer Sätze vollzogen. Andererseits ist C. einer der frühesten Vertreter der „Credomesse“. In den instrumentalen Formen gilt er als ein Wegbereiter des neueren Sinfoniesatzes; an seiner Instrumentation ist auf den frühen Gebrauch der Klarinette hinzuweisen (Don Chisciotte, 1719).

  • Werke

    Weitere W Ausführl. Verz. in: MGG; zu erg.:
    Amore in Tessaglia (Serenade);
    Clizia e Psiche (Kantate);
    Clori nemica (Kantate);
    Alma redemptoris mater;
    Sinfonia à 4 (alles Hss. d. Nat.Bibl. Wien);
    Messa à 5 voci, 1721;
    Missa St. Pauli (Hss. d. Archivs d. Schottenkirche Wien).

  • Literatur

    ADB IV;
    S. v. Molitor, in: Allg. Musikal. Ztg., 1838, S. 153 ff.;
    L. v. Koechel, J. J. Fux, 1872;
    G. Reichert, Zur Gesch. d. Wiener Messenkomposition in d. ersten H. d. 18. Jh., Diss. Wien 1935 (ungedr.);
    E. L. Gerber, Neues hist.-biogr. Lex. d. Tonkünstler I, 1812;
    Eitner III;
    B. Paumgartner, in: MGG (auch f. S. Ignazio). - Qu.: S. v. Molitor, Stoffslg., Nat.Bibl. Wien, Musikslg., Fasz. XVII (hs.).

  • Autor/in

    Georg Reichert
  • Empfohlene Zitierweise

    Tüchle, Hermann, "Conti, Francesco" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 346 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100864627.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Conti: Francesco Bartolomeo C., berühmter Teorbist und glänzend hervorragender dramatischer Componist, geb. 20. Jan. 1681 zu Florenz, wurde am 1. April 1701 als Teorbist in die kaiserl. Hofcapelle nach Wien berufen; zwar verließ er dieselbe Ende September 1705, wurde jedoch abermals im J. 1708 aufgenommen und blieb nun bis zu seinem Tode in kaiserl. Diensten. Am 1. Jan. 1713 auch zum Hofcompositor ernannt, entwickelte er als solcher ein auf tüchtige Schule basirtes eminentes Talent. Namentlich seine derb-komischen Opern erhöhten seinen ohnedies weitverbreiteten Ruf als ausgezeichneter Teorbenspieler auch im Auslande. Sein bedeutendstes Werk in dieser Richtung, die 5actige Oper „Don Chisciotte in Sierra Morena“ (Textbuch von Apostolo Zeno und P. Pariati, gedruckt bei van Ghelen), wurde das erste Mal aufgeführt zu Wien im Carneval 1719 (in deutscher Uebersetzung auf dem Hamburger Theater im J. 1722). Die Charaktere der einzelnen Personen werden hier in einer Weise musikalisch geschildert, wie sie drastischer kaum gedacht werden kann. Dagegen wußte C. in seinen Cantaten und Oratorien auch Ernst und Würde zum Ausdruck zu bringen. Seine erste Oper „Clotilde“, im Carneval 1706 in Wien gegeben, kam 1709 in London zur Aufführung und erschienen die einzelnen Gesänge gedruckt bei S. Walsh. Die in Wien in den J. 1706—32 aufgeführten Werke (16 große Opern, 13 Serenaden oder Feste teatrali und 9 Oratorien) sind sämmtlich in v. Köchel's „Fux“ namhaft gemacht. Mit Ausnahme weniger Nummern befinden sich die Partituren sämmtlicher Compositionen Conti's auf der kaiserl. Hofbibliothek in Wien; auch das Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde besitzt eine große Anzahl derselben. — Die gehässige Verunglimpfung von Conti's Charakter durch Fétis (Revue musicale 1827, Nr. 3) bedarf heutzutage keiner weitläufigen Widerlegung; Veranlassung dazu hatte Mattheson's „Vollkommener Capellmeister“ (1739, S. 40) gegeben. Es bleibt nur zu bedauern, daß, obwol schon Quantz (Marpurg, Krit. Beitr. 1754, I. 219) und Gerber (Neues Lex. der Tonk. 1812) die erzählte Anekdote anzweifelten und S. Molitor (Allg. Mus. Ztg. 1838, S. 153 f.) den Sachverhalt klar darlegte, Fétis dennoch in der 2. Auflage seiner Biogr. univ. (Tome II. 1861) seine Behauptung aufrecht erhielt, da ihm auch jetzt noch das räthselhafte Schweigen über Conti's Leben nach 1730 mindestens sehr sonderbar erschien. Dies Räthsel löst sich einfach dadurch, daß C. keineswegs in Verschollenheit gerieth, daß er vielmehr thatsächlich am 20. Juli 1732 in Wien im 51. Lebensjahre verschied. — Jener Ignazio C. aber, über den Fétis im unklaren ist, ob er als Bruder oder Sohn des vorigen anzusehen sei, war wirklich dessen Sohn (geb. 1699). Derselbe componirte allerdings für den kaiserl. Hof, brachte es aber über den Hofscholar nicht hinaus, als welcher er auch, 60 Jahre alt, nach 40 Jahren Zuwartens am 28. März 1759 zu Wien verschied. Dieser jüngere C. muß hier deshalb erwähnt werden, da eben dieser sich eines strafwürdigen Vergehens schuldig gemacht hatte und auf Grund einer Verwechselung zur ungerechten Beschuldigung seines Vaters Veranlassung bot. (Vgl. v. Köchel's „Fux“ S. 96 u. 345 ff.)

  • Autor/in

    C. F. Pohl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Carl Ferdinand, "Conti, Francesco" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 454 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100864627.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA